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17 Millionen Stück süsse Heimat

Reisende aus aller Welt lieben sie: die Schöggeli der Schweizer Fluggesellschaft Swiss. Hergestellt werden sie von Chocolat Frey in Buchs AG. Die Migros-Tochter ist stolz auf diesen Prestigeauftrag.

Text Kian Ramezani
Fotos Roger Hofstetter
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Der letzte süsse Gruss aus der ­Heimat, bevor man irgendwo in der weiten Welt landet, wiegt
14 Gramm. Ebenso das süsse Willkommen zurück vor der Ankunft in Zürich oder Genf: Die Rede ist von dem Stückchen spezieller Schoggi, das die Fluggesellschaft Swiss ihren Passagieren in der Economy Class verteilt. Die berühmten, rot eingepackten Schöggeli stammen von der Migros-­Tochter Chocolat Frey aus Buchs AG, wo sie das ganze Jahr hindurch hergestellt werden. Das Geheimnis hinter ihrer Beliebtheit ­kennen allerdings auch dort nur sehr wenige Leute. Einer der Eingeweihten ist Produkt­entwickler ­Dominic Meier: «Für die Swiss haben wir eine ganz besondere Rezeptur entwickelt, die nur in diesem Produkt ein­gesetzt wird. Mehr verrate ich nicht.»

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Beim Abfüllen ist die Schokolade 28 bis 29 Grad warm, damit sie sich gleichmässig in der Form verteilt und das Swiss-Logo gut sichtbar wird.

Ein paar Milligramm mehr oder weniger

Dass sie alle gleich aussehen und gleich viel wiegen, darüber wacht sein Kollege Poly That: «Wir achten auf möglichst geringe Abweichungen. Nicht, dass wir kleinlich wären, aber bei 17 Millionen Stück pro Jahr fallen ein paar Milligramm mehr oder weniger schon ins Gewicht», sagt der Anlagenführer mit einem Augenzwinkern. Auch sonst hat der Frey-Mitarbeiter die Schokolade stets im Blick, denn nur wenn diese bei der rich­tigen Temperatur abgefüllt wird, erhält sie einen schönen Oberflächenglanz und knackt später beim Reinbeissen. 

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Bald schreitet sie durch den Gang und erfreut Fluggäste: Ein Besatzungsmitglied der Swiss macht sich bereit, die ­Schöggeli zu verteilen. Foto © Swiss International Air Lines via instagram.com/flyswiss

Für die Verteilung der 17 Millionen Stück ist das Kabinenpersonal der Swiss zuständig, dabei kamen immer wieder verrückte Dinge vor. So etwa die beiden Maîtres de Cabine, Cathrin Hermann und Jozef Lugaric: «Wir erlebten auf einem Flug einen Heiratsantrag an Bord. Für den Antragsteller haben wir die Swiss-Schöggeli in der First Class in zwei Herzformen angerichtet. Die Frau hat auf seine Frage hin aus den Schokoladen eines der Herzens ein YES geformt und so ihrem Zukünftigen stumm das Jawort gegeben. Das Ganze konnten wir in der First-Class-­Kabine arrangieren, weil wir auf diesem Flug keine Gäste in der ersten Klasse hatten. Die Passagiere waren sehr gerührt.»

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Die «Lunch Tablets», wie sie bei der ­Chocolat Frey offiziell heissen, werden in Schachteln à 60 Stück an Swiss International Air Lines geliefert.

Das Lernen versüssen 

Auf einem anderen Flug hörte Flight Attendant Berkant Oezpay, wie ein Vater mit ­seiner Tochter das Zählen übte. Er versprach ihr zehn Schoggitäfeli, wenn sie bis zehn zählen könne, was ihr mit etwas Hilfe schliesslich gelang. «Nach der Landung kam das Kind zu mir in das Heck des Flugzeugs und sagte, dass es jetzt sogar bis 20 zählen könne. Nach der mündlichen Prüfung gab ich ihr weitere zehn Schöggeli. Die ­Kleine war die glücklichste Passagierin an Bord.»

Und wenn die Chocolatiers aus Buchs an Bord sind? «Wenn ich selber mit der Swiss fliege, schaue ich mir die Lunch Tablets, wie wir sie nennen, natürlich ganz genau an», sagt Daniel Meier, bei Chocolat Frey Verkaufsleiter für die Schweiz. «Der Genuss ist gross und der Stolz ebenso. Wir fühlen uns sehr geehrt durch diesen Auftrag.»

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