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Bärenkräfte oder nicht?

Die vier grössten Spinatlügen

Was haben wir als Kinder gelitten! Dauernd wurden wir von unseren Eltern zum Spinatessen verknurrt, auf dass wir gross und stark werden – wie Popeye. Inzwischen wissen wir: Funktioniert nicht.

Text Ralf Kaminski
(Bild: Getty Images)

(Bild: Getty Images)

1. Spinat macht gross und stark

Um eines gleich klarzustellen: Spinat ist gesund. Er ist kalorienarm, enthält viele Vitamine, gilt als leicht verdauliche Schonkost bei Magenbeschwerden. Er punktet zudem mit seinem Magnesiumgehalt, und die Augen mögen ihn, weil er eine Menge Betacarotin erhält. Was er aber nicht macht: gross und stark. 

Magst du Spinat?

Diese Legende hielt sich lange – wegen der US-Comicfigur Popeye und weil Spinat angeblich einen besonders grossen Eisengehalt haben sollte. Doch dem lag wohl ein Rechenfehler aus dem frühen 20. Jahrhundert zugrunde. Tatsächlich besteht frischer Spinat zu 90 Prozent aus Wasser und verfügt über gerade mal 3,5 Milligramm Eisen auf 100 Gramm. Zudem enthält er Oxalsäure, was die Eisenaufnahme im Darm sogar erschwert.

2. Kein Gemüse ist eisenreicher als Spinat

Eisen ist wichtig für unseren Körper, für die Sauerstoffversorgung und diverse Stoffwechselvorgänge, es steigert auch die Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit. Weizenkleie, Kürbiskerne, Kidney-Bohnen, Linsen, Kichererbsen, Schwarzwurzeln und dunkle Schokolade enthalten mindestens so viel Eisen wie oder viel mehr als Spinat. Noch effektiver sind tierische Produkte wie Blutwurst oder Leber, die enthalten bis zu zehnmal mehr Eisen als Spinat. 

Spinat-Rezepte

Dass viele Kinder keine grossen Fans von Spinat und Gemüse aller Art sind, ist auch heute noch so. Allerdings funktioniert Popeye vielleicht nicht mehr so gut als Inspiration. Auf Migusto gibt es zahllose Ideen für gluschtige Gerichte mit Spinat – einige davon schmecken bestimmt auch skeptischen Kindern.

3. Spinat macht viele Muskeln

Dass Eisen stark macht und Muskeln gibt wie bei Popeye, ist zwar ein Mythos. US-Forscher haben jedoch herausgefunden, dass Spinat durchaus Substanzen enthält, die das Muskelwachstum beschleunigen, so ähnlich wie Doping – dafür müsste man aber pro Tag mehrere Kilo des Blattgemüses futtern.

Übrigens hat Popeye zumindest in seinen Anfangsjahren den Spinat gar nicht wegen des angeblich hohen Eisengehalts gegessen, sondern wegen des wertvollen Vitamins A, sagte er sogar selbst in einem Comicstrip. Dass der Spinat ihm nebenbei noch Superkräfte verlieh, gehört leider ins Reich der Märchen – wie auch allerlei anderes rund um Ernährung und den menschlichen Körper.

4. Spinat sollte man nie aufwärmen

Hartnäckig hält sich auch die Behauptung, dass man Spinat nicht noch einmal aufwärmen sollte. Tatsächlich enthält das Gemüse viel Nitrat, das sich unter Einwirkung von Bakterien in Nitrit umwandelt, einen giftigen Stoff, der krebserregend wirken kann. Heutzutage lässt sich diese Kettenreaktion jedoch dank Kühlschränken gut verhindern. Man sollte Spinatreste schnell auskühlen lassen und in einem verschlossenen Behälter im Kühlschrank aufbewahren. Dann lassen sie sich bedenkenlos wieder aufwärmen.

Also: Spinat essen – unbedingt, aber mit den richtigen Erwartungen.

Green-Power aus der Migros

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