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Corona

Kommt die vierte Welle?

Das Coronavirus bereitet sich in der Schweiz wieder rasant aus. Droht uns ein weiterer Lockdown? Antworten auf die 11 drängendsten Fragen.

Text Rüdi Steiner
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Vermehren sich wieder deutlich stärker: Corona-Viren. 

Müssen wir uns auf eine vierte Welle einstellen? 

Das ist gut möglich. Die Zahl der Ansteckungen hat sich innerhalb eines Monats verdoppelt. Setzt sich diese Entwicklung über die nächsten Wochen fort, wird die Schweiz im Herbst wahrscheinlich eine vierte Welle sehen.  

Ich bin doppelt geimpft. Muss ich mir Sorgen machen?

Jein. Geimpfte sind gut geschützt. Allerdings bieten die Vakzine keinen 100prozentigen Schutz. So mussten in der Schweiz seit Ende Januar 122 Personen trotz Impfung hospitalisiert werden. 23 sind laut Bundesamt für Gesundheit verstorben. Im Schnitt infiziert sich von über 4 Millionen vollständig Geimpften eine von 7000 Personen, eine von 20000 muss ins Spital. Das ist deutlich weniger, als bei ungeimpften Personen.

Wirkt der Impfschutz bei allen gleich?

Nein, aus den Zahlen des BAG geht hervor, dass das Risiko, dass der Impfschutz versagt, bei Personen mit Vorerkrankungen und alten Menschen am grössten ist.

Wie gut sind Kinder geschützt?

Die Corona-Mutante steckt nicht nur Erwachsene häufiger an, sondern auch Kinder. Bei den 10 bis 19-Jährigen ist die Anzahl positiv Getestete in den letzten Wochen stetig gestiegen und betrug zuletzt knapp 310 Neuinfektionen (per 9.8), verglichen zu knapp 50 Anfang Juni. Bei den 0 bis 9-Jährigen waren es gut 70 verglichen zu knapp 15 Anfang Juni. Schwere Erkrankungen dürften allerdings selten bleiben. Die Delta-Variante sei «für Kinder nicht stärker krankmachend als bisherige Varianten», heisst es dazu bei Pädiatrie Schweiz.

Droht ein erneuter Lockdown?

Das hängt davon ab wie viele schwere Erkrankungen und Hospitalisationen jetzt auf uns zukommen. Die Mehrheit der älteren und besonders gefährdeten Personen sind geimpft und insgesamt gut die Hälfte der Bevölkerung. Diese Personen sind auch bei einer Ansteckung mit der Delta-Variante gut geschützt. Darum steigen die Fallzahlen im Verglich zur 1. oder 2. Welle viel mehr als die Spitaleinweisungen. Fast alle Personen, die heute mit Covid-19 ins Spital kommen, sind ungeimpft, erklärt Christoph Berger, Präsident der Eidgenösssichen Kommission für Impffragen. Das heisst, je mehr Personen sich jetzt noch impfen lassen, umso unwahrscheinlicher wird ein Lockdown

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Welcher Impfstoff wirkt am besten?

Das lässt sich nicht mit letzter Gewissheit sagen, da entsprechende Studien fehlen. Neuste Daten aus den USA zur Delta-Variante deuten darauf hin, dass der Impfstoff von Moderna besonders wirksam ist.

Ich bin nicht geimpft. Sollte ich es nachholen?

Wenn Sie einen schweren Krankheitsverlauf möglichst vermeiden möchten, dann ist die Impfung für Sie wichtig, und zwar jetzt. Denn Sie werden den Coronaviren, die sich aktuell stark ausbreiten, bald einmal begegnen. Bis Sie vom vollen Impfschutz profitieren, dauert es rund zwei Wochen nach der zweiten Impfung. Die Impfung reduziert das Risiko, schwer zu erkranken, massiv. Die möglichen Nebenwirkungen der Impfung sind im Vergleich zur Infektion das sehr viel kleinere Übel.

Ich bin genesen. Was tun?

Die allermeisten Personen sind nach durchgemachter Infektion mindestens sechs Monate lang geschützt. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt auch dieser Gruppe die Impfung so rasch wie möglich. Liegt die Infektion mindestens vier Wochen zurück, dann genügt eine Impfdosis für den vollen Schutz (bei weniger als vier Wochen braucht es zwei Impfungen). Der optimale Zeitraum für die Impfung ist für besonders gefährdete Personen einen bis drei Monate nach der Infektion und für alle anderen einen bis sechs Monate nach der Infektion.

Drohen neue Varianten und wie gefährlich sind sie?

Das ist gegenwärtig schwer abzuschätzen. In der Schweiz ist heute die Delta-Variante für praktisch alle Neuinfektionen verantwortlich. Sie gilt als die bisher ansteckendste Mutation. Von den weiteren bisher bekannten Mutationen steht Lambda unter besonderer Beobachtung. Sie ist in Peru erstmals aufgetreten ist, hat sich inzwischen auf mehrere Dutzend Länder ausgebreitet. Noch stuft die Weltgesundheitsorganisation Lambda aber nicht als besorgniserregend ein. Neue, besorgniserregende Varianten können jederzeit entstehen und sich auch in der Schweiz verbreiten.

Wie lange hält der Impfschutz an?

Zur Zeit geht das Bundesamt für Gesundheit davon aus, dass der Impfschutz mindestens gegen schwere Erkrankungen 12 Monate anhält. Um längerfristig einen ausreichenden Schutz zu gewährleisten, dürften laut BAG ab dem nächsten Winter Auffrischimpfungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen notwendig werden. Es ist aus heutiger Sicht aber nicht auszuschliessen, dass das auch schon früher der Fall sein könnte.

Gibt es Medikamente zur Behandlung?

Ja, es gibt Medikamente, die gegen Covid-19 eingesetzt werden können. Bei schweren Covid-19 Verläufen, welche zu einer Spitalaufnahme führen, wirken entzündungshemmende Medikamente, eine Blutverdünnung und antivirale Medikamente (Remdesivir). Tocilizumab von Roche ist ein weiteres Medikament zur Behandlung von schweren Covid-19 Verläufen. Mehrere Pharmaunternehmen forschen aber an gezielten Medikamenten.  Seit Mitte Mai 2021 steht die Antikörperkombination Casivirimab/Imdevimab Patienten mit leichten bis mittelschweren Symptomen, die ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, zur Verfügung. Die Antikörperkombination hat gezeigt, dass durch eine sehr frühe Behandlung, Einweisungen ins Spital sowie Todesfälle verhindert werden können.

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