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Bienen bei der Migros

Honig vom Hochhaus

Mirjam Lendenmann kocht fürs Leben gerne, am liebsten mit dem Honig ihrer eigenen Bienen. Also brachte sie die gleich an ihren Arbeitsplatz bei der Migros mit.

Text Claudia Schmidt
Fotos Cyrill Krähenbühl
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Wenn am Morgen die Sonne aufgeht und die Pflanzen ihre Blüten öffnen, machen sich die Bienen von Mirjam Lendenmann an die Arbeit. Vom Dach des Bürogebäudes des Migros-Genossenschafts-Bundes strömen sie aus, um Nektar zu sammeln. Elf Völker oder rund 550 000 Bienen haben hier, mitten in der Stadt Zürich, seit 2017 ihr Zuhause.

Lendenmann ist passionierte Hobby-imkerin und seit 2016 Küchenchefin des Personalrestaurants des Migros-Genossenschafts-Bundes. Der Bienenstandort bot sich also geradezu an. Bienen in der Stadt zu halten, hat aus Sicht der 33-Jährigen Vorteile: «Die Biodiversität in der Stadt ist grösser. Die Bienen finden hier oft ein besseres Nahrungsangebot – vom Frühjahr bis zum Ende des Sommers», sagt die Imkerin. Sogenannte Trachtlücken, in denen die Bienen nur wenig Nahrung finden, gibt es in der Stadt im Gegensatz zu ländlichen Gebieten praktisch nicht. Auch Pestizide finden sich hier kaum.

Glückliche Bienen durch naturnahe Haltung

Zu den Bienen fand die Köchin über ihren Mann, einen Imker mit eidgenössischem Fachausweis. Zusammen betreiben die beiden heute das Kleinunternehmen beehappy, das nicht nur Honig produziert, sondern im Aargau auch Bienenvölker vermietet.
Der Ertrag ist für Mirjam Lendenmann zweitrangig. Ab Mitte Juli erntet sie keinen Honig mehr, sondern überlässt ihn den Bienen. «Bei Bedarf füttern wir ihn auch wieder zu», erklärt sie. Das erlaubt den Bienen, Pflanzen anzufliegen, die ihnen guttun und sie stärken. Gerade geschwächte Tiere profitieren davon. Im Winter muss die Imkerin deshalb nur wenig Zuckerwasser zufüttern. In ihren Bienenbauten findet auch ein eigener Kreislauf statt. Sie setzt keine fremden Mittelwände ein, die Bienen zum Wabenaufbau brauchen. Die Mittelwände werden aus dem eigenen Wachs der alten Brutwaben gewonnen, indem man sie einfach einschmilzt. So werden alle Waben einmal pro Jahr erneuert.

Technik statt Gift gegen den Parasiten

Die Varroamilbe, die so ziemlich jedes Bienenvolk in Europa angreift, verschont auch die Bienen des Personalrestaurants nicht. Mirjam Lendenmann bekämpft den Schädling aber nicht mit Ameisensäure, wie das andere Imker tun. Sie setzt auf eine nachhaltigere Methode, nämlich eine biotechnische, wie der totalen Brutentnahme Ende Juli. Dadurch entfernt die Imkerin einen Grossteil der Milben, die das Volk befallen haben. Die verbleibenden Milben werden mittels Fangwaben aus dem Volk entfernt. «Wir haben Königinnen, die jetzt schon vier Jahre alt sind», sagt die Küchenchefin stolz. «Wenn man den Milbenbefall mit Ameisensäure behandelt, werden sie nicht so alt. Das bestätigt uns in unserem Vorgehen.»

Ihre grosse Liebe zu den Bienen und zum Honig hat auch einen grossen Einfluss auf ihre Küche. «Am liebsten kombiniere ich Honig mit säuerlichen Zutaten. Etwas, was die Süsse wieder besänftigt. Daheim koche ich sehr viel mit Honig», sagt Mirjam Lendenmann. Ihr Lieblingsrezept: Pinienkerne-Krokant – oder auch eine feine Honig-Joghurt-Glace.» Das würde sicherlich auch die Bienen stolz machen.

Wie werde ich Imkerin?

Hobbyimker benötigen keine offizielle Ausbildung. Wer eigene Bienenstöcke hat, muss sie allerdings registrieren lassen. Der Imkerverband Bienen Schweiz legt künftigen Haltern nahe, einen Grundkurs über 18 Halbtage zu belegen. Der Lehrgang geht über zwei Jahre und deckt alle Aspekte der Bienenhaltung ab.

Noch mehr Bienenwissen vermitteln dreijährige Kurse, die mit dem eidgenössischen Fachausweis für Imker bzw. Imkerinnen abschliessen.
Infos: bienen.ch

Rund um die Bienenhaltung gilt es vieles zu beachten. Das wird in Kursen vermittelt.

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