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Pöstler Rolf Zimmermann

Er kennt jeden Migros-Lastwagen

Seit über vier Jahrzehnten sind Migros-Lkw seine Leidenschaft: Rolf Zimmermann fotografiert sie,  fertigt daraus eindrückliche Modelle – und gewährt so Einblick in einen wichtigen Teil der Migros-Geschichte.

Text Irène De Cristofaro-Wipf
Fotos Irène De Cristofaro-Wipf
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Sie bilden eine Symbiose: Rolf Zimmermann und die Migros-Lastwagen.

Ja, er darf auf dem Areal der Betriebszentrale der Migros Ostschweiz in Gossau stehen und Lastwagen fotografieren, auch wenn er gar nicht dort arbeitet. Man kennt ihn, und er macht das seit Jahrzehnten so. Nicht nur in Gossau, sondern auch in Zürich oder Genf.

Seine erste Begegnung mit ­einem Migros-Last­wagen hatte Rolf Zimmermann schon als kleiner Knirps, bei der Grossmutter. «Dorthin kam jeweils der Migros-Verkaufswagen, der Magirus-Deutz, im Volksmund Rundhauber genannt», ­erzählt er, «ich habe dieses Bild heute noch vor mir: Wie die Klappen geöffnet wurden, der ausfahr­bare Kühlschrank auf der Seite und die Hüftkasse des Mitarbeiters.» Diese ersten Eindrücke ­eines Migros-Lastwagens sollten den kleinen Rolf so stark prägen, dass er heute, 60 Jahre später, noch immer von West nach Ost und von Nord nach Süd reist, um die neuesten Modelle der Mi­gros-Lastwagen zu fotografieren. Doch damit nicht genug: Viele der Fotos dienen später als Grundlage für die Modelle, die er mit grossem handwerklichem Geschick als Einzelstücke aus dem gleichen Material, das für Gebisse verwendet wird, fertigt – und die dann einen Platz in der Vitrine in seiner Werkstatt in Horgen finden.

«Man kennt mich in allen ­Genossenschaften», schmunzelt Zimmermann, «und man gewährt mir auf Anmeldung überall Zutritt zu den neuen Last­wagen.» Und so hat er in den letzten Jahrzehnten ein einma­liges Stück Migros-Geschichte mitgeschrieben.

Migros-Lastwagen - im Laufe der Zeit

Die Wurst von Adele Duttweiler

Rolf Zimmermann hat in Rüschlikon ZH Briefträger gelernt. «Das war noch die ursprüngliche Postlehre», blickt er zurück. Seine Aushilfsposttour, zu jener Zeit noch morgens und nachmittags, führte ihn auch zum Haus von Adele Duttweiler. Damals habe man sich noch mehr Zeit lassen dürfen beim Postver­teilen, und ein Schwatz mit der Kundschaft lag immer drin. ­«Zudem hat Frau Duttweiler am Morgen jeweils eine Cervelat und am Nachmittag einen Most vor die Tür gestellt», erinnert er sich lachend und wird diese Begegnungen niemals vergessen. 1976 hat er den Postdienst quittiert und eine Stelle als Hauswart und Chauffeur beim Gottlieb-Duttweiler-Institut angetreten, wiederum war ihm die Migros also nahe. Chauffeur blieb er auch später, allerdings als Mitglied des Sanitätskorps der Stadt Zürich. «Ich habe nochmals eine Ausbildung gemacht. Die Arbeit bei der Rettung war meine beste Zeit in meinem Berufsleben», ­resümiert er. 

Später zwangen ihn gesundheitliche Probleme, nochmals eine neue Stelle zu suchen. Und so verbrachte er seine letzten ­Berufsjahre – Ende August geht er in Pension – als sogenannter Weibel beim internen Postdienst der Universität Zürich. Während all der Jahre schöpfte er Kraft und Freude aus seiner Passion. «Ich bin jeden Abend nach der Arbeit in meiner Werkstatt in Horgen, wenn meine Frau bei der Arbeit ist, auch am Wochenende.» Ein Leben ohne sein ­Hobby kann sich der frühere Modelleisenbähnler schlicht nicht vorstellen. «Seit mich ein Kollege, damals auch bei der ­Migros angestellt, fragte, ob ich auch Modelle von Migros-Lastwagen herstellen könne, wars um mich geschehen.» 

Rolf Zimmermann beim Basteln.

Eine filigrane Arbeit: Die Entstehung eines Modells.

Wer einen Blick auf die sorgfältig in einem Spezialkoffer ­verstauten Modelle werfen darf, staunt: Realitätsgetreue Last­wagenmodelle liegen dort, gut eingebettet in Schaumstoff, und wecken Lust, damit zu spielen – auch wenn man kein Kind mehr ist. Aber natürlich sind sie weder zum Spielen noch zum Verkauf gedacht, sondern zum Bewundern, denn es handelt sich um handwerkliche Kunst. «Wenn ich einmal nicht mehr da bin, vermache ich dieses Erbe mit allen Fotos und Modellen der Migros – das ist bereits so vereinbart.» Hoffentlich bleibt ihm aber noch ­etwas Zeit, um diese Geschichte weiterzuschreiben …

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