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Balkonpflanzen wässern

Ohne Durst durch den Sommer

Wenn vor lauter Grün die Töpfe nicht mehr zu sehen sind, dann ist Sommer. Doch wie überleben Topfpflanzen die heisse Jahreszeit? Dafür gibt es ein paar Tricks.

Text Yvette Hettinger
Balkonpflanzen muss man wässern, schon klar.  Aber wie? Wann und wie oft? (Bild: GettyImages)

Balkonpflanzen muss man wässern, schon klar.  Aber wie? Wann und wie oft? (Bild: GettyImages)

Topfpflanzen auf dem Balkon oder dem Gartensitzplatz können nicht sich selbst überlassen werden, nie. Die einen werden deshalb von ihren Besitzern vorsorglich ersäuft, andere verdursten elendiglich. Es geht aber auch anders. Luzia K. Rodriguez, Umweltingenieurin und Inhaberin der Gartenbaufirma Kraut + Quer, erklärt, wie:

Wann wässern?

Wenn die Blätter hängen, ist das bereits ein Anzeichen von fortgeschrittenem Durst. Wer dem zuvorkommen möchte, steckt einen Finger tief in die Erde, möglichst nahe an die Wurzel. Bleibt die Fingerspitze trocken, ist es Zeit, zu giessen. Interessant: Die meisten Hobbygärtner und -gärtnerinnen giessen eher zu oft als zu selten. Eine Pflanze darf ruhig mal eine kurze Trockenphase haben. Das erhöht ihre Stresstoleranz – allerdings sollte man mit diesem Training schon im Frühling beginnen. 

Und wie?

Immer möglichst dicht an die Wurzel ran, nicht über die Blätter. Reichlich Wasser geben, in mehreren langsamen Güssen, und so lange, bis das Wasser unten aus dem Topf, der hoffentlich ein Loch hat, wieder rausläuft. Dann hat es mit Sicherheit die Wurzel erreicht. Allfälliges Wasser aus dem Untersetzer wieder wegschütten – am besten der nächsten Pflanze geben. Staunässe schadet den Pflanzen, denn so bekommt die Wurzel keine Luft und verfault. Achtung bei Übertöpfen: Diese sollten ebenfalls Abflusslöcher haben, sonst staut sich das Wasser darin.

Zu welcher Tageszeit wässern?

In der Kühle des Morgens und des Abends. Denn in der Mittagshitze verdunstet zu viel Wasser, ohne seinen Zweck erfüllt zu haben.

Die Pflanze scheint schon tot

Vielleicht steckt noch Leben in der Wurzel. Ein Rettungsversuch lohnt sich: Wenn es die Grösse zulässt, die ganze Pflanze mitsamt Topf in einen grossen, mit Wasser gefüllten Kübel stellen, so dass sich das Substrat (also zum Beispiel Erde) richtig vollaufen lassen kann. Nach etwa einer Stunde zeigt sich, ob das Gewächs sich nochmals erholt. Das passiert erstaunlich oft. Achtung: Wenn man die Pflanze in diesem Zustand nur von oben giesst, perlt das Wasser manchmal einfach nutzlos ab.

Ich bin dann mal weg

Falls keine Nachbarn oder Freunde zum Giessen kommen können, wenn man in den Ferien ist, lassen sich ein paar Tage mit diversen Methoden überbrücken:

  • Für ein Wochenende kann man die Pflanzen in einem mit Wasser gefüllten Gefäss stehen lassen – etwa im Untersetzer oder in einer flachen Schale. Bei der Rückkehr das Wasser wegschütten, damit es sich nicht bis zur Wurzel hoch staut. Ausserdem sammeln sich Mückenlarven darin.
  • Einer Petflasche den Boden wegschneiden und sie Kopf voran in die Erde stecken, mit der Öffnung so nahe wie möglich an die Wurzel. In den Deckel sticht man zahlreichen kleine Löcher – eine Stecknadel eignet sich dafür bestens. Dann die Flasche mit Wasser füllen. Es gibt auch spezielle Aufsetzer für diesen Zweck, etwa von Blumat. Sie nennen sich Flaschenadapter, bestehen aus Ton oder Kunststoff und werden übrigens idealerweise schon beim Setzen der Pflanze installiert, dann können die Feinwurzeln schön drum herum wachsen.
  • So genannte Tropfbewässerungssysteme bestehen aus Schläuchen und Tonkegeln. Sie werden in beliebiger Länge zusammengesteckt und können mehrere Töpfe bedienen. Als Quelle dient entweder ein Wassertank oder ein -anschluss.
  • Wirklich lang in die Ferien gehen kann, wer draussen einen Wasserhahn hat. Denn daran lassen sich Bewässerungssysteme anschliessen, zum Beispiel das Micro-Drip-System von Gardena.  Das Rohrsystem versorgt unter Umständen den ganzen Balkon oder Sitzplatz, und das erst noch wassersparend.
  • Tröpfchenleitungen kann man vollautomatisch steuern, indem man zwischen Schlauch und Wasserhahn einen Bewässerungscomputer anschliesst. Dieser ist batterie- oder solarbetrieben und wird vor der Abwesenheit programmiert.
  • Wem das noch nicht genug der Technik ist, der greift zusätzlich zu einem Bodenfeuchtesensor, der zum  an ein Bewässerungssystem angeschlossen werden kann und diesem bei Trockenheit den Befehl zum Giessen gibt.

Die Töpfe

Hier lohnen sich ein paar Überlegungen:

  • Terrakotta atmet und speichert selber Feuchtigkeit, es beugt so Trockenheit und Fäulnis vor. Sieht in der Regel auch schön aus, ist aber tendenziell schwer.
  • Kunststoff kann inzwischen auch ganz ansprechend daherkommen und ist ein Leichtgewicht. Behälter aus rezikliertem Pet sind zudem umweltfreundlich.
  • Metall ist die schwierigste Wahl, darin werden Pflanzen regelrecht gebacken, wenn es sich erhitzt. Kleiner ist diese Gefahr, wenn die Innenwand mit Schafwolle oder Styropor ausgekleidet ist.
  • Dunkle Töpfe erhitzen sich schneller als helle, und viel Substrat (Erde und anderes) ist besser als wenig, weil es mehr Feuchtigkeit speichern kann. Faustregel deshalb: Je kleiner und dunkler der Topf, desto stressiger für die Pflanze.

Auch gut zu wissen

  • Wenn die Erdoberfläche mit einer so genannten Mulchschicht bedeckt ist, bleibt die Feuchtigkeit länger in der Erde.  Als Mulch eignen sich Blätter, Steine, Rasenschnitt, Stroh oder Zeitungspapier.
  • Der Standort der Pflanze entscheidet mit über das Wasserbedürfnis: Viel Sonne heisst viel Durst und umgekehrt. Wetterexponierte Pflanzen bekommen dafür hie und da mal einen Regenguss.
  • Regenwasser sammeln geht auch auf wenig Raum: Einige der Tanks sind recht handlich und kommen als Baumstamm oder Fass verkleidet daher. Natürlich muss das Regenwasser entsprechend hingeleitet werden. Und: Auf dem Balkon unbedingt die Statik berücksichtigen.
  • Einige Gewächse trotzen der Trockenheit besser als andere. Zu den Überlebenskünstlern gehören alle Sukkulenten wie Kakteen und Hauswurzen, zudem Wildblumen für Trockenwiesen und alles Mediterrane wie Rosmarin, Lavendel und Salbei. Heikel sind einige Gemüse wie etwa Tomaten: Sie wollen regelmässig, aber nicht zu oft gegossen werden.

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