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11 Fakten

Die spinnen, die Spinnen 

Viele Menschen haben Angst vor Spinnen. Aber im Grunde sind es hochinteressante Tiere mit einem hochkomplizierten Sexualleben. Elf erstaunliche Spinnenfakten.

Text Simon Köchlin
Die meisten Spitzen besitzen acht Augen, mit denen sie sogar sehen können, was hinter ihrem Rücken passiert. (Bild: Getty Images)

Die meisten Spinnen besitzen acht Augen, mit denen sie sogar sehen können, was hinter ihrem Rücken passiert. (Bild: Getty Images)

8 Augen

Der Sehsinn ist für die meisten Spinnen weniger wichtig als der Tastsinn. Trotzdem: Die meisten von ihnen besitzen acht Augen, mit denen sie sogar sehen können, was hinter ihrem Rücken passiert. Zudem nehmen Spinnenaugen sogenanntes polarisiertes Licht wahr. Dadurch «sehen» Spinnen den Stand der Sonne auch durch Wolken – und wissen dadurch stets, wo sie sich gerade befinden.

Penisse am Tasthandschuh

Vor ihren vier Beinpaaren tragen Spinnen zwei kleinere Fortsätze. Damit ertasten sie ihre Umgebung oder ihre Beute. Männchen haben den vordersten Teil dieser Taster in ein Begattungsorgan umgewandelt. Das Sperma jedoch produzieren sie im Hinterleib: Vor einer Kopulation spinnen sie deshalb ein kleines Netz und reiben ihre Geschlechtsöffnung, bis ein Spermatropfen darauf fällt. Vom Netz nehmen sie das Sperma mit dem Taster auf, wie mit einer Spritze – und sind so bereit für den Liebesakt.

Lebensgefährliche Sexpraktiken

Für Spinnenmännchen ist Sex nicht nur kompliziert, sondern oft sogar lebensgefährlich: Bei einigen Arten frisst das Weibchen seinen Partner bei der Paarung, wenn er nicht aufpasst. Um von sich abzulenken, bringen Listspinnen-Männchen ihrer Favoritin ein Beutetier, das sie in Seide gepackt haben, als Geschenk mit. Je länger die Spinnendame mit Auspacken und Fressen beschäftigt ist, desto länger dauert die Kopulation.

Sinneshärchen als Sensoren

Neben den Hafthaaren verfügen Spinnen auch über Sinneshärchen, die verschiedene Reize aus der Umwelt aufnehmen. Äusserst wichtig sind die Tasthärchen. Mit ihnen erkennen Radnetzspinnen, ob ein Beutetier im Netz zappelt. Andere Härchen nehmen die Bewegungen von Luftteilchen wahr. Damit schätzt die Spinne ab, ob eine Fliege heranfliegt – oder ob es sich bloss um einen Luftstoss handelt.

An die Decke geklebt

Manche Spinnen bauen kein Netz und lauern darin auf Beute, sondern jagen laufend und rennend. Das tun sie selbst an der Decke, ohne herunterzufallen. Möglich machen das Hafthaare an den Enden ihrer Beine, deren feine Fortsätze mit verbreiterten Endfüsschen ausgestattet sind. Damit haftet die Spinne so stark an der Oberfläche, dass sie ein Vielfaches ihres eigenen Gewichts tragen könnte.

Gift nach Mass

Wurdest du mal von einer Spinne gebissen?

Alle Spinnen töten ihre Beute, vor allem Insekten, mit komplexen Giftcocktails. Für Säugetiere wie uns Menschen sind Spinnengifte meist ungefährlich. Die Mehrheit der europäischen Spinnen ist ohnehin so klein, dass ihre Giftklauen nicht durch die menschliche Haut dringen. Spinnenbisse sind denn auch selten: Für eine Studie meldeten Schweizer Ärzte und Ärztinnen innert zweier Jahre 14 Bisse, allesamt harmlos.

Fit im Winter

Oft heisst es, Spinnen kämen im Herbst ins Haus, um zu überwintern. Das stimmt nicht. Die Spinnen, die wir im Haus sehen, leben das ganze Jahr dort. Für Spinnen aus dem Garten ist es drinnen zu warm und zu trocken. Jede zehnte hiesige Spinnenart hat sich derart an die Kälte angepasst, dass sie nur im Winter aktiv ist –den Sommer überdauert sie im Ei oder Jungtierstadium.

Seide in allen Formen

Spinnen setzen Seide für diverse Zwecke ein. Sie schützen ihre Eier mit einem Seidenkokon. Sie verhindern mit einem Sicherheitsfaden aus Seide einen Sturz aus grosser Höhe. Oder sie bauen ihre Wohnröhre oder ihr Netz damit. Ein Spinnennetz besteht aus verschiedenen Seidensorten. Manche Fäden sind sehr dehnbar, damit sie nicht reissen, wenn ein Insekt hineinfliegt. Andere sind sehr stabil, sie halten die Netzkonstruktion.

Neue Beine

Weil der Vorderkörper der Spinnen von einem starren Aussenskelett umgeben ist, müssen sich heranwachsende Tiere von Zeit zu Zeit häuten. Die Häutung dient aber nicht nur der Vergrösserung des Schutzpanzers. Sie ist auch ein Jungbrunnen: Bei diesem Vorgang wachsen Beine nach, die die Spinne zum Beispiel bei einem Kampf verloren hat.

Flug ins Irgendwo

Manche Spinnen können fliegen – dank eines cleveren Tricks: Sie klettern an einen erhöhten Ort. Dort spinnen sie einen langen Seidenfaden und lassen sich mit seiner Hilfe vom Wind davontragen. Man nennt dieses Phänomen «Ballooning». Möglich macht den Auftrieb offenbar nicht nur der Wind: Der Seidenfaden ist elektromagnetisch geladen und wird durch das elektrostatische Feld der Erde in die Höhe gedrückt.

1000 Spinnen auf 1m2

Die Welt ist voller Spinnen – überall, wo es Insekten gibt, stellen sie ihnen nach. In der Schweiz leben über 1000 Spinnenarten. Manche sind gefährdet, andere häufig – insgesamt aber bevölkern sie unser Land in eindrücklichen Individuenzahlen: Auf einem Quadratmeter Boden finden sich ungefähr 100 Spinnen. Auf einer Magerwiese können es – mitsamt der Jungtiere – sogar bis zu 1000 Exemplare sein. Selten sind Spinnen dort, wo der Mensch zu stark aufgeräumt oder sie mit Pestiziden vergiftet hat.

Buchtipp

341192

Wolfgang Nentwig, Jutta Ansorg, Angelo Bolzern: «Spinnen – alles, was man wissen muss», Springer, 2022, für Fr.30.70 bei exlibris.ch

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