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Selbstgemacht

«Ein Sonntag ohne frische Pasta ist kein Sonntag»

Für Sara Di Pomponio Musa bedeutet Pasta Glück. Sie hält die Familie zusammen und schafft eine Bindung zu den Verwandten in Italien.

Text Monica Müller
Fotos Paulo Dutto
Sara Di Pomponio Musa fühlt sich beim Pastazubereiten ihrer Nonna Paula nahe. 

Sara Di Pomponio Musa fühlt sich beim Pastazubereiten ihrer Nonna Paula nahe. 

Sara Di Pomponio Musa (55) steht am Küchentisch vor einem Ring aus Mehl und Gries und lächelt. Sie krempelt die Ärmel ihrer Bluse hoch, steckt sich die Brille ins Haar, justiert die Küchenschürze – und legt los.

In Windeseile schlägt sie sieben Eier in die Mitte des Kraters auf, verquirlt und vermischt sie mehr und mehr mit der Mehl-Gries-Mischung. Sie braucht nicht auf ihre Arbeitsfläche zu schauen, wenn sie knetet – ihre Hände wissen, was zu tun ist. Schliesslich bereitet sie Pasta alla Chitarra seit über 40 Jahren zu. «Wotsch trinke?», «vuoi aqua?», fragt sie, während sie den Teig liebevoll massiert.

Jeden Sonntag isst ihre Familie in Pfäffikon ZH frisch zubereitete Pasta. Auch wenn Sara Di Pomponio Musa zwei Tage die Woche im nahen Schulhaus putzt und drei Tage die Woche in der Küche des Restaurants Cuccina Piccante kocht, ist ihr das nie zu viel: «Ein Sonntag ohne frische Pasta ist kein Sonntag», sagt sie bestimmt. Mit den Gerichten und Gerüchen aus ihrer Kindheit holt sie die Abbruzzen zu sich. Beim Kochen und Geniessen fühlt sie sich ihrer Familie in Pescara nahe.

Im Video: Sara übers Pastamachen

Kindheit auf dem Land

Während Sara Di Pomponio Musa von ihrer Kindheit erzählt, bereitet sie ganz nebenbei auch noch den Teig für die Gnocchi zu. Schliesslich liebe ihr Schwiegersohn ihre Gnocchi. Aufgewachsen ist Sara in einem Gutshof auf dem Land, sie waren zu zehnt, drei Generationen. Ihr Vater verkaufte die Früchte und das Gemüse aus dem Familienbetrieb. Spielsachen gab es keine und so verbrachte das Mädchen jede freie Minute in der Küche mit Nonna Paula. Sie schaute ihr über die Schultern, knetete Teig und spielte mit Kellen und Töpfen. Als ihre Nonna sie mit zehn Jahren in die Geheimnisse ihrer Rezepte einweihte, hatte sie diese bereits verinnerlicht.

Hätte sie in den Weihnachtsferien im Jahr 1987 nicht diesen charmanten Eugenio in der Disco in Pescara kennen gelernt, würde sie noch immer auf dem Hof der Familie leben und Kindergärtler unterrichten. Doch sie wusste: Eugenio, geboren in Fischenthal, wollte lieber Eugen sein und im Zürcher Oberland leben. Also folgte sie ihrem Liebsten und passte sich an. Sie lebt gerne hier, ist bestens integriert und hat viele Freunde. Und trotzdem sagt sie mit Blick auf den glitzernden Pfäffikersee: «Alle reden von diesem See. Ich will ans Meer!»

Die Liebe war stärker

Möchte sie ihren Mann necken, nennt sie ihn einen «mezzo Svizzero», einen halben Schweizer. Eugen di Pomponio liess sich bereits als 20-Jähriger einbürgern und besitzt seither nur den Schweizer Pass. «Der Ausländerausweis störte mich», sagt er.

Eigentlich hätte er nie eine Italienerin heiraten wollen. Er lächelt und sagt: «Aber dann kam Sara.» Sie bezeichnet sich auch nach 30 Jahren in der Schweiz als «Italienerin im Herzen». Auch wenn Eugen gern Cordon Bleus und Raclette isst, findet er die Küche seiner Frau einzigartig. «Sie vermittelt mir ein Gefühl von Heimat.»

Sara Di Pomponio Musa liebt die Pasta alla Chitarra, eine Spezialität aus ihrer Heimat, den Abruzzen. 

Sara Di Pomponio Musa liebt die Pasta alla Chitarra, eine Spezialität aus ihrer Heimat, den Abruzzen. 

Vor Corona hat die Familie all ihre Ferien in den Abruzzen verbracht. Nun konnten sie Ostern bereits zum zweiten Mal nicht nach Pescara reisen. Täglich telefoniert Sara di Pomponio Musa mit ihrer Mutter, abends «facetimen» sie auch. Ebenfalls täglich hört oder sieht sie ihre Tochter Vanessa (30), die vor zwei Jahren mit ihrem Verlobten Damiano (26) aus der elterlichen Wohnung in eine eigene gezogen ist. «Mit dem Auto nur fünf Minuten entfernt», sagt Vanessa.

Eine lange Pasta-Lehre

Natürlich hat Sara Di Pomponio Musa ihrer Tochter gezeigt, wie man Pasta zubereitet. Doch Vanessa sagt mit Blick auf die brodelnden Töpfe in der Küche: «Ich bin noch immer in der Lehre.» Gnocchi gelingen ihr eigentlich immer, Pasta alla Chitarra hingegen nicht. Stehe sie in der Küche an, «facetime÷ sie mit ihrer Mutter. Diese rate ihr fast immer «nimm mehr Öl!». Die Mutter schüttelt den Kopf und sagt: «Diese Jungen essen einfach kein Öl mehr.» Vanessa lacht. Damiano und sie würden drei Mal die Woche Sport treiben, um alles essen zu können, was ihre Mutter sonntags auftische.

«Domenica si deve fare geniessen!», sagt die Mutter und streicht sich die Schürze glatt. Ihr Olivenöl stamme übrigens aus der familiären Produktion, ebenso wie die Pelati, die sie im Keller in Gläsern stapelt und der Honig, den sie zum Käse reicht. «Wotsch en Apéro? Martini? Analcolico?»

Pasta Quiz

1 / 9 Fragen

Was bedeutet die kurz-geschwungene Pastaform «Strozzapreti»?

2 / 9 Fragen

Woher kommen Spaghetti Bolognese ursprünglich?

3 / 9 Fragen

Riciutelle, Cellentani, Ramazottini: Was ist keine Pasta?

4 / 9 Fragen

Wie unterscheiden sich Ravioli und Tortellini?

5 / 9 Fragen

Wie viele Pastaformen gibt es laut der Internationalen Pasta Organisation I.P.O.?

6 / 9 Fragen

Welches ist die beliebteste Pasta-Sorte in der Migros?

7 / 9 Fragen

Die Griechen nannten Pasta auch «Marcus». Warum?

8 / 9 Fragen

Was war laut dem Guinness-Buch der Rekorde die weltweit grösste Spaghetti-Schüssel?

9 / 9 Fragen

Was bedeutet eigentlich «al dente»?

Ergebnis

 

Während die Runde am Tisch von Eugen selbst produzierten Gamssalami aus seiner Jagd in Fischenthal degustiert, bleibt Sara bei ihren Töpfen stehen. Sie schöpft die dampfenden Gnocchi in grosse Keramikschüsseln und behält die Pasta alla Chitarra im Blick. «Vino?» Vanessa blickt zu ihrer Mutter und lacht. «Meine Mutter ist eine Maschine in der Küche, sie sitzt nie.» Als sie sich dann doch noch einen Teller Pasta schöpft und mit halbem Hintern auf den Stuhl setzt, fragt sie: «Wotsch Pecorino? Ein Stück Crostata? Eine Orange? En Digestivo?»

Hat Sara Di Pomponio Musa Musse,  bereitet sie die Pasta alla Chitarra auf traditionelle Weise zu – mit dem besaiteten Pastaschneider «Chitarra». 

Hat Sara Di Pomponio Musa Musse, bereitet sie die Pasta alla Chitarra auf traditionelle Weise zu – mit dem besaiteten Pastaschneider «Chitarra».

Saras Pastarezepte

Pasta alla Chitarra

Sara Di Pomponio Musa arbeitet auf einem riesigen Holzbrett. Für die Pasta alla Chitarra verwendet sie 800 Gramm Weissmehl, 200 Gramm Gries, 10 Eier und einen Esslöffel Salz. Das reicht für eine Runde mit 10 Gästen. Die Eier hat sie bereits am Vortag aus dem Kühlschrank genommen, damit sie Raumtemperatur haben. Sie legt besonderen Wert auf frische Eier und bezieht ihre immer direkt beim Bauern. «Ich bin auf einem Hof aufgewachsen, das ist mir wichtig.» Sie mischt Mehl, Gries und Salz, gibt die Eier in die Mulde und fügt die Masse mit Teigschaber und Händen zusammen. Den Teigklumpen knetet sie auf Gries, nicht Mehl. Sonst werde der Teig zu trocken. Dann lässt sie den Teig portionenweise und mehrmals durch die Pasta-Maschine, bis dünnen Teigblätter entstehen.

Diese legt sie dann auf ein Gerät namens «Chitarra», auf Deutsch: Gitarre. Die Chitarra erinnert tatsächlich an das Musikinstrument, denn sie besteht aus einem Holzkasten, über den Metallsaiten gespannt sind. Mit einem dünnen Wallholz presst sie die Teigblätter gegen die Drähte, so dass die Pasta in Streifchen auf das mit Gries bedeckte Brett fallen. Einen Moment lässt sie die Pasta ruhen, dann gibt sie sie für zwei bis drei Minuten in kochendes und gesalzenes Wasser. 

Gnocchi

Sara Di Pomponio Musa kocht 1,5 Kilo mehlige Kartoffeln in der Schale, dann schält sie sie, presst die durch eine Kartoffelpresse und lässt die Masse auf einem Holzbrett auskühlen. Noch lauwarm, gibt sie eine Prise Salz darüber und formt einen Kreis. In die Mulde fügt sie 300 Gramm Mehl und zwei Eier und vermengt alles mit den Händen. Sie bemehlt und knetet die Masse, bis der Teig geschmeidig ist. Dann schneidet sie ihn in sechs gleich grosse Stücke, die sie von Hand zu Finger dicken Rollen dreht. Diese schneidet sie in zwei bis drei Zentimeter grosse Stückchen, die sie wiederum bemehlt. Die Gnocchi lässt sie portionenweise in reichlich Salzwasser fünf Minuten ziehen.

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