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Glühwürmchen 

Warum leuchten sie so hell?

Jetzt fliegen die Glühwürmchen wieder. Warum sie leuchten, wie sie sich paaren und wovon sie sich ernähren. 

Text Dario Aeberli
Am häufigsten sieht man Glühwürmchen zwischen Juni und Juli, dann ist bei den Leuchtkäfern Paarungszeit. (Bild: Getty)

Glühwürmchen haben etwas surreales an sich und faszinieren die Menschen. (Bild: Getty)

Es ist Glühwürmchensaison. Wer abends in der Nähe eines Waldes spazieren geht, fühlt sich wie im Märchen. Links und rechts der Wege leuchten und blinken die Insekten in grellen Farben. «Glühwürmchen bewegen sich irgendwo zwischen Realität und Fantasie, sie faszinieren die Leute», sagt Stefan Ineichen. Der 63-jährige ist Präsident und Gründer des Vereins Glühwürmchen Projekt in Zürich. Als Stadtökologe setzt er sich dafür ein, den Lebensraum der leuchtenden Insekten zu vergrössern. Am Ende käme das allen zu Gute, denn die Glühwürmchen seien ein guter Indikator für Biodiversität. 2019 kürte die Naturschutzorganisation Pro Natura die Glühwürmchen zum Tier des Jahres. 13 Fakten zu den leuchtenden Insekten:

 

  1. Glühwürmchen sind keine Würmer, sondern Käfer und sie glühen auch nicht, sie leuchten. Die Glühwürmchen leuchten, weil sie bei einer biochemischen Reaktion mit einem Stoff namens Luciferin Licht freisetzen.
     
  2. Es gibt in der Schweiz vier Arten von Glühwürmchen:

    Die Grossen Leuchtkäfer, diese Art kommt am häufigsten vor

    Die Kleinen Leuchtkäfer kommen unter anderem in Schaffhausen vor, aber auch im Jura und in der Südschweiz sind sie verbreitet. Beim Paarungsanflug leuchtet das Männchen grün auf.

    Die Kurzflügelleuchtkäfer könnten etwa gleich häufig vorkommen wie die Grossen Leuchtkäfer, sie sind jedoch deutlich schwieriger zu zählen, weil sie nur sehr schwach leuchten. Anders als die anderen Glühwürmchen fressen sie keine Schnecken, sondern Würmer.

    Die Italienischen Leuchtkäfer blinken weisslich und kommen hauptsächlich im Tessin und in Graubünden vor. Vereinzelt tauchen sie auch in Lausanne und Zürich auf.
     
  3. Eine Glühbirne kann nur etwa fünf Prozent der elektrischen Energie in Licht umwandeln. Der Rest wird zu Wärme. Glühwürmchen sind im Vergleich deutlich effizienter: Ein Grossteil der chemischen Energie wird in Licht umgewandelt.
     
  4. Bei den Grossen Glühwürmchen leuchten bloss die Weibchen, die dafür nicht fliegen können. Die Männchen fliegen total auf das Licht ab. Sobald ein Männchen bei einem Weibchen gelandet ist, erlischt das Leuchten – bei der Paarung haben es die Glühwürmchen lieber etwas dunkel.
     
  5. Das Weibchen legt danach seine Eier am Boden unter Gräsern, Steinen oder Holzstücken ab und stirbt anschliessend. Ein Glühwürmchen produziert zwischen 60 bis 80 Eier, die bereits schwach leuchten können.
     
  6. Die Männchen leben etwa zwei Wochen länger als die Weibchen.



     
  7. Nach einem Monat schlüpfen die Larven aus ihren Eiern und machen sich auf die Suche nach leckeren Schnecken.
     
  8. Glühwürmchen leben rund zwei Jahre als Larven an Waldrändern oder in Parks. In dieser Zeit fressen sie kleinere und grössere Weinberg- oder Nacktschnecken. Eine Larve geht dabei sehr unzimperlich vor: Sie tötet die Schnecke mit einem Giftbiss und isst die Beute innerhalb eines Tages.
     
  9. Bereits die Larven haben kleine aufleuchtende Lichtpunkte am Hinterleib. Diese sollen mögliche Feinde abschrecken. Das Licht ist deutlich schwächer als bei ausgewachsenen Glühwürmchen und reicht nur etwa ein bis zwei Meter weit.
     
  10. Die Larven verfügen über Abwehrgifte, die sie für viele Feinde ungeniessbar machen.
     
  11. Nach zwei bis drei Wintern verpuppt sich die Larve und verwandelt sich innerhalb einer Woche in ein Glühwürmchen. Zwischen im Juni und Juli sind sie besonders zahlreich. Die Tage des grossen Schneckenfressens sind dann gezählt, ausgewachsene Glühwürmchen können keine Nahrung mehr aufnehmen.
     
  12. Glühwürmchen leben überall in der Schweiz – an einsamen Waldrändern wie auch in Stadtparks. Drei Dinge brauchen Glühwürmchen, um sich wohl zu fühlen:
    Schnecken als Nahrungsquelle, ein Garten mit schattigen Plätzchen und feuchten Verstecken sowie Dunkelheit
     
  13. Strassenlaternen, Leuchtreklamen oder Lichterketten sind ein grosses Problem für Glühwürmchen. Wenn es in der Nacht zu viele andere Lichtquellen hat, leuchten die Glühwürmchenweibchen vergebens – denn die Männchen finden sie bei so viel Ablenkung nicht.

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