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Gefahren beim Wandern

Sicher in den Bergen unterwegs

Wanderungen lassen sich gut vorbereiten, aber auf überraschende Naturgefahren muss man unmittelbar reagieren. Wie man sie erkennt und was man im Ernstfall tun oder lassen sollte.

Text Petra Koci
kuh

Viele Kühe verbringen den Sommer auf der Alp. Und manchmal führt der Wanderweg genau über ihre Weide.

Das Wandern ist des Schweizers Lust… Immer mehr von uns gehen zu Fuss auf Tour – das zeigt leider auch die Unfallstatistik: Im Schnitt werden jährlich 26 500 Verletzungen beim (Berg-)Wandern erfasst, gut ein Drittel mehr als vor 15 Jahren. Der sicherste Weg zum genussvollen Wandern? Gefahrenstellen erkennen und sich bei unliebsamen Überraschungen angemessen verhalten.

Steinschlag

Steinschlag entsteht oft spontan.
Steinschlag entsteht oft spontan.

Steinschlag entsteht oft spontan, begünstigt durch hohe Temperaturen, Schneeschmelze oder Gewitter. Frische Steine am Boden können ein Hinweis sein, laut Rolf Sägesser, Fachleiter Ausbildung Sommer beim Schweizer Alpenclub (SAC). Gefahrenzonen sollte man schnell, zielstrebig und trittsicher durchlaufen. Als Gruppe bleibt man beim Abstieg kompakt hintereinander, einen Hang dagegen traversiert man einzeln. Das Risiko, getroffen zu werden, ist kleiner, wenn man mit etwas Abstand hintereinander statt nebeneinander geht. Wenn Steine herunterkommen: schneller und trittsicher laufen oder ausweichen. Und immer wieder auch hochgucken und hinhören. Nah an einer steilen Felswand oder mit dem Rucksack über dem Kopf laufen kann einen Schutz bieten. Wichtig ist, zügig zu traversieren und nicht stehen zu bleiben.

Geröll

Ausrutschen, Stolpern und Stürze sind die häufigsten Unfallursachen beim Wandern.
Ausrutschen, Stolpern und Stürze sind die häufigsten Unfallursachen beim Wandern.

Ausrutschen, Stolpern und Stürze sind die häufigsten Unfallursachen beim Wandern. Alte oder grobblockige Geröllfelder haben eine gewisse Festigkeit. Heikel sind jedoch Schrofengelände (steile, felsige mit Gras oder Geröll durchsetzte Terrains), glitschige Grasmatten und loser Schieferstein. Rolf Sägesser vom SAC weist darauf hin, dass kleinere, kontrollierte Schritte beim Absteigen die Balance unterstützen. Dabei kann man den Körper leicht in Richtung Hang lehnen und den Fuss talwärts abwinkeln. Je mehr Sohle am Boden aufliegt, desto geringer die Gefahr abzurutschen. Man kann auch das Dreipunktesystem anwenden und sich zusätzlich mit der Hand abstützen, zwei Füsse und eine Hand geben mehr Stabilität. Übrigens: lange Hosen und Ärmel schützen vor Abschürfungen.

Blitzschlag

Gerade in den Bergen kann das Wetter lokal und sehr rasch umschlagen.
Gerade in den Bergen kann das Wetter lokal und sehr rasch umschlagen.

Gerade in den Bergen kann das Wetter lokal und sehr rasch umschlagen. Wenn zwischen Blitz und Donner weniger als zehn Sekunden vergehen, sollte man sich nicht mehr im Freien aufhalten, sondern Schutz, etwa in einer Hütte, suchen. Und wer unterwegs überrascht wird? Die Beratungsstelle für Unfallverhütung rät, Berggipfel und Grate zu verlassen und sich von Bäumen, Masten und einzelnen herausragenden Felsen fernzuhalten. Bei Blitzschlag können Höhlen und grosse Felsvorsprünge eine Schutzmöglichkeit sein, solange man drei Meter Abstand vom Felsen hält. Am besten kauert man sich aber mit geschlossenen Beinen in einer Geländemulde nieder und umfasst die Knie. Nicht hinsetzen oder hinlegen und Metallgegenstände, zum Beispiel Stöcke, von sich weglegen.

Mutterkühe

Nicht nur wir möchten hoch hinaus. Viele Kühe verbringen mit ihren Kälbern den Sommer auf der Alp. Und manchmal führt der Wanderweg genau über ihre Weide. Andrea Accola vom Plantahof in Landquart rät, Mutterkuhherden grossräumig zu umgehen. Als Gruppe zusammenbleiben, langsam mit Abstand vorbeigehen, ruhig und still, nicht fuchteln.

Wer einen Hund dabei hat, nimmt ihn an die Leine und sorgt dafür, dass er nicht bellt. Eine Kuh unterscheidet Hund und Wolf nicht. Sie sieht im Hund eine mögliche Gefahr. Zuweilen sind Kühe einfach neugierig. Gerade in trockenen Sommern haben sie das Bedürfnis nach Salz, und wir schmecken salzig, wenn wir schwitzen.

Wenn die Kuh den Kopf senkt und nach vorne wirft oder mit den Vorderfüssen scharrt, ist das eine Drohgebärde. Bei einem Angriff lässt man den Hund laufen und zieht sich selbst rasch zurück.

Schlangenbiss

2 heimische giftige Vipernarten, Kreuzotter und Aspisviper, leben an sonnigen Hanglagen in den Alpen und im Jura.

10 bis 20 Menschen werden jährlich von einer einheimischen Schlange gebissen.

60 Jahre liegt der letzte tödliche Fall zurück.

Die Kreuzotter ist eine der giftigen Schlangenarten in der Schweiz.
Die Kreuzotter ist eine der giftigen Schlangenarten in der Schweiz.

Im Gegensatz zu den harmlosen Nattern haben Vipern Schlitzpupillen. Die scheuen Tiere reagieren auf visuelle Reize, nicht auf Stampfen. Laut der Koordinationsstelle für Amphibien und Reptilienschutz in der Schweiz veranlassen auffällige Bewegungen die Schlangen zur Flucht.

Falls es zu einem Abwehrbiss kommt, lautet die Erste-Hilfe-Regel: Ruhe bewahren, Anstrengung vermeiden. Das Gift entfaltet erst nach Stunden seine Wirkung. Was man in Filmen oft sieht – Gliedmasse abbinden, Wunde aussaugen –, schadet eher. Auf jeden Fall muss man umgehend einen Arzt aufsuchen.

Fotos: iStock, GettyImages, Andreas Meyer

Gut geschützt auf Wanderungen

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