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Blitzschnell in Texas

Die Klubschule Migros nutzt Zukunftstechnik: Die Teilnehmer eines neuen Englischkurses werden mit Virtual Reality in ferne Länder versetzt.

Text Michael West
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Ein Schweizer Tourist betritt in einem texanischen Kaff einen Saloon, setzt sich zwischen ausgestopften Bisons an ein Tischchen und bestellt ein Bier. Lange bleibt er nicht allein: Ein Cowboy grüsst ihn mit einem herzlichen «Howdy», nimmt vis-à-vis Platz und will alles über die Ferienpläne des Fremden wissen.

Diese Szene erleben Teilnehmer eines neuartigen Englischkurses der Klubschule Migros hautnah: Dank Virtual-Reality-Brillen sitzen sie mitten in der Kneipe; der Cowboy scheint sie direkt anzusprechen. Im Blickfeld erscheinen jeweils verschiedene mögliche Antworten als kleine Texte. Werden sie mit einem Controller angeklickt, reagiert der Texaner darauf und setzt das Gespräch in seinem urchigen Englisch fort. «Die Virtual Reality wirkt sehr unmittelbar», sagt Lehrer Jeremy Blanchard (38), der an der Klubschule Basel unterrichtet. «Das Sprachtraining ist so viel intensiver als etwa bei einem simplen Rollenspiel.» Blanchard war an der Entwicklung des Kurses beteiligt, der in der Deutschschweiz und der Romandie angeboten wird.

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Jeremy Blanchard hat den Kurs mitentwickelt.

Englisch in vielen Varianten

Das Zielpublikum sind Leute, die ihre Sprachkenntnisse vor einer Ferienreise auffrischen möchten. Die Kursleiter vermitteln auch Grammatik, doch im Vordergrund steht das Erleben von Alltagssituationen in fremden Städten und Landstrichen. Weitere 3-D-Videos versetzen die Teilnehmer zum Beispiel in einen Tauchshop im australischen Cairns oder in ein Restaurant in Schanghai. «Wir möchten so auch vermitteln, dass Englisch in zahllosen Varianten gesprochen wird», erklärt Blanchard. «Es ist sehr unwahrscheinlich, dass man auf einer Ferienreise auf Gesprächspartner trifft, die bühnenreifes Oxford English reden.»
Wie verwirrend die Ankunft in einem fremden Kulturkreis sein kann, hat der Englischlehrer am eigenen Leib erlebt: Den grössten Teil seines Lebens hat er im US-Bundesstaat Connecticut und in der australischen Hauptstadt Canberra verbracht. Im Winter 2006 wanderte er wegen der Liebe zu seiner heutigen Ehefrau nach Basel aus und war zuerst schockiert über die Kälte und auch den Lärm bei der Fasnacht. Heute fühlt er sich hier zu Hause und versteht inzwischen problemlos «Baseldytsch».

 

Bilder: zVg

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