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Sie haben in der Migros die grosse Liebe gefunden

Am Brotgestell, beim Gemüse, an der Kasse: 12 Paare erzählen, wie sie in der Migros auf die Liebe ihres Lebens gestossen sind.

Text Manuela Enggist
MiLove

Auuf der Rolltreppe in der Migros-Filiale Gäuggeli in Chur haben sich 1985 ihre Blicke zum ersten Mal getroffen: Timea v. Endrey und Ermo Arioli. Die beiden sind längst verheiratet und noch immer ein Paar. 

«Ich wollte mich nicht verlieben»

Die Ungarin Timea v. Endrey ist 1985 für ein Praktikum in Chur und trifft in einer Migros-Filiale auf Ermo Arioli. Es funkt, sonst passiert nichts. Kurz darauf laufen sie sich erneut über den Weg. Happy End? Timea zögert.

Dieser grosse, blonde Mann, der ihr auf der Rolltreppe in der Migros-Filiale Gäuggeli in Chur entgegenkommt, fällt ihr sofort auf. «Es freute mich, dass auch er mir kurz in die Augen schaute.» Es ist ein Sams- tag im Jahr 1985. Die Ungarin Timea v. Endrey ist für ein sechswöchiges Praktikum als Zahntechnikerin in die Schweiz gereist. Auch Ermo Arioli sticht die Frau «mit dieser tollen Ausstrahlung» sofort ins Auge. An der Kasse sehen sie sich noch einmal, lächeln sich an. «Aber ich hätte mich nie getraut, sie anzusprechen», erzählt Ermo Arioli heute. «Aber danach habe ich mich über die verpasste Chance geärgert.»

Umso grösser ist die Freude des Bündners, der ebenfalls als Zahntechniker arbeitet, als sein Chef ihm am Montag Timeaals neue Praktikantin vorstellt. Die beiden verstehen sich auf Anhieb, unternehmen in der Freizeit viel miteinander. Doch Timea ist vorsichtig: «Ich wollte mich nicht verlieben, weil ich wusste, dass schon bald wieder 900 Kilometer zwischen uns liegen würden.» Als Timea sechs Wochen später zurück nach Budapest reist, bleiben sie in Kontakt, schreiben sich Briefe und Telegramme, manchmal telefonieren sie auch. Zudem reist Ermo ab und zu mit dem Nachtzug nach Budapest: «Wir haben einiges auf uns genommen, das war ja alles nicht billig. Für die Tele- fonate gaben wir einen grossen Teil unseres Lohns aus.»

Als einmal eine Woche Funk-stille herrscht, merkt Timea, wie sehr sie Ermo vermisst. «Da war mir klar, dass ich mich wohl doch verliebt hatte.» 1986 muss die Ungarin wegen ihrer Ausbildung erneut für einige Wochennach Chur. Da entschliessen sich die beiden, «eine ernsthafte Bindung» einzugehen, und heiraten ein Jahr später in Budapest.

«Was will dieser Jungspund von mir?»

Elisabeth Stieger hat eine schwierige Trennung hinter sich, als ihr Arbeitskollege Peter Kirchhofer Interesse an ihr zeigt. Doch nicht nur wegen der elf Jahre Altersunterschied zögert die Kassiererin.

Es ist ihr Lachen, ein intensives und ansteckendes Lachen, das Peter Kirchhofer 1981 an der Kasse der Migros-Filiale an der Gäuggelistrasse in Chur den Kopf heben lässt. Es ist Elisabeth Stieger, die nur eine Kasse neben ihm arbeitet und ihn mit ihrer Heiterkeit ansteckt. «Ich weiss noch, wie sich mein Herz erwärmte», sagt Peter heute. Er ist angetan von seiner Kollegin und sucht auf Firmenausflügen immer wieder das Gespräch mit ihr. «Ich dachte mir nur, was will dieser Jungspund von mir», erinnert sich Elisabeth. Sie ist damals 32 Jahre alt, Peter 21. Die Kassiererin ist skeptisch: «Ich hatte eine schwierige Trennung hinter mir.» Aus dieser Beziehung stammt ein Sohn, damals sieben, und eine Tochter, damals vier Jahre alt. «Und ich war so gar nicht auf der Suche nach einer neuen Beziehung.»

Trotzdem unternehmen die beiden in ihrer Freizeit ab und zu etwas miteinander. «Und mit der Zeit kamen auch die Gefühle für Peter», sagt Elisabeth. Die beiden lassen es langsam angehen. «Ich wusste, dass ich mit ihm nur eine Beziehung eingehen kann, wenn meine Kinder einverstanden sind.» Monate später nimmt sie ihren Nachwuchs auf einen der Firmenausflüge mit. Peter und die Kinder verstehen sich. Also treffen sich die Arbeitskollegen weiter und arbeiten peu à peu an ihrer Beziehung. Monate vergehen, bis alle zusammen die ersten gemeinsamen Ferien im Wallis verbringen. «Und irgendwann», sagt Peter, «haben wir uns angeschaut, genickt und gewusst, dass wir es schaffen werden.»

«Ich fand diese Frau super anziehend»

Wochenlang warfen sich Trix Schaffner und Oliver Rothhaupt im Aerobic schmachtende Blicke zu. Ein frecher Spruch änderte das schlagartig.

Es ist der 13. Juli 1996, ein Samstag. Trix Schaffner und Oliver Rothhaupt schwitzen im Power-Aerobic-Kurs der Klubschule Migros in Aarau. Aufgefallen sind sie einander schon seit Längerem. Doch mehr als kurze, verstohlene Blicke gab es nicht. Das soll sich an diesem Tag ändern.

Trix geht nach dem Kurs auf Oliver zu. Sie unterhalten sich, und sie sagt spontan: «Du gfallsch mer!» Sie wisse gar nicht mehr, was sie da überkommen habe, sagt Trix heute rückblickend. Der Konsequenzen ist sie sich in diesem Moment nicht bewusst. Denn Oliver macht Nägel mit Köpfen: «Ich fand diese Frau super anziehend und wollte sie endlich kennenlernen.»

Oliver Rothhaupt (49), Product Manager bei Delica, und seine Frau Trix Schaffner (61), Leiterin MA-Shop bei Chocolat Frey, sind in Küttigen AG zu Hause. Die Wochenenden verbringen die beiden meist in ihrem Tessiner Ferienhaus.

Oliver Rothhaupt (49), Product Manager bei Delica, und seine Frau Trix Schaffner (61), Leiterin MA-Shop bei Chocolat Frey, sind in Küttigen AG zu Hause. Die Wochenenden verbringen die beiden meist in ihrem Tessiner Ferienhaus.

Er nutzt die Chance und lädt sie zu einem Kaffee ein. Aus einem Getränk werden viele. «Das Knistern lag schon vorher in der Luft und durch diesen ersten Kontakt wurde die Flamme zwischen uns entfacht», sagt Trix. Am Abend besuchen sie eine Vorstellung des Zirkus Knie. Dieser Tag soll zu ihrem Jahrestag werden. An Neujahr 2013 um 13 Minuten nach Mitternacht hält Oliver um die Hand von Trix an. Und am Samstag, dem 13. Juli 2013, feiern die beiden auf Schloss Wartenfels ihre Hochzeit.

«Ich bereute bitter, dass ich ihre Nummer nicht hatte»

In der Tiefgarage der Migros Wohlen AG laufen sich die Jugendfreunde Valerie Bosman und Peter Stutz nach acht Jahren wieder über den Weg.

Der 12. Mai 2018 ist ein Samstag. Valerie Bosman will mit einer Freundin für den Brunch am Muttertag einkaufen. Sie fahren in die Migros Wohlen, parkieren in der Tiefgarage und gehen die Treppe hoch, als jemand nach Valerie ruft. «Ich ging zurück, um nachzusehen, wer das war», erzählt Bosman. Vor ihr steht Peter Stutz, ausser Atem und nach Worten suchend. Die beiden haben sich acht Jahre nicht mehr gesehen.

Peter und Valerie sind beide in Waldhäusern AG aufgewachsen. Ein Dorf, das kaum 100 Einwohner zählt. Als 14-Jährige nimmt Valerie den 28-jährigen Peter zum ersten Mal bewusst wahr. Auf einem Waldfest tschutten die beiden zusammen. Valerie erinnert sich: «Ich schwärmte ein wenig für ihn.» Peter ist damals schon verheiratet. Ihre Wege trennen sich. Auch Valerie heiratet und bekommt Kinder. Die beiden sehen sich nur noch wenige Male an Dorfanlässen.

Bis zu besagtem Samstag im Mai 2018. Beide leben mittlerweile wieder als Single. Da Peter sein Handy im Auto gelassen hat, gibt er Valerie seine Nummer. Sie hat ihre vorherige Beziehung emotional noch nicht verarbeitet und lässt sich ganze drei Monate Zeit, bis sie ihrem Jugendschwarm schreibt. Für Peter quälend lange Wochen. «Als ich von der Migros heimkam, dachte ich, dass sie noch am selben Tag schreiben würde. Ich bereute bitter, dass ich ihre Nummer nicht hatte.» Nach seiner Scheidung hatte er sich immer mal wieder gefragt, was Valerie wohl so machte und wo sie steckte. «Umso grösser war meine Freude, ihr wieder zu begegnen. Ich wollte diese Chance nutzen.» Im August kommt es endlich zum langersehnten ersten Date, bei dem es sofort funkt. 

«Als ich sie sah, wollte ich mich verstecken»

Vor der Früchteauslage einer Migros-Filiale haben sich Sandra und Timon zum ersten Mal getroffen. Timon fürchete, in seinen Trainerhosen keine gute Figur zu machen.

Als Timon Peyer im Herbst 2013 die Migros-Filiale in Diessenhofen TG betritt und Sandra in der Frischeabteilung stehen sieht, stockt ihm das Herz. «Als ich sie sah, wollte ich im ersten Moment kehrtmachen und mich verstecken. Ich hatte bisher nur Bilder von ihr gesehen und war völlig geflasht», sagt Timon. Die beiden kommen aus derselben Region, sind auf Facebook befreundet, kennen sich aber nicht und haben sich noch nie live gesehen.

«Ich war auf dem Weg ins Fitnesscenter, trug schlabbrige Trainerhosen und wollte nur kurz mit meiner Mutter etwas einkaufen», erinnert sich Timon. «Und ich wollte unbedingt einen guten ersten Eindruck machen.» Er überwindet sich und spricht Sandra an. «Ich dachte mir, was solls. Wenn es passt, dann muss sie mich auch im Trainingsoutfit mögen.» Die beiden reden gut zehn Minuten miteinander. Sandra erinnert sich nur noch an Bruchstücke des Gesprächs: «Ich weiss noch, dass ich am nächsten Tag nach Paris in die Ferien reiste. Ich habe ihm ziemlich sicher davon erzählt.»

Sie tauschen ihre Nummern aus. Als Sandra Timon beim Bezahlen an der Kasse zuzwinkert, weiss er, dass die Trainerhose kein Killerargument für sie ist. Bereits auf dem Heimweg vom Einkaufen schreibt Sandra ihm eine Nachricht. Die beiden verabreden sich noch für denselben Abend auf ein Date. Heute sind sie verheiratet und Eltern des bald zweijährigen Jake.

«Plötzlich stand er vor mir»

Ein radikaler Haarschnitt brachte die Migros-Mitarbeiterin Andrea Boppart in der Molkereiabteilung mit ihrer künftigen Schwiegermutter ins Gespräch. Bis zum ersten Date mussten aber einige Hürden überwunden werden.

Sie hatte Lust auf eine Veränderung, deshalb schnitt sich die 23-jährige Andrea Boppart 1993 ihre Haare raspelkurz ab. Damit fiel sie nicht nur den Kunden in der Molkereiabteilung der Migros-Filiale in Uzwil SG auf, sondern auch einer Arbeitskollegin. «Sie sagte mir, so würde sie mich sofort zur Schwiegertochter nehmen», erinnert sie sich.

Die Kollegin zeigte Andrea ein Bild ihres noch ledigen Sohns Marcel. «Was ich sah, gefiel mir sehr.» Dank der Mutter wusste Andrea, in welchem Pub sich Marcel regelmässig aufhielt. «Ich ging ein paar Tage später mit meiner Schwester dorthin. Aber als er sich nicht einmal die Mühe machte, mich zu begrüssen, verliess ich enttäuscht das Lokal.» Marcel war seinerseits von seiner Mutter vorgewarnt worden, dass sich jemand nach ihm umsehen würde: «Ich war gemütlich mit Kollegen am Jassen und wusste nicht, wie Andrea aussah.»

Deshalb habe er sich nichts anmerken lassen. «Mir sind schon zwei Frauen aufgefallen. Die mit kurzen Haaren gefiel mir besonders gut.» Eine Nachfrage bei seiner Mutter schaffte Klarheit. Tags darauf arbeitete Andrea wieder in der Molkerei, und Marcel kam vorbei. «Ich hatte keine Zeit, nervös zu werden. Plötzlich stand er vor mir und fragte, ob er mich zum Abendessen einladen dürfe.»

«Mir war klar, dass er mich nicht anspricht»

Die beiden 17-jährigen Melanie Loosli und Claudio Iselin treffen sich in einer Migros-Filiale. Weil Claudio sich nicht traut, sie anzusprechen, ergreift Melanie die Initiative. Keiner der beiden ahnt, welche Rolle die 17 für sie noch spielen wird.


Melanie Loosli ist leicht genervt an diesem Tag im Herbst 2005. Die damals 17-Jährige muss mit ihrem Vater einen neuen Kleiderschrank besorgen, da ihrer in der Nacht zuvor zusammengebrochen ist. Deshalb fahren die beiden nach Buchs AG. Sie werden nicht fündig, doch ihr Vater will wenigstens noch kurz in der Migros im Wynecenter einkaufen. «Ich hatte dazu überhaupt keine Lust», erzählt Melanie heute.

Als sie an der Kasse steht und die Ware einpackt, sieht sie diesen jungen Mann vorbeilaufen. Die beiden schauen sich kurz in die Augen. Dabei habe Melanie der Atem gestockt: «Ich habe in dem Moment gewusst, dass ich mit diesem Mann mein Leben verbringen werde.» Auch Claudio Iselin, der damals ebenfalls 17 Jahre alt ist und in der Migros eine Lehre als Detailhandelsangestellter absolviert, ist von Melanie fasziniert: «Ihre Ausstrahlung hat mich umgehauen.»

Melanie (32) und Claudio (32) Iselin leben im Kanton Aargau. Die Zahl 17 ist bedeutsam für das Paar: Am 17. 10. 2005 verloben sie sich, am 1. 7. 2017 heiraten sie, und ihre Tochter wird am 17. 6. 2020 geboren.

Melanie (32) und Claudio (32) Iselin leben im Kanton Aargau. Die Zahl 17 ist bedeutsam für das Paar: Am 17. 10. 2005 verloben sie sich, am 1. 7. 2017 heiraten sie, und ihre Tochter wird am 17. 6. 2020 geboren.

Doch Claudio weiss nicht, wer der Mann an Melanies Seite ist. «Ich war deswegen zu gehemmt, sie anzusprechen.» Claudio hat zu diesem Zeitpunkt Feierabend und will sich auf den Weg zu seinem Velo machen, aber er wartet, damit er Melanie nicht aus den Augen verliert. Auch Melanie versucht immer wieder Blickkontakt aufzunehmen. «Mir war klar, dass er mich nicht anspricht, da ich mit meinem Vater unterwegs war.» Gerade als Claudio sein Veloschloss öffnet, steht plötzlich Melanie vor ihm. «Sie fragte mich nach meiner Telefonnummer. Ich war baff und unheimlich happy.» Nur wenige Wochen später, am 17. Oktober 2005, wurden die beiden offiziell ein Paar.

«Der Kerl traute sich einfach nicht»

Als Tobias Gasser an der Migros-Kasse in Oberwil bei Aline bezahlt, ist es um ihn geschehen. Er erscheint mehrmals täglich, kauft bloss einen Block Papier. Dennoch muss die Kollegin der «schockverliebten» Aline beim Anbändeln helfen.

Ein Sprachaufenthalt in Australien ist das grosse Ziel der 17-jährigen Aline. Dafür arbeitet sie einige Monate an der Kasse der Migros-Filiale im baslerischen Oberwil.

Aufgefallen sei ihr Tobi gleich bei seinem ersten Einkauf, sagt sie heute, 20 Jahre später, «als er bei mir bezahlte und mich das erste Mal anlächelte, war ich ‹schockverliebt›». Tobias Gasser macht zu dieser Zeit eine Lehre in einer nahen Schreinerei: «Damals musste immer der jüngste Lehrling den Znüni einkaufen.» Er habe Aline an der Kasse gesehen und wusste, dass er bei ihr bezahlen musste: «Sie hatte ein wahnsinnig süsses Lächeln und war superschön.»

Mit der Zeit bezahlt Tobias nur noch bei Aline – und dies gleich mehrmals pro Tag. Neben Znüni und Zmittag schaut der Schreinerlehrling auch nach Feierabend in der Migros vorbei. «Als er dann mal nur einen Block Papier oder einen einzelnen Stift kaufte, wusste ich, dass auch er Interesse hatte», erzählt Aline. Doch angesprochen habe er sie nie: «Der Kerl traute sich einfach nicht.» Tobias lacht: «Ich habe es mir jedes Mal vorgenommen. Nur fehlte mir der Mut, oder es standen schon weitere Kunden in der Schlange. Das hat es nicht einfacher gemacht.»

Eine Arbeitskollegin von Aline, die von der aufkeimenden Romanze weiss, nimmt die Sache schliesslich in die Hand und steckt Tobias Alines Nummer zu. Dieser schreibt ihr nur wenige Stunden später die erste Nachricht.

«Er war überrascht und verlegen»

Als Patrick Bisutti und Shina Gehring in der Migros-Filiale in Bremgarten AG aufeinandertrafen, waren beide auf der Stelle hin und weg. Es bedurfte aber erst einiger Heliumballons und eines besonderen Schoggistängelis, bis es mit der Liebe klappte.

Kurz vor Weihnachten 2018 braucht Shina Gehring Staubsaugerbeutel. Sie sucht die Migros in Bremgarten AG auf und will bei der Gelegenheit eine Freundin besuchen, die dort eine Abteilung der SportXX-Filiale leitet. «Ich entdeckte sie im Melectronics-Shop und war hingerissen von dem Typen, der neben ihr stand», erzählt Shina Gehring. Besagter Mann, Patrick Bisutti, ist stellvertretender Fachmarktleiter – und ebenfalls hin und weg: «Ich dachte mir: So eine Frau will ich mal heiraten», sagt er rückblickend.

Patrick bedient Shina und wünscht ihr einen guten Tag. «Kaum war sie weg, bat ich meine Arbeitskollegin, Shina einen Gruss auszurichten. Ich hatte ja mitbekommen, dass sie befreundet sind.» Das tut die Kollegin – und reicht daraufhin einige Tage lang Grüsse hin und her. «Dann sagte ich ihr, sie solle Shina mitteilen, dass mir langsam die Grüsse ausgehen», erzählt Patrick. Shina besucht ihn daraufhin in der Filiale. «Er war sehr überrascht und verlegen, als ich vor ihm stand», sagt sie. Patrick gibt zu: «Ich war nervös. Und mir fehlte der Mut, nach ihrer Nummer zu fragen.»

Er schmiedet deshalb einen Plan: «Ich schrieb meine Nummer auf ein Schoggistängeli und packte es zusammen mit Heliumballons in ein grosses Paket.» Shinas Freundin übergibt es ihr am nächsten Tag mit den Worten, sie müsse einen letzten Gruss ausrichten. «Ich war baff, als ich realisierte, dass das Paket von Patrick war», sagt Shina. Sie schreibt ihm noch am selben Abend; die beiden verabreden sich zu einem ersten Date – seither feiern sie an diesem Datum ihren Jahrestag.

«Doch nicht so doof, wie ich dachte»

Bei Andrea und Uwe war es keine Liebe auf den ersten Blick. Sie mochte ihn zuerst nicht, und beide steckten noch in Beziehungen.

Angeber. Protzer. Aufschneider. Diese Begriffe fallen Andrea Gilgen ein, als sie Uwe Lauber im Januar 1999 zum ersten Mal begegnet. Heute lacht sie über diese Fehleinschätzung: «Er wirkte einfach nicht so sympathisch.» Die beiden besuchen damals einen dreitägigen Filialleiterkurs der Genossenschaft Migros Aare. In den Pausen kommen sie ins Gespräch, und Andrea merkt, dass Uwe «vielleicht doch nicht so doof ist, wie ich dachte».

Er ist seinerseits sofort von der Bernerin angetan. Da aber beide vergeben sind, behalten sie ihre Gefühle für sich. Im Mai treffen sich die beiden an einem weiteren Kurstag wieder. Beim abendlichen Spaghettiessen kommt Uwe Andrea das erste Mal etwas näher. Da sie die Technik zum Spaghettiaufrollen nicht beherrscht, bittet sie ihn um Hilfe. Er nimmt ihre Hände und zeigt ihr «mit viel Gespür» das Aufrollen. Am Ende dieses Kursteils ist es um die beiden geschehen.Sie schweigen aber noch immer, schliesslich sind sie in Beziehungen.

Auch bei einem weiteren Abendessen, bei dem sie alleine sind, weil alle anderen Kursteilnehmer abgesagt haben, halten sie ihre Gefühle zurück. Am 20. Juni verabreden sich Uwe und Andrea schliesslich zu einem Treffen. Sie spazieren auf dem Gurten bei Bern, picknicken, essen einen Coupe und setzen sich gegen Abend auf ein Bänkli. Nichts passiert. Bis Andrea ihren Mut zusammennimmt und Uwe küsst. Als sie nach Hause gehen, wissen beide, dass sie zusammengehören. Sie verlassen ihre Partner und verbringen im November gemeinsam Ferien auf den Malediven.

«Heute habe ich ein Mädchen gesehen, die will ich zur Frau»

Es ist DIE Migros-Liebesgeschichte: die Beziehung von Adele und Gottlieb Duttweiler. Dabei fanden beide die Liebe ihres Lebens – allerdings war Adele zu Beginn alles andere als beeindruckt.

Text: Kian Ramezani

Rechts unten: Adele und Gottlieb Duttweiler im März 1960 Wir schreiben das Jahr 1911. Wie jeden Morgen nimmt die 18-jährige Adele Bertschi den Zug von Horgen nach Zürich, wo sie an der Saatgutkontrollstelle der ETH arbeitet. In Rüschlikon steigt ein junger Mann zu, nimmt ihr gegenüber Platz und schaut sie mit grossen Augen an. «Ich hatte das eigentlich nicht gern. Ich war doch noch fast ein Kind. Aber vermutlich hat ihn gerade meine Zurückhaltung gereizt, nicht aufzugeben», wird Adele später über diese erste Begegnung sagen.

Beim jungen Mann handelt es sich um einen gewissen Gottlieb Duttweiler (22), Kaufmann bei einem renommierten Zürcher Kolonialwarenhändler. Dort hat er auf sich aufmerksam gemacht, weil er Kaffee ohne Zwischenhändler direkt aus Brasilien importiert. Adele bleibt skeptisch, Gottlieb berichtet seiner Mutter aber geradezu euphorisiert: «Heute habe ich ein Mädchen gesehen, die will ich zur Frau.»

Wie sie denn heisse, will die Mutter wissen. Er hat keine Ahnung. Die Szene im Zugabteil wiederholt sich danach jeden Morgen, verfehlt jedoch die erwünschte Wirkung. «Sie wollte nichts von mir wissen und zeigte mir das eindeutig, was für mich ein Grund mehr war, mich für sie zu interessieren», wird sich Gottlieb später erinnern. Er entscheidet sich für eine grosse Geste: Da er seit Kurzem Reitstunden nimmt, beschliesst er, am Wochenende ein Pferd zu mieten und Adele in Horgen zu besuchen.

Hoch zu Ross und in seiner schönen grünen Reitjacke macht er richtig Eindruck – bei Adeles Mutter, die ihn prompt zum Mittagessen einlädt. Die junge Dame hingegen findet den Auftritt albern und bleibt reserviert. Als er eine Segelfahrt auf dem Zürichsee vorschlägt, bittet sie ihre Schwester Bertha mitzukommen. Immerhin als Anstandsdame und nicht, weil sie die beiden verkuppeln will.Nach einem Jahr des intensiven Werbens hat Gottlieb Adele überzeugt, und die beiden feiern Verlobung. Am 29. März 1913 heiraten sie in der Kirche von Horgen. 1925 gründet Duttweiler die Migros. Der Rest ist Geschichte.

«Wir passen zusammen wie Moped und Blumenvase»

Heidi und Samuel Christen könnten fast nicht unterschiedlicher sein, doch die Arbeit in einer Berner Migros-Filiale hat sie zusammengebracht. Nur wurde das Heidi viel schneller klar.

Es beginnt mit einem Händedruck. Die 19-jährige Heidi Leiser hat am 16. April 1986 ihren ersten Arbeitstag im Hobbyzentrum der Migros Marktgasse in Bern. Die Sportartikelverkäuferin wird herumgeführt und reicht dem 28-jährigen Samuel Christen aus der Blumenabteilung die Hand. Sie erinnert sich: «Ich war nervös. Alles war neu. Aber Samuel war mir gleich sympathisch.»

Samstags gehen einige Kollegen nach Feierabend zusammen auf ein Bier. Immer mit dabei: Heidi und Samuel. «Wir haben uns jedesMal gut unterhalten, sassen oft nahe beieinander», sagt die Bernerin. Die Zuneigung bleibt auch den Kollegen nicht verborgen. Und so sitzen die beiden eines Abends kurz vor Weihnachten allein am Stammtisch, wie Samuel berichtet: «Alle hatten auf einmal etwas anderes vor.»

Beide sind leidenschaftliche Skifahrer, sie verabreden sich für einen Tag auf den Pisten in Saanenmöser BE. Dieser 28. Dezember wird beiden als «ausserordentlich herrlich» in Erinnerung bleiben. Zwar verbringen sie stets mehr Zeit gemeinsam, doch Samuel bleibt unsicher. «Ich hatte mir geschworen, dass ich keine Partnerin aus dem gleichen Unternehmen haben werde.» Die Wochen und Monate vergehen, und die Treffen flauen nicht ab. Heidi sagt: «Ich war mir wohl zuerst sicher, dass ich Samuel gern hatte. Doch ich spürte auch, dass er mich mochte.» Schliesslich wird dann ebenfalls dem Gärtner klar, dass er mehr als nur freundschaftliche Gefühle für Heidi hegt – trotz des gleichen Arbeitsortes: «Sie ist eine toughe Frau. Sie hat gewusst, was sie wollte. Das hat mich sehr angezogen.» Im September 1987 verbringen sie auf Sizilien die ersten gemeinsamen Campingferien. Sechs Jahre später folgt die Hochzeit und nochmals sechs Jahre später kommt Tochter Céline zur Welt.

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