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Immobilien

Ist meine Hypothek gegen das Virus immun?

Die Coronakrise erschüttert Wirtschaft und Finanzmärkte – und tangiert auch den Immobilienmarkt stark. Was könnte auf Hausbesitzer und -käufer zukommen? Wir haben bei der Migros Bank nachgefragt und beantworten neun drängende Fragen.

Text Benita Vogel
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1 Brechen die Häuserpreise ein?

Es ist nicht zu erwarten, dass die Preise für Wohneigentum einbrechen. Zwar wird die Schweizer Wirtschaft das Jahr wohl in einer Rezession beenden. Christoph Sax, Chefökonom der Migros Bank, geht aber nicht von einer mehrjährigen Rezession mit grosser Belastung der Wohneigentumspreise aus. Viele Länder haben Massnahmen ergriffen, um die Konjunktur zu stützen. Hinzu kommt, dass anders als an der Aktienbörse im Immobilienmarkt keine Panik herrscht. Die Akteure warten eher ab – was den Markt etwas in Schockstarre versetzt. Auch die tiefen Zinsen sorgen weiter für weitgehend stabile Preise. Folglich ist nicht damit zu rechnen, dass Banken Hypothekar-finanzierungen öfter kündigen oder nachverhandeln werden.

2 Steigen bald die Hypozinsen?

Die Hypothekarzinsen werden unter anderem von der Rendite der Staatsanleihen beeinflusst. Und diese ist derzeit hoch: Investoren fürchten, dass die Staatsschulden wegen der Coronakrise aus dem Ruder laufen. Dies hat die Hypozinsen leicht ansteigen lassen. Die Experten der Migros Bank gehen aber davon aus, dass die Sorgen im Fall der Schweiz übertrieben sind, und erwarten, dass die Rendite für die Bundesobligationen wieder sinkt. Der Anstieg der Hypothekarzinsen wird sich folglich nicht fortsetzen – auch, weil die Nationalbank weiterhin eine Tiefzinspolitik betreibt.

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3 Kurzarbeit: Was nun?

Auch wenn Sie in Kurzarbeit sind, kann die bestehende Hypothek unverändert weiterlaufen. Die Lohnreduktion sollte ja bloss vorübergehend sein und die langfristige finanzielle Tragbarkeit der Hypothek nicht beeinflussen. Falls Sie dennoch Liquiditätsprobleme haben, sollten Sie sich an Ihre Beraterin oder Ihren Berater wenden. Möchten Sie ein Haus oder eine Wohnung kaufen und dafür eine neue Hypothek abschliessen, ist es hingegen ratsam abzuwarten, bis die Kurzarbeit beendet ist.

4 Wie absichern, sollten die Zinsen doch einmal steigen?

Das hängt auch von Ihrer Risikobereitschaft ab. Wenn Sie ein tiefes oder mittleres Risikoprofil haben und steigende Zinsen erwarten, passt für Sie ein Finanzierungsmix mit zeitlich gestaffelten Festhypotheken ideal. Im aktuellen Zinsumfeld empfiehlt sich etwa eine Kombination von 7- und 10-jährigen Festhypotheken. Wer mehr Risikobereitschaft aufbringt, wählt etwa einen Finanzierungsmix mit einer Hälfte geldmarktbasierter Hypotheken (Libor, später Saron) sowie je einem Viertel 5- und 10-jähriger Festhypotheken.

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Christoph Sax, Chefökonom der Migros-Bank

5 Was gehört zum Eigenkapital?

Es gibt harte und weiche Eigenmittel. Eigene Ersparnisse, Guthaben der 3. Säule, Wertschriften, Rückkaufswerte von Versicherungspolicen, Schenkungen oder Erbvorbezüge sind harte Eigenmittel. Sie müssen mindestens zehn Prozent des Liegenschaftswerts ausmachen. Für das restliche erforderliche Eigenkapital bis mindestens 20 Prozent kommen weiche Eigenmittel infrage, etwa Bezüge oder Verpfändungen von Pensionskassengeldern. Nicht anrechenbar sind private Darlehen von Freunden oder Verwandten, soweit sie verzinst und zurückbezahlt werden müssen: Sie gelten wie eine Bank-Hypothek als Fremdkapital.

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6 Kann ich jetzt überhaupt ein Eigenheim kaufen?

Auch wenn sich der Immobilienmarkt in einer Schockstarre befindet, gibt es nach wie vor genügend Käufer und Verkäufer, sodass der Markt funktioniert. Rechnen Sie für eine mögliche Abwicklung jedoch genügend Zeit ein. Haus- und Wohnungsbesichtigungen sind zurzeit oft nur eingeschränkt möglich, beispielsweise per Video. Auch die Notariate und Grundbuchämter führen nur noch dringende und wichtige Beurkundungen durch.

7 Wie viel darf es kosten?

Es gibt zwei wichtige Kriterien: 1. Ihre Eigenmittel müssen mindestens 20 Prozent des Verkehrswerts abdecken, auf den Ihre Bank die ins Auge gefasste Immobilie schätzt. 2. Die finanzielle Tragbarkeit, also alle Wohnkosten – vorab Zinsen, Amortisationen sowie Neben- und Unterhaltskosten –, dürfen maximal 35 Prozent Ihres Nettoeinkommens ausmachen.

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8 Muss ich nach einem Börsencrash die Amortisation durch 3a-Fonds anpassen?

Wenn Ihr 3a-Vorsorgefonds, mit dem Sie die Hypothek indirekt amortisieren, an Wert verloren hat, müssen sie kein Geld nachschiessen. Die indirekte Amortisation erstreckt sich über einen langen Zeitraum. So lassen sich auch im Moment markante Börsenverluste üblicherweise korrigieren.

9 Online-Hypothek: gibt es das?

Ja. Eine neue Hypothek oder die Ablösung einer bestehenden Hypothek können Sie bequem und schnell von zu Hause aus beantragen. Wenn Sie bei der Migros Bank eine Festhypothek in der Höhe von mindestens 300 000 Franken online beantragen und abschliessen, gibt es zudem einen Bonus von 2000 Franken.

Infos: migrosbank.ch/online-hypothek

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Illustrationen: Gabriela Masciadri

 

 

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