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Reisen nach Corona

Was muss ich wissen, wenn ich verreisen will?

Viele Länder haben ihre Grenzen für den Tourismus inzwischen wieder geöffnet. Wir haben bei Ferienexperten, Hotelplan und Swiss nachgefragt, worauf sich Reisende einstellen müssen.

Text Ralf Kaminski
Corona: Am Strand nur mit Abstand, in Porto Cervo, Italien.

Reisen in Zeiten von Corona: Am Strand muss Abstand gehalten werden, hier in Porto Cervo, Italien. (Bild: Getty Images)

Sollte ich überhaupt ins ­Ausland reisen?

Das Bundesamt für Gesund­heit (BAG) empfiehlt, auf nicht notwendige Auslandsreisen ausserhalb des Schengenraums und Grossbritanniens zu verzichten. Die Einreise­vorschriften der einzelnen Länder können sich aufgrund der epidemiologischen Lage aber sehr schnell ändern, daher sollte man kurz vor der ­Abreise immer überprüfen, was aktuell im Zielland gilt.

Riskiere ich bei der Rückkehr in die Schweiz, in Quarantäne zu müssen?

Ja, bei Ländern mit ­hohem Corona-Infektionsrisiko kann das passieren. Derzeit betrifft dies 29 Länder, darunter die USA, ­Serbien und Schweden (siehe Box unten). Das BAG führt eine Liste, die regelmässig aktualisiert wird.

Wohin kann ich denn eigentlich reisen?

Der Reiseveranstalter Hotelplan hat derzeit unter ­anderen folgende Destinationen im Programm: Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, Griechenland, Zypern, Albanien, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, ­Belgien, Holland, Schweden, ­Island sowie die baltischen Staaten.

Worauf muss ich mich vor Ort einstellen?

Jedes Land hat seine eigenen Corona-Regeln. Generell gilt es, Abstand zu halten, aufs Hände­schütteln zu verzichten oder auch Gruppenansammlungen zu vermeiden. Einige Länder haben eine Maskenpflicht eingeführt. Kunden von Hotelplan erhalten für ihre ­Ferien Informationen be­züglich der Bestimmungen im ­jeweiligen Land sowie Empfehlungen, was sie vor und während der Reise ­beachten sollen.

Corona: Ein Tourist besichtigt Ruinen in Antalya, Türkei

Zwar mit Maske, dafür hat man die Ruinen ganz für sich allein: Tourist bei Antalya in der Türkei. (Bild: Getty Images)

Was gilt in welchem Land?

Das Reiseportal TravelNews hat eine Zusammenstellung über die Situation in sämtlichen Ländern aufgeschaltet, die regelmässig aktualisiert wird. Sie zeigt auf, in welche Länder man als Schweizer überhaupt reisen kann.

Kehrt man aus einem der folgenden Länder in die Schweiz zurück, muss man in Quarantäne:

Argentinien, Armenien, Aserbaidschan, Bahrain, Belarus, Bolivien, Brasilien, Cabo Verde, Chile, Dominikanische Republik, Honduras, Irak, Israel, Katar, Kolumbien, Kosovo, Kuwait, Moldova, Nordmazedonien, Oman, Panama, Peru, Russland, Saudi-Arabien, Schweden, Serbien, Südafrika, Turks- und Caicos-Inseln, USA. (Stand 2. Juli 2020, wird regelmässig aktualisiert)

Kann mich ein Ferienland im Hotel einsperren, falls Corona erneut ausbricht?

Jedes Land hat seine eigenen Regeln in einem solchen Fall, es lässt sich also da und dort nicht ausschliessen.

Werde ich vom ­Veranstalter für ­Unbill und Kosten entschädigt, falls ich mich im Hotel anstecke?

Hotelplan übernimmt diese Kosten nicht. Es empfiehlt sich, eine Reise­versicherung abzuschliessen, die ein solches Ereignis einschliesst.

Kann mich die Rega zurückfliegen, falls ich im Ausland schwer an Covid-19 erkranke?

Grundsätzlich ja, eine Garantie besteht jedoch nicht – medizinische, technische oder operationelle Gründe könnten einen ­Einsatz verhindern. In den letzten Monaten hat die Rega regelmässig an Covid-19 erkrankte Patienten in ihre Heimat geflogen. Wird die Rega alarmiert, entscheidet der Beratungsarzt aufgrund der verfügbaren Angaben über die medizinische Notwendigkeit, den optimalen Zeitpunkt und die Art des Transportmittels einer allfälligen Repatriierung. So oder so gilt: Bei medizinischen Problemen im Ausland erhält man über die internationale Alarmnummer der Rega +41 333 333 333 rund um die Uhr Hilfe.

Was gehört in die Corona-­Reiseapotheke?
Mundschutz (Masken), Händedesinfektions­mittel und Seife, Handschuhe sowie Paracetamol.

Corona: Gondelfahren in Venedig mit Maske.

In Venedig hat es derzeit so wenig wie Touristen wie sonst nie. (Bild: Getty Images)

Können bis zum Herbst noch weitere Länder besucht werden?

Das ist derzeit schwierig abzuschätzen und hängt vom Verlauf der Pandemie in den jeweiligen Ländern ab.

Wann sind Reisen auf andere Kontinente wieder möglich?

Mauritius wird voraussichtlich ab 1. September die ­Grenzen öffnen. Myanmar und ­Japan könnten ab Oktober für Schweizer Touristen ge­öffnet sein. Dies hängt jedoch stark von der Entwicklung der Pandemie ab.

Welche Länder werden noch länger schwierig bleiben?

Es dürfte dauern, bis Länder wie die USA, Kanada, Thailand oder Südafrika ihre Grenzen für Touristen öffnen.

Corona: Im Meer an der Amalfi-Küste mit Maske.

Ins Meer mit Maske: Badegast an der Amalfiküste in Italien. (Bild: Getty Images)

Wenn ich jetzt für Sommer oder Herbst etwas buche: Kann ich kostenlos stornieren, falls sich die Lage bis ­dahin wieder verschlechtern sollte?

Wenn es aufgrund der Pandemie nicht möglich ist, eine bei Hotelplan gebuchte Pauschalreise anzutreten (etwa wegen fehlender Flugverbindung oder geschlossener Grenzen), werden die ­Reisekosten vollumfänglich rückerstattet. Das Geiche gilt für bereits ­gebuchte Reisen. Es empfiehlt sich daher, Ferien im Reisebüro zu buchen.

Ist eine Last-minute-Reise die beste Lösung, um Ferien mit dem geringsten finanziellen Risiko zu buchen?

Nein. Hotelplan empfiehlt, Reisen frühzeitig zu buchen. Da die Airlines aktuell noch nicht alle Destinationen im ­gewohnten Takt anfliegen, kann es sonst sein, dass die Flüge für die gewünschten ­Ferien bereits alle ausgebucht sind. Umso mehr, als die Rückerstattung der Kosten bei ­einer Pauschalreise gewährleistet ist, falls diese wegen ­Corona-Massnahmen vor Ort nicht stattfinden kann.

Corona: Anstehen fürs Check-in am Flughafen in Mallorca.

An den Flughäfen kann es ab und zu länger dauern, hier in Mallorca. (Bild: Getty Images)

Worauf muss ich mich beim Fliegen einstellen?

An den meisten Flughäfen gilt Maskenpflicht, auch an Bord vieler Airlines. Zudem muss am Flughafen mit ­längeren Wartezeiten gerechnet ­werden. Der Service an Bord ­wurde vielfach ein­geschränkt, da und dort gibt es Gesundheitschecks. Diese Mass­nahmen als Schutz vor ­einer Ansteckung werden wohl ­bleiben, solange die ­Gefahr ­einer zweiten oder dritten Welle besteht.

Wie läuft es bei Swiss?

Auch dort gilt nun seit 6. Juli eine Maskenpflicht. Über 95 Prozent der Swiss-Passagiere haben laut Swiss jedoch schon bisher eine Maske getragen. Zudem wurden zusätzliche Hygienemassnahmen eingeführt: Die Maschinen werden häufiger und intensiver ge­reinigt, alle Gäste erhalten ein ­Desinfektionstuch. Auf Kurz- und Mittelstreckenflügen gibt es Einschränkungen beim Essens- und Getränkeangebot, auf Duty-free-Verkauf und ­Verteilung von Hot-Towels wird ganz verzichtet. Bordmagazine und Zeitschriften stehen lediglich elektronisch zur Verfügung.

So fliegt es sich in Corona-Zeiten mit der Swiss-Muttergesellschaft Lufthansa. 

Lassen sich die Corona-Regeln im Flugzeug einhalten?
Abstand an Bord geht nur, solange die Auslastung der Flieger gering ist. Das ist für die Airlines aber unprofitabel. Deshalb haben sie auch allen anderen Massnahmen zugestimmt. Dennoch ist das Risiko einer Ansteckung an Bord sehr klein, weil die Luft nicht nur von oben nach unten bläst, sondern auch alle drei Minuten völlig ausgetauscht und gefiltert wird.

Kann mich die Airline am Boarding hindern, wenn ich leichtes Fieber habe? Kriege ich in einem solchen Fall mein Geld zurück?

Grundsätzlich ist jeder Passagier selbst dafür verantwortlich, die Vorschriften einzuhalten. Swiss führt keine Temperaturmessungen vor dem Flug durch, macht die Gäste aber darauf aufmerksam, sich selbst auf typische Covid-19-Symptome zu überprüfen. Wer nach einer ­Buchung an Corona erkrankt, kann bei Swiss ohne ­Aufpreis in die ­gleiche Reiseklasse und Ziel­destination umbuchen.

Wird Fliegen langfristig teurer?

Generell wohl ja. Denn die Krise hat die Branche hart getroffen, selbst die ganz grossen Flug­gesellschaften wanken – von den kleinen und mittleren werden kaum alle überleben. Das be­deutet auch, dass es auf vielen Strecken weniger Wettbewerb und folglich höhere Preise geben könnte. Hinzu kommt, dass die ­Gesundheitsmassnahmen nicht gratis sind und die Airlines versuchen werden, die Kosten zu überwälzen. Auf beliebten Strecken wie Zürich–London oder Zürich–Barcelona aber dürfte der Wettbewerb nach wie vor gross sein, was die Preise dämpfen wird. Swiss rechnet ­damit, dass die Auslastung der Flüge vorerst tiefer sein wird und viele Airlines deshalb ­preisaggressiv auftreten werden. Kurzfristig dürften die Preise also eher tiefer liegen, mittel- und langfristig jedoch wieder steigen. 

Corona: Im Swiss-Flugzeug unterwegs nach New York

Es hat noch reichlich Platz: Ein Swiss-Flug nach New York. (Bild: Markus A. Jegerlehner/Keystone)

Gibt es auch für Airbnb-Wohnungen besondere Corona-­Vorschriften?

Airbnb hat nach ­eigenen Angaben mit Hygiene- und Gast­gewerbe-Experten ­er­weiterte Reinigungs­standards entwickelt. Dieses Schritt-für-Schritt-Reinigungshandbuch steht bereits heute Gastgebern in den USA zur ­Verfügung – bald gibt es dies auch überall auf der Welt.

Die Antworten stammen von Hotelplan, Swiss, Rega, Airbnb sowie Stefan Eiselin (Chefredaktor «Aerotelegraph») und Susan De Crom-Beer (Zentrum für Reisemedizin in Zürich).

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