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Bestseller-Autorin Christine Brand

Die Queen of Crime

Christine Brand ist die Krimi-Königin der Schweiz: Ihr Kriminalroman «Der Bruder», der neueste Wurf der Emmentalerin, stürmte innert Kürze auf Platz Eins der Bestsellerliste.

Text Barbara Lukesch
Fotos Sava Hlavacek
Christine Brand mags düster und spannend. Ihre Krimis schreibt sie von überall auf der Welt aus.

Christine Brand mags düster und spannend. Ihre Krimis schreibt sie von überall auf der Welt aus. 

In den achtziger Jahren wurden mehr als zwanzig Kinder und Jugendliche in der Schweiz entführt oder ermordet. Von sieben fehlt bis heute jede Spur. Das Land geriet damals in eine Art Schockstarre; die Vermisstenanzeigen mit den Kindergesichtern verfolgten die Menschen auf Schritt und Tritt, hingen sie doch beim Lebensmittelhändler, der Gemeindeverwaltung, auf dem Polizeiposten. Eltern warnten ihre Töchter und Söhne eindringlich davor, mit einem fremden Mann mitzugehen. Christine Brand nickt: «Ich war damals genauso alt wie einige der Betroffenen, und meine Mutter sagte ständig zu mir, ich müsse laut schreien und wegrennen, wenn mir irgendein Unbekannter zu nahe komme.» Es sei eine «schlimme Geschichte» gewesen, die aber auch ihr Interesse an der Kriminalistik geweckt habe.

Eine morbide Ader habe sie als Tochter eines Bestatters schon immer gehabt. Der Anblick von Toten war ihr vertraut, darunter auch ihre Urgrossmutter, die sie sogar im Sarg schmücken durfte: «Die ermordeten und verschwundenen Kinder aber erschreckten mich total.»

Die Story plötzlich vor Augen

Die dramatischen Ereignisse haben die inzwischen 48-jährige Emmentalerin nie ganz losgelassen. Und als sie nach einem Stoff für ihren dritten Kriminalroman mit der Journalistin Milla Nova und ihrem blinden Kollegen Nathaniel in den Hauptrollen suchte, hatte sie die Story plötzlich vor Augen: Vor dem Hintergrund der damaligen Verbrechen siedelte sie die fiktive Geschichte der Gerichtsmedizinerin Irena Jundt an, deren Bruder eines der Opfer gewesen sein soll.

Irena Jundt ist für die Leserschaft von Christine Brands Krimis keine Unbekannte; schon in «Blind» und «Die Patientin» hatte sie einen kleinen Auftritt. Nun habe sie Lust gehabt, erzählt die Autorin, diese bisher eher unnahbare Figur, die sie aber immer schon toll gefunden habe, in den Mittelpunkt zu stellen. Nathaniel und Milla, die Investigativjournalistin beim Schweizer Fernsehen, die Kopf und Kragen riskiert für eine gute Story, hätten in den ersten beiden Bänden die Hauptrollen gespielt: «Zeit also für eine Veränderung.»

Veränderungen mag Christine Brand sowieso. Nach ihrer Ausbildung als Lehrerin wechselte sie mit 21 Jahren in den Journalismus und arbeitete als Redaktorin und Gerichtsreporterin bei der «Berner Zeitung», später beim «Bund». Vier Jahre als Fernsehjournalistin bei der «Rundschau» folgten, bevor sie neun Jahre der «NZZ am Sonntag» als Redaktorin die Treue hielt. Eine unglaublich lange Zeit für eine Frau, die von sich sagt, dass zu viel Routine und Wiederholungen des Immer-Gleichen sie extrem langweilten. Um so radikaler dann der Bruch: 2017 nahm sie eine berufliche Auszeit, kündigte ihre Wohnung, verschenkte den Grossteil ihrer Habseligkeiten und ging für sieben Monate allein auf Weltreise: «Davon hatte ich schon lange geträumt.»

Sie schreibt ohne feste Bleibe

Dass der Blanvalet Verlag ihr in dieser Zeit einen höchst lukrativen Vertrag für das Manuskript ihres ersten Milla Nova-Krimis «Blind» anbot, machte ihr Glück perfekt. Der rasant erzählte Kriminalroman mit seinen kurzen Kapiteln und den vielen Cliffhängern liefert tatsächlich viel Spannung. Mit fast 70'000 verkauften Exemplaren war der Erfolg überwältigend. «Die Patientin», das Nachfolgebuch, erschien mitten im ersten Lockdown und fand trotz Ladenschliessungen immer noch 30'000 Käuferinnen und Käufern.

Christine Brand hat nach wie vor keine eigene Wohnung. Sie begnügt sich mit einem Zimmer bei einer Freundin, wenn sie wie jetzt in Zürich ist und ihr neues Buch vorstellt. Die meiste Zeit verbringe sie sowieso im Ausland, erzählt sie, wo ihr Bali und Sansibar mit ihren Traumstränden und dem wunderbaren Klima besonders ans Herz gewachsen seien. So hat sie denn auch «Der Bruder» während acht Monaten in kleinen Strandcafés auf Sansibar, der Insel vor der Ostküste Afrikas, geschrieben.

Die Pandemie hat ihre Reiselust für’s Erste gebremst. «Halb so wild», sagt sie, weil sie momentan rund um die Uhr recherchieren, schreiben und Texte überarbeiten müsse. Ob sie das in einem Zimmer bei einer Freundin macht oder sich dafür bei einer WG einmietet, spielt für sie keine Rolle. Ende Juli erscheint mit «Bis er gesteht» erstmals eine Art literarischer Krimi von ihr. Im September publiziert sie eine Sammlung von sechs Kriminalfällen unter dem Titel «Wahre Verbrechen». Gleichzeitig arbeitet sie bereits am vierten Milla Nova-Krimi, der wiederum mit Ereignissen aus der jüngeren Schweizer Geschichte verflochten sein wird: «Ein sehr politischer Stoff, in dem ein Schweizer Ableger der linken Terrororganisation RAF und ein Polizeispitzel eine wichtige Rolle spielen.» Sie grinst. Mehr gebe sie nicht preis.

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