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Leben

Glück in der Familie

In der Adventszeit wird uns das Glück um die Ohren gehauen. Es tatsächlich zu empfinden, ist gar nicht so einfach. Sechs Tipps der Psychologin Stefanie Rietzler.

Text Monica Müller
Auch gemeinsam eine Party organisieren macht glücklich. 

Auch gemeinsam eine Party organisieren macht glücklich. 

Mit Widrigkeiten klarkommen

Negatives gehört auch zum Leben und muss dem Glück nicht im Weg stehen. Lernen Kinder und Jugendliche, Gefühle in ihrer ganzen Bandbreite wahr- und anzunehmen, können sie besser mit Schwierigkeiten umgehen. Eltern sollten negative Gefühle nicht wegreden oder bagatellisieren, sondern den Kindern helfen, sie auszuhalten und zu benennen. Ein Streit mit der besten Freundin, eine schlechte Note, keine Einladung zur Party: Mit einer offenen Frage wie «Wie ist das für dich?» können Eltern ihren Kindern die Gelegenheit geben, ihre Gefühle in Worte zu packen. Und dann fragen: «Was würde dir jetzt helfen?». Je nach Alter und Naturell möchten Kinder vielleicht in der Nähe der Eltern spielen, gamen, umarmt oder in Ruhe gelassen werden. Manchen hilft es auch, sich vom Erlebten zu distanzieren, indem sie es niederschreiben oder malen. Erzählen Eltern von ihrem eigenen Liebeskummer oder Niederlagen, kann das auch helfen.  

Das kleine Glück festhalten

Viele tappen auf der Suche nach dem Glück in die wenn-dann-Falle: Sobald ich befördert bin oder in ein Haus mit Garten umziehe, bin ich zufrieden. Aus der Glücksforschung ist bekannt, dass grosse Veränderungen im Leben weniger glücklich machen als schöne kleine Gewohnheiten im Alltag. Wie ein Spaziergang durch den Wald oder ein selbst gebackenes Brot. Da sich unser Gehirn lieber ans Negative erinnert, müssen wir aktiv Gegensteuer geben. Indem wir den Blick aufs Positive richten, lässt es sich umprogrammieren. Als Familie kann man sich beispielsweise jeden Abend als Ritual erzählen, was gut gelaufen ist. Oder Glücksmomente auf Post-Its festhalten und diese an eine Wand heften. Oder sich hinsetzen und aufschreiben, wofür man dankbar ist. 

Zeit schaffen für das, was guttut

Die Kalender der Eltern und vieler Kinder sind ziemlich voll. Dennoch sollten wir immer wieder darüber nachdenken, was uns und unseren Kindern guttut. Und dafür Zeit freischaufeln. Auch Kinder sollen mitbestimmen dürfen, was ihnen wichtig ist. Mehr lümmeln zuhause? Mehr Freunde einladen? Mehr Experimente durchführen? Unsere Grundbedürfnisse sind vielfältig, wir sollten uns immer wieder fragen, was wir brauchen, um im Flow zu sein. Und dies mehr tun.

Sich engagieren

Wer sich für eine gute Sache einsetzt und dabei spürt, dass er oder sie einen Unterschied macht, fühlt sich gut. Ein Engagement für die Gemeinschaft stärkt ebenfalls das Selbstbewusstsein. Auch Kinder und Jugendliche können gute Taten vollbringen und dabei erleben, dass geben glücklicher macht als nehmen, schenken mehr Freude bereitet als beschenkt zu werden. Indem sie beispielsweise für eine ältere Person aus der Nachbarschaft einkaufen, einen Hund aus dem Tierheim spazieren führen oder einmal in der Woche für die Familie kochen. Eltern können Kinder dazu inspirieren, indem sie sie fragen: Was könntest du jemandem Gutes tun? Vielleicht möchten sie ein schüchternes Kind in der Pause auffordern, mitzuspielen oder einem Freund ein Kompliment machen.

Auf die Stärken fokussieren

Wir alle wollen gesehen und geschätzt werden. Häufig richten wir unseren Blick nur aufs Tun, wenn wir an Stärken denken. Sie spielt gut Geige, er verschlingt Bücher, sie schiesst die meisten Goals. Dabei gehen Charakter-Stärken häufig vergessen. Es tut Kindern aber gut, wenn sie für ihren Durchhaltewillen, ihre Geduld oder ihre soziale Ader Wertschätzung erfahren. Wissen Kinder, was sie auszeichnet, fühlen sie sich selbstsicherer. Und vielleicht dazu motiviert, diese Stärken noch mehr einzubringen. Das Thema lässt sich auch spielerisch aufgreifen, indem man sich als Stärken-Detektiv gegenseitig auf die Sprünge hilft. Und beispielsweise Sätze, die mit «Du kannst sehr gut... » beginnen, fertig denkt. Auf folgender Webseite können Stärken auch wissenschaftlich ergründet werden.
www.charakterstaerken.org

Die Suche nicht verbissen angehen

Zum Schluss und ganz wichtig: Die Suche nach dem Glück sollte kein weiteres Programm sein, das es abzuspulen gilt, keine weitere Pendenz. Sie soll dazu inspirieren, den Blick fürs Schöne zu schärfen.

Buchtipp

«Jaron auf den Spuren des Glücks» 

Schlechter könnte es für den jungen Fuchs Jaron nicht laufen: Sein strenger Vater zwingt ihn, Fussball zu spielen. Sein bester Freund verbringt plötzlich lieber Zeit mit zwei Fieslingen. Und dann steckt ihn die Lehrerin für eine Projektarbeit auch noch in eine Mädchengruppe! Gemeinsam sollen sie erforschen, was glücklich macht. Das Buch von Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund nimmt kleine und grosse Leserinnen und Leser mit auf eine abenteuerliche Suche nach dem Glück.

Bei Exlibris erhältlich für 32.70 Franken.

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