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Fleischlose Produkte

Ist das vegan oder nicht?

Für immer mehr Produkte, auch solche ohne Fleisch, gibts vegane Alternativen. Wir haben einige von einer Expertenjury testen lassen – neben dem Original. Die Unterscheidung fiel nicht immer leicht.

Text Ralf Kaminski, Dinah Leuenberger
Fotos Daniel Grieser
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Höchste Konzentration: Andrin C. Willi versucht rauszufinden, ob A oder B vegan ist.

Beim Schinkengipfeli ist die Sache schnell klar, bei der Nuss-Schoggi hingegen vergleichen einige Jurymitglieder recht lange – und zwei liegen am Ende falsch. Das Migros-Magazin hat eine Expertenrunde zum Blindtest geladen: Vor jeder Person steht jeweils ein Teller mit zwei nahezu gleich aussehenden Produkten, eines vegan, das andere nicht. Wir möchten wissen: Erkennen sie die vegane Variante? Und welche finden sie besser? Anschliessend werden die Ergebnisse diskutiert.

Die Expertenjury im Einsatz. (Video: Jana Figliuolo)

Die Nuss-Schoggi und das Schoggi-Cornet waren offenbar die grösste Herausforderung. Weshalb war dennoch für drei von Ihnen die Sache klar?
Eliana Zamprogna: Die vegane Glacé war eindeutig wässriger. Bei der Schokolade fand ich es hingegen schwierig.
Nicole Hasler: Mir fiel es nicht so schwer, weil meine Schwester keine Milchprodukte essen kann und ich deshalb mit veganen Produkten vertraut bin. Und dass man beide Variante nebeneinander probieren konnte, hat es natürlich erleichtert. Die vegane Schoggi war im ersten Moment einfach sehr süss.
Andrin C. Willi: Ich habe wenig Ahnung von veganen Produkten. Aber bei der Schokolade fand ich es klar, weil bei der veganen Variante einfach ein Geschmacksträger fehlt. Das Original schmeckt dank der Milch runder. Auch dem veganen Cornet fehlt die geschmackliche Tiefe.

Das vegane Schinkengipfeli hat bei einigen sogar besser abgeschnitten als das Original. Weshalb?
Rolf Hiltl: Der Schinkengeschmack des Originals ist sehr penetrant, was wohl typisch ist für Schinkengipfeli-Fleisch.
Willi: Umso besser ist es, wenn man diese Art Fleisch ersetzt – erst recht, wenn es Produkte gibt, die geschmacklich absolut gleichwertig sind.
Hiltl: Ich glaube, dass die pflanzlichen Alternativen bei Konsumentinnen und Konsumenten problemlos funktionieren. Ausser die Crèmeschnitte.

Weshalb die nicht?
Hiltl: Das ist ein sehr persönlicher Grund. Viele unserer Gäste behaupten, dass wir in der Konditorei des Hiltl die beste Crèmeschnitte von Zürich herstellen. Mein Vater war in den 1950er-Jahren Konditor und hat das Rezept dafür entwickelt, deshalb bin ich da sehr heikel. Die vegane Variante schmeckt flach, das Original komplex. Es gibt eben auch Grenzen beim Veganisieren.
Knut Schwander: Obwohl ich die Crèmeschnitten beide lieber nicht gegessen hätte, finde ich eigentlich alle veganen Alternativen vollkommen in Ordnung. Die kann man durchaus kaufen.
Hasler: Das ging mir genauso – und das hätte ich nicht unbedingt erwartet.

Was halten Sie davon, dass es immer mehr solche vegane Alternativen gibt?
Schwander: Bei den heute getesteten Produkten finde ich das eine gute Sache, es sind im Grunde einfach andere Herstellungsmethoden – was man dann besser findet, ist Geschmackssache. Fleischersatzprodukte finde ich hingegen schwierig, damit kann ich nicht viel anfangen.  
Hiltl: Ich finde es sehr wichtig, dass es solche Produkte gibt – und bin überzeugt, dass das die Zukunft ist. Wir veganisieren die vegetarischen Gerichte in unseren Restaurants bereits seit 20 Jahren. Wenn es gleich gut ist oder besser, machen wir es. Genuss und Geschmack sind wichtig, aber die Diskussion sollte da nicht aufhören. Mit veganen Alternativen kann man viel Gutes tun, für den Planeten und die Tiere.

Zamprogna: Ausserdem erhöht man die Vielfalt des Lebensmittelangebots. Wichtig ist, dass diese Produkte nicht nur gut, sondern auch gesund sind. Je weniger künstliche Inhaltsstoffe, desto besser. Hauptziel sollte im Übrigen nicht sein, dass vegane Produkte genauso schmecken wie die nicht-veganen, sondern dass sie für sich gut schmecken – oder sogar besser.
Willi: Ausserdem ermöglichen vegane Alternativen, Teil der Gruppe zu bleiben. Beim Grillabend wirft man dann halt eine vegane Wurst oder einen pflanzlichen Burger auf den Grill – es kommt praktisch zu keiner Absonderung, obwohl man etwas anderes isst.
Hasler: Aus der Forschung wissen wir, dass Essen auch mit Gewohnheit zu tun hat. So bevorzugen viele Leute Speisen, die sie schon aus der Kindheit kennen. Die Ersatzprodukte werfen die Frage auf, ob etwas nicht auch ein wenig anders schmecken und trotzdem gut sein kann. Und auch da wird’s mit der Zeit einen Gewohnheitseffekt geben.
Hiltl: Es können zwei Dinge auch unterschiedlich im Geschmack sein und dennoch beide auf ihre Art fein. In jedem Restaurant schmeckt das gleiche Gericht ein wenig anders.
Willi: Aber wenn der Geschmack wie jetzt hier bei der Nuss-Schokolade weit auseinander ist, gibt’s am Ende eben doch eine Präferenz. Es bleibt halt eine persönliche Geschmacksfrage.

Eine Auswahl veganer Produkte

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