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SwissSkills

Sie wollen zuoberst aufs Podest

Im September messen sich in Bern 1150 Lernende an den Schweizer Berufsmeisterschaften. Auch Noémie Grunder und Lenny Angst treten bei den SwissSkills an – beide haben in den letzten Wochen eifrig trainiert. 

Text Ralf Kaminski
Fotos Roger Hofstetter
Lenny Angst ist mit seinem Laptop zu Besuch bei Noémie Grunder im ActivFitness Archhöfe in Winterthur.

Lenny Angst ist mit seinem Laptop zu Besuch bei Noémie Grunder im ActivFitness Archhöfe in Winterthur.

Das wäre doch was für dich, fanden Noémie Grunders Kolleginnen und Kollegen in der Berufsschule, als ihnen Anfang Jahr der Berufswettbewerb SwissSkills vorgestellt wurde. Ziemlich ähnlich klang es in Lenny Angsts Klasse. Am Ende mussten beide nicht gross überredet werden: Sie sind ehrgeizig und treten an, um zu gewinnen.

Noémie (18) ist bei ActivFitness in Winterthur im zweiten Ausbildungsjahr zur Fachfrau Bewegung und Gesundheitsförderung EFZ, Lenny (17) im zweiten Ausbildungsjahr zum Informatiker Applikationsentwicklung EFZ beim Migros-Genossenschaftsbund (MGB) in Zürich. Für sein Fachgebiet Web Technologies wurden im Frühling regionale Ausscheidungen an verschiedenen Orten durchgeführt.

«Ehrlich gesagt habe ich mich nicht gross vorbereitet, ich wollte einfach mal sehen, wie gut ich mithalten kann», erzählt Lenny. Er wurde prompt Zürcher Regionalmeister und ist nun einer von 25, die an den SwissSkills gegeneinander antreten. Er erhofft sich vor allem ein paar interessante Erfahrungen. «Es ist schliesslich meine erste Schweizer Meisterschaft.»

Für Noémies Sparte fand die landesweite Vorausscheidung im März in Neuenburg statt; aus der Deutschschweiz konnten sich zwölf für die SwissSkills qualifizieren – sie ist eine von ihnen. «Ich liebe das Fachgebiet und möchte weiterkommen, da ist so ein Wettbewerb eine tolle Erfahrung», erklärt sie ihre Motivation. Nur schon die Tipps der Experten im Qualifikationsverfahren seien wertvoll gewesen.

Teamarbeit und Konkurrenz

Ausserdem möchte Noémi ihren Beruf bekannter machen. «Viele denken, Fitnesstrainer müssten nichts wissen und können, dabei ist der Job vielfältig, anspruchsvoll und spannend.» Gerade in der Sek hätten viele nicht auf dem Radar, «dass er eine gute Option für sportliche Leute ist, die so wie ich in Mathe und Französisch nicht die Stärksten sind».

Beide wissen ungefähr, was sie in Bern erwartet. «Es kann aber auch Überraschungen geben», sagt Lenny, «dann brauchts Improvisation.» Er wird einen Tag lang unterschiedliche Aufgaben am Computer lösen müssen, unter Zeitdruck. «Es werden mehr sein, als man in der Zeit schaffen kann.» Gefragt sind dabei diverse Programmiersprachen zur Gestaltung von Webseiten oder fürs Programmieren von Servern, etwa JavaScript oder HTML.

Noémie Grunder muss an den SwissSkills demonstrieren, dass sie ihr Fachwissen auch anwenden kann.

Noémie Grunder muss an den SwissSkills demonstrieren, dass sie ihr Fachwissen auch anwenden kann.

Während Lenny allein für sich am Computer arbeiten wird, erwartet Noémie ein Mix aus Theorie und Praxis. «Ich muss zeigen, dass ich das Fachwissen kenne und anwenden kann, etwa in der Ernährungs- und Lebensstilberatung.» Dazu gehört auch die konkrete Planung eines Fitnessprogramms sowie Menschen für Übungen an den Geräten zu instruieren.

Alle Teilnehmenden müssen deshalb auch Freiwillige an die SwissSkills mitbringen, die sich im Wettbewerb als Kundschaft zur Verfügung stellen. «Man bekommt dann einen Menschen zugeteilt, den man nicht kennt, der so tut als habe er Knieprobleme oder einen Bandscheibenvorfall, und muss ihn entsprechend beraten.» Noémie hat drei Leute, die sie begleiten werden, zwei aus ihrer Klasse sowie ihren Chef bei ActivFitness Archhöfe in Winterthur.

SwissSkills 2022

Die Schweizer Berufsmeisterschaften vom 7. bis 11. September in Bern finden dieses Jahr zum dritten Mal statt. Mit 150 Berufen werden 2022 so viele präsentiert wie noch nie. Die 1150 besten jungen Berufsleute des Landes – darunter fünf aus der Migros-Gruppe – stehen an fünf Tagen live im Einsatz und geben einen Einblick in die enorme Vielfalt der Schweizer Lehrberufe. Die meisten können Besucherinnen und Besucher sogar selbst ausprobieren.

Sie werde vom Team überhaupt grossartig unterstützt, sagt Noémie. «Sie üben mit mir, wann immer wir gerade Zeit haben – etwa, wenn kurzfristig ein Trainingstermin abgesagt wird.» Zudem haben sich alle Kandidatinnen und Kandidaten in mehreren Trainingscamps gemeinsam vorbereitet. «Und zwar sehr kollegial, obwohl wir am Wettbewerb dann Konkurrentinnen sind. Ich liebe diesen Teamgeist sehr.» Noémie übt jede Woche mehrere Stunden, mit einem gewissen Fokus aufs Testing. «Dabei analysiert man zum Beispiel Ausdauer und Kraft oder Muskel- und Fettanteil der Leute – da wir das in unserem Studio nicht selbst machen, braucht es hier einen Zusatzeffort.» 

Lenny Angst hat eine Chance, an den WorldSkills2024 teilzunehmen, falls er bei den SwissSkills gut abschneidet.

Lenny Angst hat eine Chance, an den WorldSkills2024 teilzunehmen, falls er bei den SwissSkills gut abschneidet.

Lenny muss vor allem sein Tempo trainieren. «Je schneller ich bin, desto mehr Aufgaben kann ich angehen.» Er übt in der Regel allein, mit Aufgaben aus früheren Wettbewerben. Aber es gab auch ein paar gemeinsame Vorbereitungstage. «Ich kannte dabei ursprünglich niemanden, aber der Austausch mit den anderen war hilfreich.» Auch die Arbeit in seinem MGB-Alltag sei zur Vorbereitung durchaus nützlich.

Bei der Migros bleiben

Bei einem Sieg winkt Lenny die Teilnahme an den WorldSkills 2024 in Lyon. «Das wäre natürlich grossartig. Und sonst kann ich es nächstes Jahr nochmals versuchen.» Für Noémies Beruf hingegen gibt es keinen internationalen Wettbewerb. «Schweizer Meisterin ist das höchste, was ich erreichen kann. Aber ich gönne den Sieg also auch jemand anderem aus unserem Team – es ist eine tolle, engagierte Gruppe.»  An den WorldSkills werden Wettkämpfe in nur 61 Berufen ausgetragen, deutlich weniger als hierzulande. Aber auch in der Schweiz ist Noémies Beruf dieses Jahr erst zum zweiten Mal im Einsatz.

Nach der Lehre will sie noch die Berufsmatura machen; Lenny ist schon jetzt in der Berufsmittelschule und möchte später an eine Fachhochschule weiter. In welche Richtung sie sich schliesslich spezialisieren, ist bei beiden noch offen. Aber sie hoffen, nach der Ausbildung bei der Migros weiterarbeiten zu können. «Wir fühlen uns sehr wohl hier.»

Berufsbildung bei der Migros

Jedes Jahr bietet die Migros-Gruppe rund 1500 Lehrstellen in über 60 verschiedenen Berufen an. Auf die Lernenden wartet eine spannende Lehrzeit mit attraktiven Zukunftsperspektiven. Alle Informationen dazu gibt es hier: migros-gruppe.jobs

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