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Besser nicht auf den Kompost

Warum wir Unkraut essen sollten

Schnell ausreissen? Lieber nicht: Unkraut enthält mehr Nährstoffe und Vitamine als manches Gemüse. Und für Insekten ist es sogar überlebenswichtig.

Text Anna Bürgin
Statt es auf den Kompost zu werfen, kann man manches Unkraut auch als Gericht auf den Teller geben.  (Bild: Getty Images)

Statt auf den Kompost zu werfen, kann man manches Unkraut auch als Gericht auf den Teller geben.  (Bild: Getty Images)

Brennnessel 

(Bild: iStockphoto)
(Bild: iStockphoto)

Vorkommen: Schattige oder halbschattige Plätze in Gärten und auf Wiesen

Nutzung: Die Brennnessel ist der Superfood schlechthin und deshalb auch die Heilpflanze des Jahres 2022. Die getrockneten Blätter und Wurzeln wirken als Tee entgiftend. Das hilft bei Harnwegserkrankungen, Rheuma, Arthrose oder Erkältung. Dank dem feinen Geschmack der Blätter ist sie aber auch im Kochtopf ein Hit: zum Beispiel als Suppe. 

Inhaltsstoffe: Eiweiss, Vitamine A und C, Eisen, Kalzium, Magnesium und Kalium. 

Ökologie: Brennnesseln sind für die Raupen etlicher Schmetterlingsarten die Nahrungsquelle schlechthin. Ohne sie könnten der Kleine Fuchs oder das Tagpfauenauge kaum überleben.

Besonderheit: Trocknet man die Blätter oder rollt sie mit dem Wallholz aus, brechen die kieselsäurehaltigen Brennhaare, sodass sie nicht mehr schmerzen.

Franzosenkraut 

(Bild: Alamy)
(Bild: Alamy)

Vorkommen: Feldränder, Gärten und Äcker 

Nutzung: Blätter, feine Stiele, Blüten und Knospen haben einen sehr milden Geschmack, der sich in Salaten oder Wokgerichten gut macht. Ebenso ist das Kraut, gekocht verzehrt, ein veritabler Spinatersatz.

Inhaltstoffe: Sehr viel Eisen, Eiweiss, Kalzium, Magnesium, Vitamin A und C.

Raue Gänsedistel 

(Bild: Keystone) 
(Bild: Keystone) 

Vorkommen: Schuttplätze, Gärten, Äcker 

Nutzung: Der Milchsaft im Stängel wird gegen Warzen eingesetzt. Für die Küche die Stängel auswaschen, weil der Saft bitter ist. Danach kann die gesamte Pflanze roh, zum Beispiel als Smoothie, oder mitsamt Wurzel gekocht verwendet werden. Die stachligen Blattränder entfernen.

Inhaltstoffe: Bitterstoffe, Taraxasterol, Eisen, Vitamin C, zahlreiche Mineralstoffe, wertvolle Öle.

Ökologie: Die Blüte ist Nahrungsquelle für zahlreiche Wildbienenarten.

Giersch 

(Bild: Keystone)
(Bild: Keystone)

Vorkommen: Im Halbschatten, in Gräben und an Bachrändern

Nutzung: Giersch ist sehr knackig und sowohl roh im Salat als auch gekocht als Ersatzspinat köstlich. Legt man ihn 36 Stunden lang in Süssmost ein, ergibt das einen erfrischenden Giersch-Most.

Inhaltsstoffe: Sehr viel Eiweiss, Vitamin C, Kalzium, Carotin, Magnesium, Eisen, Kupfer.

Ökologie: Viele Falter, etwa der Dukatenfalter oder der Kleine Eisvogel, nutzen den Giersch als Nektar- oder Raupenfutterpflanze. 

Achtung: Giftige Doppelgänger sind Schierling, Hundspetersilie und Hecken-Kälberkropf. Der Giersch unterscheidet sich von ihnen durch seinen angenehmen Petersilien-Geruch, den grünen, dreikantigen Stängel und die filigranen Wurzeln. 

Gundelrebe 

(Bild: Keystone)
(Bild: Keystone)

Vorkommen: Feuchte Wiesen, unter Hecken und Sträuchern

Nutzung: Der Tee ist gut bei Stirnhöhlenvereiterung, da er entzündungshemmend und schleimlösend ist. In der Küche ist die Pflanze durch den würzigen Geschmack in Suppen, Saucen und Salaten oder als Süssmost-Gewürz (siehe Giersch) köstlich.

Inhaltsstoffe: Vitamin C, Kalzium, Carotin, Magnesium, Eisen, Kupfer.

Ökologie: Die Gundelrebe dient vielen Schmetterlingen und Bienen als Futterpflanze.

Knoblauchsrauke 

(Bild: Keystone)
(Bild: Keystone)

Vorkommen: Halbschatten, oft Seite an Seite mit der Brennnessel

Nutzung: Die Inhaltsstoffe wirken antibakteriell, entzündungshemmend und verdauungsfördernd. Auch wenn sie etwas milder ist als Bärlauch, kann die Knoblauchsrauke gleich verwendet werden. Beim Kochen verliert sie ihre Schärfe. Alle Teile sind essbar, inklusive der Wurzel vor der Blütezeit.

Inhaltsstoffe: Senfölglykoside, Knoblauchöl

Ökologie: Die Knoblauchrauke ist als Futterpflanze für einige seltene Tag- und Nachtfalter wichtig. 

Echte Nelkenwurz 

(Bild: Keystone)
(Bild: Keystone)

Vorkommen:  Halbschatten, oft neben Knoblauchsrauke, Gundelrebe oder Brennessel

Nutzung: Als Tee zum Gurgeln bei Hals- und Zahnfleischentzündungen. Die Wurzeln waschen, trocknen und zu Pulver mahlen. Dieses eignet sich zum Beispiel zum Würzen von Rotkraut oder Glühwein. Im Frühling peppen die jungen Blätter Gemüsegerichte und Salate auf.

Inhaltsstoffe: Eugenol

Ökologie: Die Pflanze dient den Raupen von Faltern wie Dunkler Waldschatteneule oder Vierbinden-Blattspanner als Futterpflanze.

Die Expertin

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Simone Michel Hamdeen ist Umwelt-Naturwissenschaftlerin. Sie arbeitet als Naturpädagogin für den Verein Rucksackschule und lebt in Uster, mit viel Unkraut im Garten. 

www.rucksackschule.ch

Tipp

Wo die «Unkräuter» aus Platzmangel dennoch weichen müssen, werden sie dann gejätet, wenn die Wurzeln noch klein sind. Das reduziert den Arbeitsaufwand. Die ausgerissenen Kräuter dienen auf dem Gartenbeet deponiert als Mulch, der den Boden feucht hält. 

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