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Peter Maffay

«Wir fiebern diesen Auftritten geradezu entgegen»

Peter Maffay und seine Band freuen sich, endlich wieder vor Publikum spielen zu dürfen – auch in der Schweiz. Der deutsche Star über die Corona-Zumutungen, seine musikalischen Frühwerke und die Hoffnungen für seine zweijährige Tochter.  

Text Lisa Stutz, Ralf Kaminski
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Peter Maffay in Aktion bei einem Auftritt in Berlin 2019. (Bild: Getty Images)

Peter Maffay, mit welcher Musik haben Sie die Pandemie-Monate überbrückt?
Mit ziemlich viel verschiedener. Darunter meine eigene. Wir haben in dieser Zeit unser neues Album gemacht. Die Songs sind eine Art Resümee dieser Monate. Daneben habe ich auch viel gehört, um auf dem Laufenden zu bleiben, was die anderen so machen.

Zum Beispiel?
Etwa das neue Album von Bruce Springsteen. Es gibt da musikalisch eine gewisse Affinität.

Sie hören Musik aber schon auch zum Vergnügen, oder?
Natürlich, und auch zur Inspiration. Es kann durchaus vorkommen, dass etwas davon später in die eigene Arbeit einfliesst.

Wie sind Sie sonst so durch die Pandemie gekommen?
Tja… (seufzt) Wir hatten im März 2020 eine Tournee gestartet, die toll anfing. Aber nach dem dritten Konzert mussten wir unterbrechen, weil unser Bassist von der Bühne gestürzt war und sich das Bein gebrochen hatte. Deshalb verlegten wir die Tour in den Sommer, woraus dann nichts wurde wegen der Pandemie. Seither sind meine Kollegen und ich zu einer gewissen Untätigkeit verdammt. Wir haben mit wenigen Ausanhmen schlicht nicht mehr gespielt.

Ticket-Verlosung für Maffay-Auftritte

Peter Maffay (71) ist Sänger, Gitarrist, Komponist, Produzent und seit Jahrzehnten im Musikgeschäft. Die Bandbreite seiner Songs umfasst Rock und Country ebenso wie Schlager und Rock’n’Roll. Daneben ist der Deutsche politisch und gesellschaftlich engagiert, unter anderem für Kinder und die Umwelt. Maffay hat mehrere Ehen hinter sich und lebt heute mit seiner Partnerin am Starnberger See in Bayern. Er hat eine 37-jährige Adoptivtochter, einen 17-jährigen Sohn und eine zweijährige Tochter. Sein neues Album «So weit» erscheint am 10. September.

Auftritte in der Schweiz: Summerdays-Festival in Arbon (3.9.) und Seaside Festival in Spiez (4.9.); Jubiläumstournee im Zürcher Hallenstadion (14.10.)

Das Migros-Magazin verlost 14x2 Tagestickets für den 3. September in Arbon und 20x2 Tagestickets für den 4. September in Spiez. Teilnehmen bis 22. August hier
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Das heisst, die Auftritte in der Schweiz sind jetzt die ersten?
Fast. Kurz vorher spielen wir drei Konzerte in Dresden, aber wegen den Corona-Auflagen vor relativ kleinem Publikum. 

Sind Sie etwas nervös nach einer so langen Pause?
Ja, aber im positiven Sinne. Wir fiebern diesen Auftritten geradezu entgegen, denn eine solche Zwangspause war selbst für alte Hasen wie uns eine Premiere. Da fragt man sich schon: Wie gut sind wir vorbereitet, wie wird sich das anfühlen, wieder vor einem echten Publikum zu stehen? Derzeit proben wir intensiv, was dadurch etwas kompliziert wird, dass wir alle in unterschiedlichen Ecken Europas leben. Aber wir sind zuversichtlich. Zudem geht es derzeit allen gleich, sicherlich auch den Kollegen in der Schweiz – obwohl Ihre Regierung sich viel offener und den Künstlern gegenüber kooperativer verhält als unsere hier.

Sind die Auftritte denn definitiv? Oder kann Corona noch einen Strich durch die Rechnung machen?
Bis jetzt gibt es keine Anzeichen, dass die Konzerte nicht stattfinden könnten, und ich hoffe sehr, dass es dabei bleibt. Aber am Ende bestimmen die politischen Entscheidungsträger. Wenn es plötzlich heisst, das geht nicht, können wir dem nichts entgegenhalten. Dieses Damoklesschwert hängt immer über uns. Und nicht nur über der Band, sondern über all den Leuten, die rundherum an diesen Konzerten im Einsatz stehen. 

Haben Sie eigentlich viele Fans in der Schweiz?
Das werden wir dann an den Auftritten sehen… (lacht) Aber wir haben schon sehr oft in der Schweiz gespielt, die gibts also auf jeden Fall. Ich bin auch immer gerne hier, weil mir die Schweizer Lebensart einfach gefällt.

Peter Maffay singt einen seiner Klassiker an einem Open Air in Berlin. (Video: rbb 2018)

Bei den Festivals sind Sie wohl einer der Ältesten auf der Bühne: Wie kommen Sie mit den vielen jüngeren Kollegen klar – sind Sie da quasi der «elder statesman»?
Hm, das beschäftigt mich eigentlich nicht. Aber ja, ich bin jetzt schon über fünf Jahrzehnte in diesem Zirkus dabei, und in unserer Band spielt inzwischen bereits die zweite Generation. So gesehen habe ich es dauernd mit jungen Leuten zu tun. Und die gehen mit mir genauso unkompliziert um wie ich mit ihnen. Ausserdem gehts beim Spielen ohnehin weniger ums Alter als um die Leistung. Solange das Publikum mit uns zufrieden ist und alle Spass haben, ist alles gut.

Vermutlich sind solche Auftritte für Sie dennoch anstrengender geworden, oder?
Anstrengend waren sie schon immer. Unser Anspruch ist, dass das Publikum Spass hat und beseelt nach Hause geht, das erfordert Leistung. Und klar, mit zunehmendem Alter ist das anstrengender geworden. Wobei ich früher sehr viel geraucht habe, da fiel es mir manchmal schwer, drei Stunden auf der Bühne durchzustehen. Heute rauche ich nicht mehr, was das höhere Alter ein Stück weit ausgleicht. Ausserdem mache ich täglich Sport, halte mein Gewicht und sehe zu, dass ich im Vergleich zu den jüngeren Kollegen nicht einbreche.

Was machen Sie für Sport?
Ausdauer ist mir wichtig. Ich bin heute um 6 Uhr aufgestanden und erst mal 15 Kilometer Fahrrad gefahren, dem Starnberger See entlang. Das mache ich jeden Tag so.

Ihre musikalische Bandbreite über all die Jahrzehnte war enorm. Wie stehen Sie eigentlich zu den Frühwerken aus der Schlagerzeit, Songs wie «Du» etwa, der 1970 immerhin der deutschsprachige Hit des Jahres war?
Sagen wir mal so: Ich habe keine Angst mehr vor «Du». (lacht) Als wir anfingen, uns vom Schlager wegzubewegen, haben viele gesagt, dass das nicht so einfach gehen würde. Und der Song hat tatsächlich lange an mir gehaftet, deshalb habe ich irgendwann angefangen, ihn zu vermeiden. Inzwischen ist so viel Wasser den Rhein runtergeflossen, dass er mich nicht mehr nervös macht.

Sie spielen «Du» noch heute?
Und amüsiere mich dabei königlich. Es wissen schliesslich alle, dass ich ein paarmal in meinem Leben geschummelt habe. Wenn ich also jetzt als 71-Jähriger singe «Du bist alles, was ich will, und nur du», geht das nur mit einem Augenzwinkern. Aber ich stehe zu diesen Anfängen, das war ich. Es gibt Titel, die noch heute  absolut adäquat sind – ein guter Song hat kein Verfallsdatum. Aber es gibt natürlich auch eine ganze Reihe, die ich nicht mehr spielen würde. Fragen Sie mich jetzt bitte nicht, welche.

Das Publikum liebt ja die Klassiker wie «Über sieben Brücken musst du gehen». Bedauern Sie es manchmal, dass Ihre neuen Songs vielleicht weniger gerne gehört werden?
Nein. Wenn wir die lange genug weiterspielen, werden das die nächsten Klassiker.

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Maffay engagiert sich für Klima und Umwelt und sagt, er sei grundsätzlich kein Pessimist. «Aber es wäre blind, wenn man die Zeichen der Zeit nicht wahrnehmen und entsprechend handeln würde.» (Bild: Keystone)

Was sind die Themen auf Ihrem neuen Album?
Die sind ziemlich autobiografisch. Inspiration waren etwa meine Tochter Anouk, mein Sohn Yaris und meine Lebensgefährtin Hendrikje. Mein lieber Vater ist im Mai gestorben, auch das ist eingeflossen. «So weit» ist ein nachdenkliches Album, ein bisschen philosophisch, mit kleinen Quintessenzen, zu denen ich gekommen bin. Weil die Band wegen der Pandemie nicht zusammenkommen konnte, habe ich es alleine mit meinem musikalischen Partner JB Meijers eingespielt, ein holländischer Gitarrist. Getextet hat der Sänger Johannes Oerding, der meine Ideen sehr feinfühlig umgesetzt hat.

Neben der Musik sind Sie auch gesellschaftlich engagiert. Was beschäftigt Sie derzeit?
Corona hat sich auch auf die Arbeit der «Peter Maffay Stiftung» ausgewirkt, die hilfebedürftigen Kindern therapeutische Aktivaufenthalte bietet. Leider war es lange nicht möglich, Kindergruppen in unseren Häusern zu beherbergen, das hat sich jetzt zum Glück gebessert. Ich glaube, dass die junge Generation sehr unter der Pandemie leidet – Isolation ist für die Entwicklung von jungen Menschen nicht gut. Ich kriege das bei meinem Sohn Yaris mit, der bald 18 wird.

Der Festivalsommer

Diese Festivals werden von der Migros unterstützt:

20. - 22. August, Openair Gampel, www.openairgampel.ch

26. - 28. August, Intro Music & Comedy by Stars in Town, Schaffhausen, www.introfestival.ch

3./4. September, Seaside Festival, Spiez, www.seasidefestival.ch

3./4. September, SummerDays Festival Arbon, www.summerdays.ch

10. - 12. September, Heitere Open Air «Reduce To The MAX Edition», Zofingen, www.heitereevents.ch

14. - 18. September, Open Air Frauenfeldli, www.frauenfeldli.ch

Ihnen liegen auch Umweltthemen am Herzen. Gerade gab es in halb Europa Überschwemmungen, Brände, Hitze. Sorgen Sie sich, wo das alles noch hinführen wird?
Ich bin grundsätzlich kein Pessimist. Aber es wäre blind, wenn man diese Zeichen der Zeit nicht wahrnehmen und entsprechend deuten würde. Wenn Klimaleugner behaupten, dass das alles sowieso passiert wäre und das keine Auswirkungen einer Klimaverschiebung sind, dann begegne ich dem mit äusserstem Unverständnis. Für mich ist klar, dass das eine Auswirkung unserer Ausbeutung des Planeten ist. Wenn wir diese Entwicklungen bremsen wollen, müssen wir entsprechenden Massnahmen und Verhaltensveränderungen einleiten. Das bedeutet Aufklärung in der Bevölkerung, von jung bis alt. Das ist anstrengend, aber es gibt keine Alternative dazu. Wir müssen etwas tun.

Ihre Tochter Anouk ist zwei Jahre alt, hat also noch ein ganzes Leben vor sich. Was wünschen Sie sich für sie?
Dass sie und andere Kinder Lebensumstände erfahren, die gesund und verträglich sind. Ich wünsche ihr, dass sie in einer Gesellschaft lebt, die demokratisch und tolerant ist. Dass das Gefälle auf der ganzen Welt nicht irgendwann zu einem Kollaps führt. Ich wünsche ihr, dass die Vernunft der Menschen zu Konzepten führt, die ein gutes Leben ermöglichen.

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