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Molke-Shake

Ein Paar auf Molke Sieben

Doris Erne und Christian Studer haben einen Shake entwickelt, der aus Molke besteht. Damit verleihen sie dem Nebenprodukt aus der Käseherstellung neuen Glanz. Sie erzählen von Albträumen und Achterbahnfahrten.

Text Lisa Stutz
Fotos Jorma Mueller
Doris Erne und ihr Partner Christian Studer freuen sich, dass es ihren Molke-Shake neu in der Migros zu kaufen gibt .

Doris Erne und ihr Partner Christian Studer freuen sich, dass es ihren Molke-Shake neu in der Migros zu kaufen gibt .

Wenn sie ein Getränk entwickle, sagt die Lebensmittelingenieurin Doris Erne, sei das mehr ein Pröbeln im Kopf als in der Küche. Es entsteht erstmal auf Papier. Und so hatte sie in der Nacht vor der allerersten Degustation einen Albtraum: «Das Produkt hat schrecklich geschmeckt, ich war verzweifelt», erzählt die 39-Jährige. Als sie am Tag darauf den ersten Schluck probierte, setzte die Erleichterung ein. «Ich war überrascht, dass der Drink so gut war! Ein cooler Moment.» Doris Erne steht neben ihrem Partner Christian Studer im Schwyzer Milchhuus – die Käserei ist Teil der M-Industrie und Produktionspartnerin des Molke-Shake. Das Paar sieht dabei zu, wie Männer und Frauen in hohen Gummistiefeln mit der Käseherstellung beschäftigt sind. Es ist warm und feucht im Raum. Grosse Laibe schweben über einem Becken, in das eine wässrige Flüssigkeit abläuft. Die Molke. «Das ist die Restflüssigkeit, die bei der Käseherstellung entsteht», erklärt Erne.

Es war vor etwa vier Jahren, als Doris Partner Christian ein gesundes Proteingetränk suchte. Beide sind sportlich sehr aktiv. Also fragte er seine Partnerin nach einem Tipp. Doch es war gar nicht so einfach, ein geeignetes Produkt zu finden. «Viele Shakes waren damals beim Trinken eine echte Herausforderung», schmunzelt Christian. «Und wenn etwas schmeckte», ergänzt Doris, «waren Zusatzstoffe drin, die nicht nötig sind.» Sie war damals mitten im Nachdiplomstudium an der ETH, befasste sich mit Entrepreneurship und Trends. Sie dachte sich: Wenn es keine geeigneten Produkte gibt, dann mache ich halt selber eins.

Ein Blick ins Schwyzer Milchhuus

«Und das in einem Milchland!»

In ihrer Ernährung habe sie den Anspruch zu wissen, woher tierische Produkte stammen. Dass bei den meisten Konkurrenzprodukten die Milchprodukte nicht aus der Schweiz kommen, hat sie angespornt: «Und das in einem Milchland! Ich wollte ein lokales Schweizer Produkt herstellen, das gesund und gut ist.» Zur selben Zeit stolperte sie über einen Artikel zum Thema Molke. Er trug den Titel: «Molke, auf den Teller statt in den Trog». Hierzu muss man wissen, dass Molke heute hauptsächlich für die Schweinemast verwendet wird. «Wir produzieren in der Schweiz so viel Käse, dabei entsteht so viel Molke – warum nicht etwas daraus machen?», dachte sie sich. Dass viele Leute den Geschmack von Molke nicht mögen, schreckte sie nicht ab. Ihr schwebte etwas vor, das mehr nach Joghurt schmeckt.

Sie entwickelte eine erste Rezeptur. Mit einem Produktionspartner – damals noch nicht das Schwyzer Milchhuus – machte sie erste Tests. Dabei wurde die Molke mit Hitze behandelt und fermentiert. Erne hat sich zudem dafür entschieden, dass sie dem Getränk die Laktose entzieht. Das hat mehrere Gründe: Einerseits vertragen immer mehr Leute Laktose nicht. «Und andererseits macht der Prozess das Produkt süsser, ohne dass wir Zucker hinzugeben müssen.» Christian stand ihr immer als kritischer Tester zur Seite.

Das Produkt kam auf den Mark und war unter anderem im Globus zu kaufen. Doch aufgrund unglücklicher Umstände musste Erne die Zusammenarbeit mit dem Produktionspartner beenden. Über eine Bekannte entstand kurze Zeit später der Kontakt zum Schwyzer Milchhuus. «Bei uns war die Molke schon länger auf dem Radar», sagt Jasmin Siegrist vom Milchhuus. Bis dahin wurde ein Teil der Molke als Schweinefutter, und der andere Teil für Biogasanlagen verwendet. «Dank dem Molke-Shake minimieren wir den Foodwaste. Jeder Liter, der in die Ernährung investiert wird, ist ein Gewinn», so Siegrist.

Beeren und Mango, kein Mocca

Gemeinsam mit dem Schwyzer Milchhuus hat Erne an der Rezeptur und dem Prozess weitergearbeitet. Zudem musste ein sogenanntes Rebranding gemacht werden – die Verpackung des Shakes kommt nun frischer und farbiger daher. Den Shake gibt es in den Geschmäckern Beeren und Mango zu kaufen. Sie hat auch Vanille, Banane und Mocca ausprobiert, doch die haben in Tastings mit Probanden leicht weniger gut abgeschnitten.

Die Shakes gibt es in den Geschmäckern Mango und Beeren zu kaufen.

Die Shakes gibt es in den Geschmäckern Mango und Beeren zu kaufen.

Erne ist stolz auf die beiden Drinks. Sie bedauert nur, dass wegen Corona keine grösseren Degustationen stattfinden konnten, wie es eigentlich geplant gewesen wäre. Überhaupt hat Corona ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht: Pläne sind ins Wasser gefallen, Partner weggebrochen. Umso mehr freut sie sich darüber, dass es ihren Molke-Shake nun in der Migros zu kaufen gibt. «Es ist eine Achterbahnfahrt, seit das Produkt auf dem Markt ist», sagt sie lachend. Aber, und da sind sich alle einig: Lieber Achterbahn als Albtraum.

Den Molke-Shake in den Sorten Beeren und Mango gibt es ab sofort in den grösseren Filialen der Migros Genossenschaften Aare, Zürich und Basel zu kaufen, sowie in allen Alnatura Bio Supermärkten.

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