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Draussen spielen

Ein Hauch von Südfrankreich in Luzern

Draussen spielen: Wann, wenn nicht jetzt? Wir haben eine Boule-Spielgemeinschaft in Luzern besucht und haben Tipps für weitere Outdoor-Spiele. 

Text Valeria Wieser
Fotos Franca Pedrazzetti
Treffen sich in lockerer Unregelmässigkeit zum Boule Spielen: Simone Ippolito, Margarit von Büren , Miriam Foletti (von links).

Treffen sich in lockerer Unregelmässigkeit zum Boule Spielen: Simone Ippolito, Margarit von Büren, Miriam Foletti (von links).

Ein älterer Herr am Rollator schlurft über den Platz, zwei Mütter schwatzen miteinander, während ihre Kinder am Boden sitzen und in ein Spiel vertieft sind. Ein angegrauter Hund streckt im Schatten der Häuserzeile alle Viere von sich, bis es ihm zu kalt wird und er auf die Sonnenseite des Hofs wechselt.

Dass nur wenige Meter entfernt schwere Metallkugeln durch die Luft fliegen, kümmert ihn nicht. Tatsächlich wird an diesem sonnig-trägen Sonntagnachmittag in der Luzerner Tribschenstadt gleich an mehreren Orten Boule gespielt.

Noëlle Bucher ist eine der Spielerinnen, die sich seit gut fünf Jahren regelmässig mit Gleichgesinnten auf dem Platz treffen. «Das Ganze ist sehr niederschwellig. Jemand simst einen Terminvorschlag, wer Lust hat, kann mitmachen», erklärt die 35-Jährige.

So auch heute. Nach und nach kommen Frauen mit hölzernen Koffern auf dem Velo angebraust oder heranspaziert. In den Kisten drin: sechs Kugeln aus Metall, dazwischen eine kleine Holzkugel. Diese nennen die Franzosen, die Erfinder von Boule, liebevoll Cochonette, was soviel wie Schweinchen bedeutet. Hierzulande wird sie auch But, Gigi oder schlicht Zielkügeli genannt. So klein dieses auch sein mag mit seinen drei Zentimetern Durchmessern, so wichtig ist seine Rolle beim Boulespiel.

 

An diesem Sonntag haben ganze acht Spielerinnen auf den Aufruf von Bucher reagiert. Das ist wenig überraschend, denn es ist das erste Mal seit Wochen, dass die Sonne wieder scheint. Viele haben Lust, nach draussen zu gehen. Wie fast immer sind heute ausschliesslich Frauen dabei. «Zwischendurch spielen auch Männer mit», erklärt Miriam Foletti (44), eine routinierte Spielerin, wie wir bald erkennen werden. «Aber vielleicht ist ihnen dieses Spiel zu wenig kompetitiv», ergänzt sie scherzend. Denn hier geht es nicht primär ums Gewinnen, sondern ums gemütliche Zusammensein. «Selbst wenn ich einen strengen Tag hatte; nach einer Partie Boule bin ich völlig entspannt. Es ist eine tolle Runde, in der es häufig sehr lustig zugeht.»

So geht Outdoor-Spielen

Was spielen, wenn es draussen schön und heiss ist? Wir haben zehn  Ideen für Spiele,  die man jederzeit im Garten, vor dem Haus, in der Badi oder auf öffentlichen Plätzen spielen kann. Die Details dazu gibt es hier. Erfahre hier, wie gut diese Spiele für deine Fitness sind. 

Die Boulespielerinnen teilen sich alsbald in zwei Gruppen auf, um je zu viert auf unterschiedlichen «Bahnen» zu spielen. Ein Glück, dass der Sandplatz genügend gross ist. Nun spielen also jeweils Zwei gegen Zwei, wobei jeder Teilnehmerin drei Kugeln zur Verfügung stehen.

Miriam Foletti beginnt. Sie wirft das Cochonette auf die Bahn, dieses bleibt in einer Entfernung von etwa acht Metern liegen. Nun gilt es, die eigenen Metallkugeln so nahe wie möglich an das Kügelchen heranzubringen. Geübt wirft Foletti eine ihrer Boules von unten her aus dem Handgelenk, diese bleibt etwa zwanzig Zentimeter vor dem Kügelchen liegen. Das Gegnerteam ist an der Reihe. Dieses spielt nun so lange, bis eine seiner Kugeln am nächsten beim Zielkügeli liegt, worauf wieder das erste Team an der Reihe ist.

Wessen Kugel liegt näher der Cochonette? Eine Spielerin misst nach. 

Wessen Kugel liegt näher der Cochonette? Eine Spielerin misst nach. 

Sind alle Kugeln gespielt, werden Punkte gezählt. Folettis Gruppe hat es geschafft, drei ihrer Kugeln am nächsten ans Cochonette zu bringen. Erst die viertnächste Kugel gehört den Gegnern. Damit erhält Folettis Team drei Punkte. Eine neue Runde wird gespielt. So lange, bis eine der Gruppen mindestens 13 Punkte hat.

Was braucht es, um eine gute Boulespielerin zu werden? «Es geht hierbei sehr stark um Konzentration. Doch das kommt mit der Zeit und ist eine Übungssache», erklärt Spielerin Margarit von Büren (61), während sie wartet, bis sie an der Reihe ist.

Die meisten der Spielerinnen wohnen hier im Quartier Tribschenstadt. Doch auch Auswärtige sind willkommen. An diesem Tag geniessen die Passanten die Boulerunde jedoch lediglich als Zuschauer. Sogar wenn man selbst nicht mitspielt, hat Boule eine eigenartig entschleunigende Wirkung.

Doch nicht immer geht es gemächlich zu. Durchaus kommt hie und da neben Geschicklichkeit auch Strategie ins Spiel. Etwa, als das Team von Foletti von aussen gesehen beinah chancenlos wirkt, da keine ihrer Kugeln in der Nähe des Cochonettes liegt. Gekonnt spielt die Luzernerin ihre letzte Kugel auf den kleinen Ball, dieser fliegt meterweit davon, womit sich natürlich eine völlig neue Ausgangslage ergibt – zugunsten Folettis. Die Gegnerinnen jaulen laut auf, verwerfen die Hände, und loben ihre Konkurrentin für den mutigen Coup, während die Siegerinnen ein Freudentänzchen vollführen.

Eine Spielerin, die über langjährige Übung verfügt, ist Christèle Keller. Sie ist in Frankreich aufgewachsen und kennt das Spiel seit ihrer Kindheit. «Auch wenn ich nicht sagen kann, dass ich deshalb besser bin im Pétanque als die anderen», sagt sie lachend. Apropos: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Boule und Pétanque? Keller antwortet: «Grundsätzlich nennen wir es Boule, wenn die Kinder spielen. Bei Erwachsenen heisst es Pétanque.» Egal, wie das Spiel genannt wird, Spass zu machen scheint es auf jeden Fall.

 

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