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Samichlaus und Schmutzli

Hört mal zu, ihr Chläuse!

Bald sind Samichlaus und Schmutzli unterwegs. Ihr treuer Begleiter ist das Eseli. Doch im Umgang mit diesen Tieren werde viel falsch gemacht, sagt Eselexpertin Edith Müller – und redet den Chläusen ins Gewissen.

Text Simon Koechlin
Chlaus, Schmutzli und Eseli: Das vertraute Vorweihnachtssituation gefällt den Tieren nicht immer. Sie sind schnell verunsichert und haben auch nicht gerne nass.  (Bild: Keystone)

Chlaus, Schmutzli und Eseli: Das vertraute Vorweihnachtssituation gefällt den Tieren nicht immer. Sie sind schnell verunsichert und haben auch nicht gerne nass.  (Bild: Keystone)

Wenn der Samichlaus etwas über den Umgang mit dem Eseli wissen will, geht er zu Edith Müller. Die 64-Jährige hält gemeinsam mit ihrem Mann in Grasswil BE seit 35 Jahren Esel. Sie bietet diverse Eselhaltungskurse an – auch für Nikoläuse und Schmutzlis. «Denn», sagt Müller, «man kann nicht einen Esel das ganze Jahr über auf einer Wiese lassen und ihn am 6. Dezember mit in die Stadt nehmen.» Leider würden nur ganz wenige Chläuse-Esel für ihren Einsatz korrekt ausgebildet.

Sollten alle Samichläuse einen "Esel-Kurs" besuchen?

Auch das ganze Jahr hindurch leiden laut der Expertin viele der mehreren Tausend Schweizer Esel unter falscher Haltung. Von Müllers vier eigenen Eseln stammen drei aus Tierschutzfällen. Einer wurde geschlagen, ein anderer zu lange auf zu nährstoffreichem Gras gehalten. «Er kam mit kranken Hufen und viel zu dick, sodass er abspecken musste.» Der Dritte wurde einem Pferd als Begleiter beigestellt – laut Müller ebenfalls ein häufiger Fehler. «Esel sind keine Pferde mit langen Ohren, sie haben andere Bedürfnisse und sprechen eine andere Sprache.»

Was Esel brauchen, ist Gesellschaft ihresgleichen. Es seien durch und durch soziale Wesen, sagt Müller. «Sie empfinden Glück und Leid, Freude und Trauer. Sie pflegen Freundschaften. Sie spielen, streiten und versöhnen sich. So wie wir.»

Edith Müllers Tipps für Samichläuse:

Nicht ohne Training loszotteln
Esel sind Gewohnheitstiere. Sie lernen Schritt für Schritt, wie wir Menschen in der Schule. Deshalb müssen der Samichlaus und der Schmutzli ihr Eseli mit dem vielen Neuen vertraut machen, das am Chlausetag auf das Tier zukommt. Ungewohnte Orte, Menschenaufläufe, Spazieren im Dunkeln, Strassenlampen, elektrische Türen im Einkaufszentrum, Tragtaschen umschnallen, mit kostümierten, bärtigen Mannen mitlaufen: Das alles muss trainiert werden.

Das Halfter nicht über die Ohren ziehen
Eselsohren sind lang – und empfindlich. Der Samichlaus darf seinem Eseli nie das Halfter über die Ohren anziehen. Damit würde er ihm die Lauscher jedes Mal umknicken. Zudem haben Esel ein sehr feines Gehör – das Überziehgeräusch schmerzt sie richtiggehend in den Ohren. Für Esel geeignet sind Halfter, deren Genickstück sich öffnen lässt. Sie können direkt um den Hals angelegt werden.

Edith Müller mit zwei ihrer Tiere.  «Ist dem Esel etwas nicht geheuer, bleibt er stehen und versucht erst einmal, die Situation einzuschätzen. Das hat ihm den Ruf eingetragen, stur zu sein. Das ist er aber nicht.»  (Bild: zvg)

Edith Müller mit zwei ihrer Tiere.  «Ist dem Esel etwas nicht geheuer, bleibt er stehen und versucht erst einmal, die Situation einzuschätzen. Das hat ihm den Ruf eingetragen, stur zu sein. Das ist er aber nicht.»  (Bild: zvg)

Keine Rüebli füttern lassen
Esel sind ursprünglich Wüstentiere. Weil Futter dort rar ist, schlagen sie sich den Bauch voll, wenn sie etwas finden. Gibt man ihnen zu viel Futter, überfressen sie sich, werden übergewichtig und krank. Darum darf der Schmutzli am Chlausentag das Eseli nie aus den Augen lassen und muss kontrollieren, dass es nicht von Kindern überfüttert wird. Rüebli etwa sind ungeeignet. Sie enthalten viel Zucker und kleine Stücke können im Hals stecken bleiben. Das richtige Eselfutter ist Heu.

Immer vor Regen schützen
Das Eselfell ist zwar dicht, aber kaum wasserabweisend. Es trocknet viel langsamer als das Fell eines Pferdes. Steht das Eseli am Chlausenabend lange im Regen, kann es eine Lungenentzündung davontragen. Der Samichlaus muss deshalb dafür sorgen, dass sein Tier immer ein trockenes Plätzchen hat.

Nicht mit der Rute antreiben
Der Esel ist nur bedingt ein Fluchttier. Ist ihm etwas nicht geheuer, bleibt er stehen und versucht erst einmal, die Situation einzuschätzen. Das hat ihm den Ruf eingetragen, stur zu sein. Das ist er aber nicht. Bleibt sein Esel stehen, muss der Samichlaus ihm Zeit geben. Und nie an ihm herumzerren oder ihn gar mit der Rute antreiben! Besser ist es, vorsichtig seinen Kopf zu bewegen und ihn so langsam aus seiner geistigen Starre zu lösen.

Nicht überfordern
Am Chlausentag darf es etwas ausgelassen zu und her gehen. Aber nicht in unmittelbarer Nähe des Eselis. Ein Tohuwabohu überfordert das Tier. Es ist die Aufgabe des Schmutzlis, den treuen Helfer vor solchem Stress zu bewahren. Er muss dafür sorgen, dass die Kinder dem Esel nicht ins Ohr schreien oder um ihn herumrennen. Und dass die Eltern dem armen Tier beim Fotografieren nicht in die Augen blitzen. Schliesslich haben wir Menschen das auch nicht gern.

Mehr Informationen unter www.eselmueller.ch

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