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Kultglace

Seehund und Affe bekommen Gesellschaft

Die Rahmglaces der Migros gibt es nun auch mit Caramelgeschmack. Entworfen hat das neue Tierchen wieder Hans Uster, der Schöpfer der Kultsujets. 

Text Angela Obrist
Seehund, Affe und die beiden Bären bekommen im Migros-Glacegestell Besuch vom einem neuen Tier, dem Elefanten. Er steht für die Geschmacksrichtung Caramel. 

Seehund, Affe und die beiden Bären bekommen im Migros-Glacegestell Besuch vom einem neuen Tier, dem Elefanten. Er steht für die Geschmacksrichtung Caramel. 

Im Tiefkühlregal jeder Migros-Filiale stehen die süssen Kindheitserinnerungen griffbereit. Die Rahmglaces mit dem lieb­ ­gewonnenen Seehund, Bär und Affen sind seit bald 50 Jahren ein Hit. Nun trompetet bei der Kulttruppe ein Neuling mit: der Elefant. Er schmückt die Verpackung der Caramel-Stängeliglace.

Bei dem fröhlichen Dick­häuter handelt es sich um ein waschechtes Züri-Höngger ­Exemplar, entstanden am hei­mischen Zeichentisch von Hans Uster. Der 93-jährige Grafiker und Künstler ist auch der Vater der ersten drei Kulttiere. Er ­entwarf sie 1975, als er Leiter der Verpackungsabteilung «Kreativ» war. Die Migros hatte in ihren Anfängen noch auf schlichte Verpackungen gesetzt und gestaltete ihre Produkte erst mit der Zeit bunter. Für auffällige Designs war Uster genau der Richtige: «Eine gut gestaltete Verpackung hat eine Kraft, sie spricht mit den Menschen», ­erklärt er bei einem Besuch. Sein Atelier ist gleichzeitig sein Wohnzimmer – oder umgekehrt. Von der Besucherin auf den ­Erfolg seiner Tiersujets angesprochen, reagiert der Künstler etwas ­verlegen: «Dass sie noch immer so vielen Menschen ­gefallen, lässt mich staunen.»

25'000 Entwürfe für die Migros

Die Glaces seien ihm ein liebes Projekt gewesen, aber eins von vielen. Rund 25'000 Entwürfe zeichnete er bei der Migros ­gemäss eigenen Schätzungen. Hans Uster legt zwei schwere Arbeitsmappen auf den Tisch, die sein Schaffen dokumen­tieren. Mit seinem Zeichenstift verhalf er zig Produkten zu ­einem schönen Auftritt: von Fertigsuppen über Schokolade bis zu Strumpfhosen und Staubsaugern.

«Wenn unsere neuen Verpackungen in die Läden kamen, legten wir uns manchmal auf die Lauer und schauten, wie sie bei den Leuten ankamen», erinnert er sich. Noch heute ­haben Migros-Kunden Usters Designs im Kühlschrank: So wird beispielsweise Milch in ­einer von ihm entworfenen ­Verpackung verkauft, die einen roten oder weissen oder blauen Krug mit weissen Punkten zeigt.

Neues Tier gesucht

Weckt die Migros-Kultglace auch Erinnerungen bei dir?

Der Grafiker ist seit 1991 pensioniert, aber auch im Ruhestand sprudeln bei ihm die Ideen. In seinem Wohnzimmer erzählen Bilder, Skulpturen und Installationen lustige und dramatische Geschichten. Auch der Zeichentisch steht, wo er soll: am Fenster mit Blick ins Grüne. «Ein Künstler geht nie in Pension», sagt Hans Uster. So passte es gut, als ihn vergangenes Jahr die Delica anrief. Das Migros-Unternehmen stellt in Meilen am Zürichsee die Kultglaces her.

Ob er für eine neue Sorte ein weiteres Tier zeichnen würde? Seine Antwort: «Selbstverständlich!» In den darauffolgenden Wochen war Usters Zeichenstift im Dauereinsatz. Der Künstler entwarf Tiere in vielfacher Ausführung – wie damals von Hand und auf Papier. Sie tanzen, balancieren und trompeten ein­ander zu. Der Elefant, der nun die Packung schmückt, war längst nicht der einzige Anwärter. «Für mich persönlich kam der ganze Zoo infrage. Es hätte auch ein Känguru oder ein freundliches Krokodil das Rennen machen können.»

Bereit für den Sommer?

Hans Uster 

Ein Künstler kennt keine Pension

Hans Uster bei sich zuhause in Zürich Höngg. (Bild: zvg)

Neben seiner Arbeit für die Migros ist ­der Grafiker auch privat als Künstler tätig. Sein Schaffen umfasst ­unter anderem Gemälde, Grafiken, Skulpturen und Comicbände, die er im Eigenverlag publiziert hat. Hans Uster lebt mit seiner Frau in Zürich Höngg.

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