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Zurück zum Mond

Die Schweiz im Weltall

Diese Woche soll die Artemis zum Mond fliegen. Mit an Bord ist auch Schweizer Technologie – nicht zum ersten Mal. Was hiesige Unternehmen, Forscher und Pioniere seit der Mondlandung 1969 alles beigesteuert haben.

Text Ralf Kaminski
Die Artemis auf ihrem Startplatz im Kennedy Space Center in Florida. (Bild: Getty Images)

Die Artemis auf ihrem Startplatz im Kennedy Space Center in Florida. (Bild: Getty Images)

2022

Das Zürcher Unternehmen Beyond Gravity liefert bei der Artemis-Mission wichtige Teile – unter anderem steuern sie die Sonnensegel der Raumkapsel und die Netzwerkelektronik für die geplante Raumstation NASA Gateway. Beyond Gravity ist die Raumfahrt-Division des Technologiekonzerns Ruag. Sie ist eine von gut 50 Schweizer Firmen, die  mit ihrer Spitzentechnologie im Weltall aktiv sind.  

1969

Eine Omega Speedmaster Professional war bei der Mondlandung von Apollo 11 am 20. Juli 1969 die erste Armbanduhr auf dem Mond, getragen von Astronaut Buzz Aldrin.

Noch vor der amerikanischen Flagge steckte Buzz Aldrin ein in der Schweiz entwickeltes Sonnenwindsegel in den sandigen Boden – das allererste Experiment auf dem Mond. Dahinter stand das Team von Johannes Geiss, dem damaligen Leiter des Physikalischen Instituts der Universität Bern.

Buzz Aldrin mit dem Schweizer Sonnensegel bei der ersten Mondlandung 1969. (Bild Getty Images)

Buzz Aldrin mit dem Schweizer Sonnensegel bei der ersten Mondlandung 1969. (Bild Getty Images)

Auch wurde bei der Mondmission mehrfach Velcro-Klettband verwendet, um Dinge aller Art zu befestigen – eine Erfindung aus Aubonne VD. Und getrunken wurde unter anderem Nescafé Gold von Nestlé.

Schon vor der ersten Mondlandung wurden mögliche Landeplätze erkundet. Die Astronauten der Apollo 10 filmten im Mai 1969 die Mondoberfläche mit einer Farbfilmkamera, die mit Objektiven der ehemaligen Firma Kern & Co. in Aarau bestückt war.

Artemis-Mission

Ziel des Artemis-Programms der NASA ist es, erstmals seit 1972 wieder Menschen auf den Mond zu bringen. Nachdem erste Startversuche Anfang September aus technischen Gründen abgebrochen werden mussten, folgt der nächste Anlauf am 27. September, mit einer Alternativoption am 2. Oktober.

Die erste Mission ist noch unbemannt, umrundet den Mond nur und dauert 38 Tage. Wenn alles wie geplant läuft, soll frühestens 2025 eine Mission mit einer Crew an Bord folgen, die auf dem Mond landet – darunter erstmals eine Frau und eine nicht-weisse Person. 

1986

Die Europäischen Weltraumorganisation ESA – die Schweiz zählte 1975 zu den Gründungsländern – flog bei ihrer ersten Mission 1986 so nah wie möglich am Komet Halley vorbei – an Bord war auch ein Spektrometer der Universität Bern, das Kometenstaub und -gase mass.

1992

Astronaut Claude Nicollier (78) war von 1992 bis 1999 viermal im All – als bisher einziger Schweizer. Bei seinem ersten Flug an Bord des Space Shuttle Atlantis entstand Adolf Ogis legendäres Bonmot «Freude herrscht, Monsieur Nicollier»; 1999 half Nicollier an Bord der Discovery, das Weltraumteleskop Hubble zu reparieren.

Bundesrat Adolf Ogi gratuliert Astronaut Claude Nicollier, dem ersten Schweizer im All. (Video: SRF)

1995

Der Genfer Astrophysiker Michel Mayor (80) hat 1995 mit seinem Team den ersten Exoplaneten entdeckt – also einen Planeten, der um einen anderen Stern kreist. 2019 erhielt er dafür den Nobelpreis für Physik, gemeinsam mit seinem Kollegen Didier Queloz (56).

2016

Seit 2016 verantwortet ein Schweizer das milliardenschwere Raumforschungsprogramm der USA. Der Astrophysiker Thomas Zurbuchen (53) ist Wissenschaftsdirektor der NASA – und ursprünglich in einer Freikirchenfamilie in Heiligenschwendi BE aufgewachsen. Ende Jahr tritt er von seinem Posten zurück.

2009

Rund 200 Studierende der EPFL und von Fachhochschulen entwickelten den Swisscube, einen Satellit, der vollständig in der Schweiz hergestellt und 2009 ins All gebracht wurde, um das Nachthimmelsleuchten zu beobachten. Ein weiterer Schweizer Satellit des EPFL-Startups ClearSpace soll in einigen Jahren starten, um Weltraummüll einzusammeln.

Der Mars-Helikopter Ingenuity wird von einem Motor aus der Schweiz angetrieben (Bild: Gregg Newton/AFP via Getty Images)

Der Mars-Helikopter Ingenuity wird von einem Motor aus der Schweiz angetrieben (Bild: Gregg Newton/AFP via Getty Images)

2021

Maxon Motor AG aus Sachseln OW lieferte der NASA die Motoren für ihre Mars-Roboter Opportunity und Perseverance sowie ihren Mars-Helikopter Ingenuity – auch dank ihnen gelang 2021 der erste extraterrestrische Helikopterflug.

2022

Der ETH-Astrophysiker Adrian Glauser (44) hat das James-Webb-Teleskop mitentwickelt, das seit Januar diesen Jahres im Orbit ist und noch klarere Bilder aus den Tiefen des Alls liefert als sein Vorgänger Hubble. Konkret arbeiteten Glauser und sein Team an Verkabelungen sowie einer Verschlussklappe, die eines der wissenschaftlichen Instrumente am Teleskop vor Verschmutzungen schützen soll.

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