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Jungfotograf

Auf der Lauer

Levi Fitze ist erst 17 Jahre alt und bereits ein preisgekrönter Fotograf. Wir zeigen seine besten Bilder und erzählen, wie sie entstanden sind.

Text Marcel Huwyler
Fotos Levi Fitze
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Immer auf der Suche nach dem perfekten Sujet: Jungfotograf Levi Fitze fotografiert den Alpstein. (Selfie von Levi Fitze)

22’000 Vogelbilder haben Jungfotografen aus der ganzen Welt eingereicht – gewonnen hat Levi Fitze (17) aus Bühler im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Mit seinem Foto «Birkhuhn bei der Balz» wird er von der britischen Stiftung für Ornithologie zum «Young bird photographer of the year 2021» gekürt.

Levi wächst naturnah auf, im Tessin, im Piemont, in der Ostschweiz, einen Sommer lang auf einer Geissenalp in Graubünden. Schon als Fünfjähriger beobachtet er das Wild und bestimmt es mit seinem «Kosmos»-Tierführerbuch. Mit zehn, beseelt vom Vortrag eines Ornithologen, beginnt sich Levi für Vögel zu interessieren und engagiert sich in der Jugendgruppe Natrix, lernt immer mehr über Vögel, wird später Exkursionsleiter. Warum Vogelfotografie? «Säugetiere musst du gezielt suchen«, sagt er, «aber Vögel sind einfach überall. Es gibt in der Schweiz über 400 nachgewiesene Arten.» Mit zehn fotografiert er mit seiner ersten einfachen Kamera, mit zwölf kauft er sich ein Spiegelreflex und wird zum ambitionierten Wildtierfotografen. Levi Fitze macht derzeit eine Lehre als Fotofachmann, er hält Vorträge und organisiert Workshops. Seine Werke zeigt er auf seiner Webseite oder für seine rund 5000 Follower als «levifitze» auf Instagram.

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Mit diesem Bild hat Levi Fitze den Preis gewonnen: «Birkhähne bei der Balz».

Im Frühling vor drei Jahren entdeckt Levi Fitze im Alpstein, oberhalb der Baumgrenze, den Balzplatz von Birkhühnern. Sie gehören zu seinen Lieblingsvögeln und sind extrem scheu. Er hätte sie mit einem Teleobjektiv von weit weg fotografieren können, aber er will sie mit möglichst viel Umgebung ablichten. Am Abend vor dem Shooting stellt er nah beim Balzplatz ein Stativ auf. Die Nacht verbringt er vor Ort im Schlafsack. Morgens um vier installiert er seine Kamera samt Weitwinkelobjektiv auf dem Stativ und versteckt sich in ein paar Metern Entfernung unter einem Tarnnetz. Als die Birkhühner kurz nach sechs erscheinen, löst Fitze per Fernsteuer-App auf seinem Handy die Kamera aus. «Als ich die Fotos sah, war mir sofort klar, dass mir da etwas Wunderbares gelungen ist.»

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Den richtigen Zeitpunkt erwischt: «Fuchswelpe beim Powernap»

Nach den Birkhühnern verbringt Fitze wohl am meisten Zeit mit Jungfüchsen. An seinem Wohnort in Bühler AR hat er drei Fuchsbaue entdeckt, wo er die Welpen gut beobachten und fotografieren kann. Dieses Foto hier, vom dösenden Jungfuchs, gelingt ihm im Wald bei Teufen. Es ist späterer Nachmittag und die Lichtverhältnisse sind schwierig. In dem Moment schickt die Sonne ein paar Strahlen durch das Blätterdach, wie ein Spotlicht, und beleuchtet das Tier – und Fitze schiesst sein Foto.

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Auf Besuch beim Onkel, dem Schafhirten, entsteht das Bild «Schafe».

Eigentlich fotografiert Levi Fitze nur Wildtiere, Haustiere interessieren ihn weniger «Weil für mich der Weg zum Tier, der stundenlange Aufstieg und die Suche nach ihm, ebenso zum Ziel gehören.» Haustiere ständen halt einfach schon da. Aber diesen Sommer besucht er seinen Onkel, der auf einer Alp im Bündnerland als Schafhirt arbeitet. Er und seine Herdenschutzhunde kümmern sich um 400 Tiere. Levi machte über den Älpler eine Reportage. Und da gelingt ihm dieses Bild. Im Hintergrund blitzt weiss noch ein letzter Schneefjord auf. Es hat in der Region auch Wölfe und sogar Luchse; gerade Luchse, so hofft Fitze, will er unbedingt mal ablichten. Der Wunsch solle ihm erfüllt werden.

Ende Juli ist Fitze im Gebiet Churfirsten unterwegs, um Schneehühner zu fotografieren. Er wird begleitet von einem Fotografen aus Holland, der unbedingt Steinböcke ablichten will. Doch sie finden keine, und Levi fühlt sich als schlechter Führer, ist der Holländer doch extra wegen dem Wild angereist. Aber dann, ganz plötzlich, steht ein Steinbock da. Und zwar genau vor der untergehenden Sonne. Fitze hat sein Foto stark unterbelichtet, damit es so plakativ wirkt. Innert einer Stunde schiesst er vom Steinbock über 1000 Bilder.

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Gut getarnt: Alpenschneehühner sind nur im Winter weiss. 

Dieses Bild gelingt Fitze im Herbst vor einem Jahr im Gebiet Churfirsten. Dafür hat er vor Ort im Biwaksack übernachtet, um dann schon bei Tagesanbruch auf Fotojagd gehen zu können. Alpenschneehühner sind faszinierende Vögel. In den warmen Monaten haben sie ein grau-braunes Gefieder, das sie hervorragend in der Gebirgswelt tarnt. Im Winter werden ihre Federn komplett weiss. Das hier ist ein Männchen, es besitzt, je nach Saison, auffällig rote Augenwülste.

Fitzes absolutes Highlight in seinem bisherigen Fotografenschaffen. Der Luchs. Ein Bekannter im Bündnerland informiert ihn im August, ein Luchs habe eine Gämse gerissen. Es gibt in der Schweiz nur etwa 300 Luchse, sie sind extrem scheu, und es war schon immer Fitzes Wunsch, einen zu fotografieren. Mit dem Velo fährt er um vier Uhr morgens nach St. Gallen, nimmt den Zug und ist um acht bereits am Zielbahnhof. Vor dort steigt er noch zwei Stunden hoch zur Alp. Den ganzen Tag beobachtet er das gerissene Tier, das noch immer daliegt. Aber kein Luchs lässt sich blicken. Doch dann, es ist gegen halb fünf am Abend, starrt ihm aus dem Wald ein Gesicht entgegen. Der Luchs. Er und das Tier, Auge in Auge. Fitze ist «so geflasht», dass er es nicht schaffte, den Fotoapparat hochzunehmen und abzudrücken. Erst später gelingt ihm das. Der Luchs bringt noch zwei Junge mit, die vor dem Fotografen, in 300 Metern Entfernung, herumtollten – immer im Kontrollblick der Mutter.

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Den Fotografen fotografiert: Eine Aufnahme aus Polen, als Fitze Schwalben ablichtet, die knapp über der Wasseroberfläche Insekten jagen. (Selfie von Levi Fitze)

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