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Ökobatterie bei der Migros

Hier wird aus Salz Strom

Mit einer speziellen Ökobatterie speichert eine Migros-Filiale in Schlieren ZH Solarstrom. Der riesige Akku enthält keine exotischen Rohstoffe, sondern vor allem Schweizer Kochsalz.

Text Michael West
Fotos Gabriel Zwicky
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Andreas Frölich freut sich, dass in der Filiale Rietbach überschüssiger Solarstrom künftig «sauber» gespeichert wird.

Wozu braucht ein Supermarkt eine solche Riesenbatterie?
Die Migros-Filiale Rietbach in Schlieren ZH verfügt über ein ganzes Arsenal aus Sonnenkollektoren. Die schwarzen Paneele bedecken das Gebäudedach und den Autounterstand. Die Filiale betreibt mit dem Strom ihre Kühlregale, Tiefkühltruhen und Lampen. Die Solaranlage produziert sogar zehn Prozent mehr Energie, als benötigt wird. «Diesen Überschuss möchten wir gern speichern. Das gelingt dank der neuen Ökobatterie im Keller», sagt Andreas Frölich (59), Energiespezialist der Genossenschaft Migros Zürich.

Was macht diesen Stromspeicher so besonders?
Die Anlage im Keller sieht imposant aus: Sie ist 8,5 Meter breit und 2 ­Meter hoch; sie bringt stolze 6 Tonnen auf die Waage. Das Be­sondere ist aber, dass die 24 Batterieblöcke aus lauter unbedenklichen Roh­stoffen angefertigt wurden, die in der Natur reichlich vorhanden sind: Nickel, ­Eisen, Keramik und vor allem Kochsalz, das aus den Rheinsalinen im Kanton Baselland stammt.

Warum sind die Rohstoffe der Batterie wichtig?
In vielen modernen Hochleistungs­akkus stecken problematische Roh­stoffe, zum Beispiel Kobalt, das in der Republik Kongo in Minen auch von Kindern abgebaut wird. Das ­häufig verwendete Lithium stammt vor ­allem aus Argentinien, Bolivien und Chile. Bei der Gewinnung dieses ­Metalls werden riesige Mengen an Wasser verbraucht.

Hat der Salzakku auch Nachteile?
«Es handelt sich um eine träge Batterie», sagt der Unternehmer Max Ursin (57), dessen Firma Inno­v­energy in Meiringen BE die Anlage für die Migros konstruiert hat. «Es dauert also etwas länger als bei anderen ­Akkus, bis sie geladen und entladen ist.»

Wie lässt sich die Batterie entsorgen?
«Das ist ökologisch kein Problem», versichert Ursin. Wenn sie später ausgedient hat, lässt sich das Metall herausschmelzen und rezyklieren. Aus den restlichen Rohstoffen entsteht eine Schlacke, die man beim Strassenbau verwenden kann.

Solarstrom, Plusenergiefilialen

Migros spart und produziert Energie

Die Migros-Gruppe besitzt 295 eigene Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von 32506 kWp. Diese produzieren jährlich 31165 MWh Strom. 

Die Migros betreibt 4 Plusenergiefilialen (Zuzwil SG, Amriswil TG, Heiden AR und Schlieren ZH). Diese produzieren mehr Energie, als sie verbrauchen. Möglich macht das eine Kombination aus Energieeffizienz-Massnahmen und Produktion von Solarstrom – neu auch an Fassaden. 

Neun Logistikzentren der Migros nutzen bereits heute Heizenergie aus Quellen wie Holz, Geothermie oder Fernwärme aus Kehrichtverbrennungsanlagen.

Wie verbreitet sind denn solche Strom­speicher?
Erfunden wurden sie zwar schon in den 1980er-Jahren, doch auf breiter Front haben sie sich noch nicht durchgesetzt. In der Schweiz kon­struiert nur die Firma Inno­venergy ­solche Batteriesysteme. «Wir glauben trotzdem an dieses umweltfreund­liche System», sagt Frölich. «In Zukunft wird man solche Stromspeicher häufiger in Häuser einbauen.»

Könnten auch Elektroautos ­Salz­batterien haben?
Es gibt zwar E-Lieferwagen und -­Busse mit Salzakkus, bei kleineren Autos haben sie sich aber nicht durchgesetzt. Ursin hat sich aus lauter Begeisterung trotzdem eine solche Batterie in sein Mini-Elektroauto der Marke Think einbauen ­lassen. Im Idealfall kommt er damit jedoch nur 150 Kilometer weit.

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