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Lockerung nach Lockdown

«Ich bin froh, dass endlich wieder offen ist»

Die ersten Hanteln stemmen, den ersten Kaffee trinken oder ein neues Sofa aussuchen: Am 11. Mai 2020, durften Fitnesscenter, Restaurants und Fachmärkte wie Micasa wieder öffnen. Auch in den Supermärkten ist wieder das gesamte Sortiment erhältlich. Die Kundschaft freute sich über die grosse Lockerung – wie ein Augenschein an verschiedenen Standorten zeigt.

Text Ralf Kaminski und Benita Vogel
Fotos Niels Ackermann und Jorma Müller
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Activ Fitness, Dietikon

Der erste Kunde stand am Montag schon zehn Minuten vor Türöffnung vor dem Eingang des Activ Fitness in Dietikon ZH und konnte es gar nicht erwarten, endlich wieder zu trainieren. Insgesamt hat Geschäftsführer Denis Alibasic (41) am Montagvormittag aber eher mit mehr Gästen gerechnet. Etwa 20 sind es gegen 11 Uhr. 80 sind derzeit maximal zugelassen, normalerweise hätten etwa 200 Personen Platz. Einige Geräte sind nicht zugänglich, damit der Abstand gewahrt werden kann, Kinderhort und Sauna bleiben bis mindestens 8. Juni geschlossen.

Und es wird wie wild geputzt. Die Kundinnen und Kunden müssen jedes Gerät nach Gebrauch reinigen, ausserdem putzen die Mitarbeiter ohne Unterlass: Geräte, Treppengeländer, Matten, Garderobe – kaum hat einer alles einmal durchgeputzt, fängt der Nächste wieder von vorne an. «Unser Schutzkonzept ist gut», sagt Geschäftsführer Alibasic. Ein bisschen Sorgen macht ihm nur das jüngere Publikum. «Jugendliche kommen oft abends und trainieren in Gruppen; wir müssen sehen, wie gut sie sich an die Abstandsvorschriften halten. Wir sind drauf vorbereitet, bei ihnen ab und zu mahnen zu müssen.»

Einige Ältere würden sich die Situation erst mal anschauen, bevor sie trainieren kommen, andere hätten schon angekündigt, dass sie sich noch etwas Zeit lassen wollten. «Aber es werden wohl von Woche zu Woche mehr Gäste werden.»

Was es beim Besuch eines Fitnesscenters jetzt zu beachten gilt, lesen Sie auf iMpuls.

Umfrage

Denis Alibasic
Denis Alibasic

Denis Alibasic (41), Geschäftsleiter Activ Fitness, Dietikon

«Wir freuen uns sehr, dass wir endlich wieder öffnen dürfen. Zwar haben wir während der Pause stets zu tun gehabt: geputzt, renoviert, gestrichen, Geräte gewartet – aber es ist halt nicht dasselbe so ganz ohne Kunden. Denen hat das Trainieren auch sehr gefehlt, das hat man ihnen heute echt angemerkt.»

Walti Lagler
Walti Lagler

Walti Lagler (54), Maschinist aus Dietikon ZH

«Ich gehe normalerweise drei-, viermal pro Woche ins Fitnesscenter und bin sehr froh, dass das endlich wieder geht. In den vergangenen Wochen habe ich zu Hause oder auf dem Vitaparcours trainiert, aber es ist halt nicht dasselbe. Vor allem die Geräte haben mir gefehlt. Angst vor Ansteckung habe ich nicht, es müssen sich halt einfach alle an die Massnahmen halten. Und geduscht habe ich schon bisher immer zu Hause.»

Jessica Künzle
Jessica Künzle

Jessica Künzle (30), Werbegestalterin aus Dietikon ZH

«Ich habe es sehr vermisst hierherzukommen. Zwar bin ich ab und zu joggen gegangen, war aber nicht gleich motiviert wie hier. Besonders fehlen mir die Gruppentrainings, auf die ich aber noch weiter warten muss. Schade ist auch, dass der Kinderhort noch geschlossen ist, da muss ich nun immer eine andere Lösung finden. Die Massnahmen finde ich aber gut, gerade auch das Putzen. Jetzt muss das wirklich jeder tun.»

Migros-Supermarkt Métropole, Lausanne

Mit Freude haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Non-Food-Abteilung im Migros-Supermarkt Métropole in Lausanne vor der Eröffnung das Plastik und die Absperrbänder von den Spielzeugregalen genommen. Nun kann die Kundschaft auch Kleidung, Make-up oder Geschenke wieder in den Einkaufswagen legen. «Der Neustart ist geglückt, alles ist reibungslost gelaufen», sagt Filialleiter Olivier Brogognon. Die Kunden freuten sich, wieder alles einkaufen zu können – auch wenn es keinen grossen Kundenstrom gegeben habe. Ein ganz kleiner Kunde war besonders glücklich: Liam (5) – er durfte sich beim Einkauf mit seiner Mutter ein Spielzeug aussuchen.

Umfrage

Enzina Grannonio
Enzina Grannonio

Enzina Grannonio (47), Abteilungsleiterin Kosmetik und Non-Food

«Es war heute Morgen fast ein wenig emotional, als wir unsere abgesperrten Regale wieder freigeben konnten. Die neuen Schminkprodukte in den schönen Frühlingsfarben passen zur Stimmung.»

Larissa Lino und ihr Sohn Wyatt
Larissa Lino und ihr Sohn Wyatt

Larissa Lino (23) mit Wyatt (1), Lausanne

«Endlich kann ich wieder Kleider für meinen Kleinen kaufen, er wächst so schnell. Wir brauchen ein Sommerpyjama. Ich habe zwar auch online eingekauft, freue mich aber, wieder in der Filiale zu sein. Es ist fast wie früher – auch wenn das Ambiente mit den Masken etwas speziell ist.»

Bajrami Resmije und ihr Sohn Liam
Bajrami Resmije und ihr Sohn Liam

Bajrami Resmije (40) mit Liam (5), Lausanne

«Mit der Öffnung des gesamten Sortiments können wir unsere Einkäufe wieder normal tätigen, ich bin froh darüber. Mein Sohn Liam durfte heute ein Spielzeug aussuchen.»

Migros-Restaurant Neumarkt, Zürich Altstetten

Berrin Acibal (50) und ihr Team hatten bereits vor der Eröffnung Anrufe von Gästen erhalten, die wissen wollten, wann das Migros-Restaurant in Altstetten endlich wieder geöffnet sei. Entsprechend war die Spannung am Eröffnungstag gross (siehe Interview mit Kernleiter Gastronomie Mirko Schwarz). «Es blieb aber noch ziemlich ruhig», sagt Berrin Acibal. Sie hätte mehr Leute erwartet. Doch viele Kunden, die sonst zum Mittagessen kämen, arbeiteten noch im Homeoffice. «Die Gäste, die hier waren, freuten sich aber sehr, wieder mal auswärts zu speisen und Kaffee zu trinken.» Sie waren froh, mussten sie keine Personalien angeben. Bisher sei alles reibungslos gelaufen. «Mein Team ist sehr motiviert.»

Am Eingang werden die Gäste empfangen, sie können sich dort die Hände desinfizieren und bekommen einen freien Tisch zugewiesen. Wie viele Leute Einlass erhalten, hängt von der Anzahl Gäste im Selbstbedienungsbereich ab. «Wir rechnen dort pro Gast vier Quadratmeter Platz ein, um den nötigen Abstand einhalten zu können», sagt Berrin Acibal. «Entsprechend haben wir auch die Sitzplatzzahl im Gastraum angepasst.» Anstatt wie üblich 430 sind es momentan 117 Sitzplätze.

Umfrage

Thulasi Nadarajah (rechts) und Sandra Sabljo
Thulasi Nadarajah (rechts) und Sandra Sabljo

Thulasi Nadarajah (22, rechts) und Sandra Sabljo (22), ZHAW-Studentinnen aus Zürich

«Wir wohnen in der Nähe und haben uns schon früher gerne hier getroffen, um gemeinsam zu lernen. Die Bibliotheken an der Fachhochschule sind immer so voll, und derzeit ist ohnehin alles geschlossen. Hier ist es jetzt sogar noch besser zum Lernen, weil es weniger Leute hat und die Abstände zwischen den Tischen grösser sind. In den letzten Wochen mussten wir immer allein zu Hause lernen, zum Glück ist das jetzt vorbei. Wir hoffen, dass auch der Präsenzunterricht bald wieder möglich ist.»

Hans Wick
Hans Wick

Hans Wick (86), pensionierter Lokomotivführer aus Zürich

«Es freut mich sehr, dass hier endlich wieder offen ist. Ich bin langjähriger Stammkunde und kam schon früher immer mit den Arbeitskollegen hierher zum Mittagessen. Heute hat es besonders gut geschmeckt nach all den Wochen, in denen ich mich vor allem von aufgewärmten Konserven ernährt habe. Ich habe keine Angst vor dem Virus, in meinem Alter ist ohnehin jeder Tag ein Geschenk. Und ich halte mich natürlich an alle Massnahmen.»

Micasa, Etoy VD

Nachdem Filialleiter François Regamey seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begrüsst und die letzten Instruktionen zu den Sicherheitsmassnahmen gegeben hatte, waren auch schon die ersten Kundinnen und Kunden im Geschäft. «Sie kamen schubweise – aber es war überschaubar», so Regamey. Nach Umzügen und Aufräumarbeiten zu Hause während des Lockdown sind neuer Stauraum und neue Möbel gefragt. Auch Regamey hat seine Filiale verschönert: «Wir haben die Zeit genutzt, um ein wenig zu renovieren.»

Umfrage

François Regamey
François Regamey

François Regamey (31), Filialleiter Micasa, Etoy

«Nachdem wir in den letzten Wochen Inventar gemacht und unseren Kollegen in den Supermärkten ausgeholfen haben, freuen wir uns jetzt sehr, wieder unsere eigenen Kundinnen und Kunden bedienen zu können.»

Alix Donier
Alix Donier

Alix Donier (29), Lausanne 

«Wir sind während des Lockdown umgezogen, hatten weder Esstisch noch Stühle in der neuen Wohnung und mussten auf dem Boden essen. Deshalb bin ich sehr froh, nun endlich Möbel kaufen zu können. Ich freue mich auch, wieder einkaufen gehen zu können und so zu einem normalen Leben zurückzukehren.»

Marylise Brohy
Marylise Brohy

Marylise Brohy (63), Lausanne 

«Die Wiedereröffnung gibt mir ein wenig Freiheit zurück, das ist gut für die Moral. Wir haben vor Kurzem ein Mobilhome gekauft, das muss ich einrichten. Deshalb haben wir Betten gekauft, ein Sofa und einen Esstisch.»

Patrick Stoecklin und sein Sohn Arno
Patrick Stoecklin und sein Sohn Arno

Patrick Stoecklin (51), Lausanne 

«Ich brauche ein Möbel, um die Sachen meiner Kinder neu zu verstauen. Zudem benötigen wir eine neue Lampe und holen eine Onlinebestellung ab. Der Lockdown war für mich kein Problem, er hat den Rhythmus eher gedrosselt.»

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