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Das sagen Menschen in der Bevölkerung

Glauben Sie an Gott?

Ein Drittel der Schweizer Bevölkerung ist atheistisch. Warum glauben immer weniger Menschen an Gott? Und warum glauben trotzdem noch 70 Prozent an eine höhere Macht? Das Migros-Magazin hat nachgefragt.

Text Dario Aeberli
Fotos Nik Hunger
Die Anzahl Gläubiger nimmt in der Schweiz seit Jahren ab. Gut 30 Prozent bezeichnen sich heute als konfessionslos. (Bild: Keystone)

Die Anzahl Gläubignr nimmt in der Schweiz seit Jahren ab. Gut 30 Prozent bezeichnen sich heute als konfessionslos. (Bild: Keystone)

Monica Schönbucher, 46, im Kloster St. Gallen

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JA. «Der Glaube an Gott gibt mir Halt, wenn es im Leben schwierig wird. Wenn ich sehe, wie auf der Welt unschuldige Kinder leiden, denke ich im ersten Moment: Wo ist Gott? Doch im zweiten Moment fange ich trotzdem an zu beten. Dann kann ich wenigstens etwas tun und bin nicht komplett machtlos.»

Rebecca Höhener, 36, Künstlerin

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JEIN. «Von Religionen halte ich nicht viel. Vor allem wenn sie Machtansprüche erheben oder als Rechtfertigung für schlimme Taten gebraucht werden. Ich glaube aber an grössere Zusammenhänge, Energien, dass es etwas Grösseres gibt als uns Menschen. Ich glaube, es tut uns gut, wenn wir nicht glauben, die Grössten zu sein.»

Margaritha Maschek, 79

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JA. «Früher dachte ich, dass Gott auf einer Wolke lebt. Heute weiss ich, dass Gott in allem steckt. Ich glaube auch an Schutzengel. Mehr als einmal hat mich irgendetwas gerade noch rechtzeitig hochschrecken lassen, wenn ich ohne nachzudenken über eine Strasse gelaufen bin.»

Efrem Frezghi, 32, Wil SG

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JA. «Ich habe alles was ich weiss in der Kirche gelernt. Früher ging ich mit meinen Eltern in Eritrea regelmässig in den Gottesdienst, habe Klavier gespielt und gesungen. Heute habe ich keine Zeit mehr, jeden Sonntag in die Kirche zu gehen. Ich lese aber jeden Tag in der Bibel, bete und bedanke mich für alles, was ich habe.»

Mathias Gabathuler, 54, Stadtrat, FDP, St. Gallen

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JA. «Nicht alles, was auf dieser Welt passiert, lässt sich rational Erklären. Für mich füllt der Glauben diese Lücke. Im Gebet hole ich mir Stärke für bevorstehende Aufgaben.»

Anton Göldi, 79, St. Gallen

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NEIN. «Bis jetzt hat er mir noch nie ein Bier bezahlt. Stattdessen hat mir der Pfarrer früher die Ohren langgezogen, wenn ich dem Religionsunterricht ferngeblieben bin.»

Heidi Rauber Albisser, 63, Meistersrüte AR

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Glaubst du an Gott?

JA. «Ich glaube an Gott, aber ich bin nicht religiös. Ich trage den Glauben in meinem Herzen und habe ein tiefes Vertrauen in Gott. Er führt mich durchs Leben, er ist das Leben, gibt mir Kraft. Ich fühle mich von Gott getragen und gehalten.»

Silvia Speck, 47, Bäuerin

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JA. «Beim Gebet in der Kapelle kann ich meine Sorgen abladen und loswerden. An Fronleichnam gehe ich mit meiner Festtagstracht in die Kirche und fühle mich Gott so nochmals etwas näher. Während den Gottesdiensten ist mein Alltag auf dem Bauernhof weit weg. Ich kann in mich hineinhorchen und innehalten.» 

So gläubig ist die Schweiz

Seit fast 100 Jahren ist jede neue Generation leicht weniger gläubig als die vorhergehende. Es gibt die Vermutung, dass zwar die christliche Religiosität abnimmt, jedoch durch andere Arten von Spiritualität ersetzt wird. Sozialwissenschafter der Uni Lausanne haben dafür jedoch keine Beweise gefunden. 

1960 gab bloss 1 Prozent der Schweizer Bevölkerung an, keiner Religion anzugehören – 2020 waren es schon 31 Prozent.

1988 beteten noch 43 Prozent der Bevölkerung täglich – 2018 waren es noch 14 Prozent.

Elijah Hahn, 19, Mörschwil SG

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NEIN. «Meine Eltern haben mich nicht religiös erzogen und ich habe mich auch nicht damit auseinandergesetzt. Ich glaube an die Wissenschaft.»

Marie Vogt, 18, Bielefeld D

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NEIN. «Ich bin zwar getauft, aber meine Eltern haben es mir offen gelassen, ob ich einer Kirchgemeinde beitreten wollte. Ich solle meinen eigenen Weg finden. Ich habe aber nie eine Verbindung zur Religion gefunden.»

Ahmed Döner, 58, Basel

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JA. «Wir haben auf viele Dinge keine Antwort, aber an irgendetwas müssen wir ja glauben. Ich bin Moslem und  interessiere mich auch für alle anderen Religionen. Im Grunde geht es bei allen um Liebe, dass man gute Dinge tut. Ich finde es wichtig, dass wir nach unserem Tod Rechenschaft für unsere Taten ablegen müssen. Ich gehe diesem Tag mit relativ ruhigem Gewissen entgegen.»

Veronicah Schenker, 41

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NEIN. «Bis vor zwei Jahren war ich katholisch, seit dem bezeichne ich mich aber als Atheistin. Religion hat mein Leben weder verbessert noch verschlechtert. Ich habe aber entschieden, dass ich keinen Gott brauche, um ein guter Mensch zu sein.»

Patric Schlegel, 44, Arzt, Basel

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NEIN. Ich bin Atheist. Ich verstehe, dass sich die Menschheit früher nicht alles erklären konnte und darum einen Gott oder eine höhere Macht dafür verantwortlich gemacht hat. Aber heute sind wir dank der Wissenschaft so viel weiter, dass ich mich frage, warum es immernoch Menschen gibt, die an Gott glauben.

Mirjam Bollet, 18

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JEIN. «Ich glaube nicht an die Bibel. Dass jemand das Meer getrennt haben soll, finde ich recht unrealistisch. Ich glaube aber daran, dass es etwas grösseres gibt als uns Menschen. Ich wurde zwar gefirmt, aber seitdem war ich nie mehr in einer Kirche. Ich glaube an Karma. Wer Gutes tut, dem wird Gutes widerfahren und danach lebe ich.»

Emalschah Sayedi, 27, Appenzell

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JA. «Gott hat die Welt gebaut und uns erschaffen. Was nach dem Tod kommt, weiss nur Allah. Unser Leben ist ein Prüfung. Wir Menschen müssen uns gegenseitig helfen, so gut es geht und dann kommt alles gut.»

Monnaree Monpaneerong, 35, Appenzell

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JA. «Ich ging früher in eine katholische Schule. Einmal habe ich vor einer wichtigen Matheprüfung für eine gute Note gebetet und es hat geklappt! Heute sehe ich mich mehr als Buddhistin, wie meine Mutter.»

Merhavit Mokonen, 20

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JA. Ich bete jeden Tag. Der Glaube gibt mir Halt. Ich bete am Morgen und bedanke mich für die Nacht. Ich bete vor dem Essen und bedanke mich, dass ich nicht hungern muss. Ich bete vor dem zu Bett gehen und bitte um einen guten Schlaf. Als Kind musste ich häufig mit in die Kirche, heute weiss ich, dass Gott überall ist, auch bei mir daheim.

Gianfranco Ricci, 52

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JA. Ich bin kein Christ, aber ich glaube an eine Astralwelt und spreche zu einem Gott. Nach dem Tod ist für unseren Körper Schluss, aber unsere Seele wandert weiter, hat noch Dinge zu erledigen und wird hoffentlich irgendwann in einem anderen Körper wiedergeboren. Da glaube ich fest daran. Ich bin ehrenamtlicher Rettungsschwimmer und bitte Gott um die nötige Kraft, Menschen in Not aus dem Rhein retten zu können.

Ingo Beddin, 35, Arzt, Basel

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NEIN. «Meine Eltern kamen aus der DDR und haben mich dementsprechend atheistisch aufgezogen. Ich bin Mediziner und halte Religion für Humbug. Als Angehöriger der LGTBQ+ -Gemeinschaft finde ich die Haltung der Kirche schwierig.»

Carmela Calvauer Forte, 51

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JA. «In unserer wissenschaftlichen Welt getraue ich mich fast nicht zu sagen, dass ich an Gott glaube. Schliesslich ist er unsichtbar. Für mich ist Gott kein alter Mann mit Bart, der vom Himmel mahnend mit dem Zeigefinder wedelt. Für mich ist Gott ein Funke in uns, der uns antreibt und von Mensch zu Mensch springen kann.»

Annefrançoise Deporte, 60, Lille

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JA. «Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich so selten in die Kirche gehe – aber die Priester gestalten die Gottesdienste meistens auch furchtbar langweilig. Aber eigentlich finde ich finde ich gut, dass wir uns in der Kirche Hilfe holen können.»

Christine Gehrig, 65, Basel

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NEIN. «Ich glaube nicht an Gott, obwohl man gefühlt mein ganzes Leben lang versucht hat, mir den Glauben aufzudrängen. Ich musste in den Religionsunterricht, obwohl ich das nie wollte. Man las mir die Bibel vor und sagte, ich müsse daran glauben. Es gibt Leute, die terrorisieren ihre Mitmenschen die ganze Woche und gehen dann am Sonntag beichten. Davon halte ich nichts. Ich tue von Anfang an niemandem Unrecht, dann muss ich auch bei keinem Gott um Verzeihung bitten.

José Manuel, 55

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NEIN. «Religion ist eine Erfindung. Ich komme aus Mexiko-City und bin der einzige in meiner Familie, der nicht an Gott glaubt. Ich bin viel gereist, habe mit Menschen gesprochen und verschiedene Religionen kennen gelernt – aber keine hat für mich Sinn gemacht. Ich glaube an die Wissenschaft.»

Franz Wyrsch, 71

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NEIN.  «Wenn es einen Gott gäbe, würde er Dinge wie sie in der Ukraine passieren, nie geschehen lassen. Ich war früher katholisch, habe im Religionsunterricht aber auch hin und wieder eine Ohrfeige kassiert. Ausgetreten bin ich dann, als immer mehr Pädophilieskandale der Kirche ans Licht kamen.»

Cynthia Weber, 45

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NEIN. «Ich glaube, dass es Jesus gegeben hat, ich bin aber nicht gläubig. Ich vertraue eher auf die Wissenschaft. Ich habe sehr gläubige Freunde und sehe, welche Kraft ihnen der Glaube gibt. Bei mir hat es aber nie Klick gemacht. Bei meinem jüngsten Sohn wird das vielleicht anders sein. Er hat mir letzthin gesagt: ‹Mami, ich will in den Religionsunterricht.›»

Andreas Hofmann, 37

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JEIN. «Den wichtigsten Gedanken von Religionen finde ich, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht. Ich bin aber eher der schamanische Typ, ich glaube daran, dass man im Rausch mit gewissen Pflanzen in eine andere Dimension eintauchen kann.»

Mihaela Mitrova, 25

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JA. «Die Religion und gemeinsame Gottesdienste halten mich und meine Familie in Mazedonien zusammen. Die Religion setzt für mich die moralischen Grenzen in unserer Welt. Ich bin aber deutlich weniger religiös als meine Eltern und gehe nicht jeden Sonntag in die Kirche.»

Lazar Georgier Anolreev, 28

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JA. «Ich fahre für die Post mit dem LKW durch die Schweiz. Meine Schichten beginnen früh am Morgen. Immer bevor ich losfahre, bekreuzige ich mich und bete dafür, dass ich sicher am Ziel ankomme.»

Herta Eppler, 77

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JA. «Mit 6 Jahren hatte ich ein prägendes Erlebnis. Meine Eltern stritten sich sehr oft und heftig. Wir waren keine richtige Familie. Eines Tages traf ich einen Gläubigen und er sagte mir, dass Gott Gebete von Kindern besonders gut hört, weil er sie so liebt – auch mich. Ich betete für meine Eltern und tatsächlich herrschte danach eine Zeit lang eine bessere Atmosphäre bei uns zuhause. Später zerbrach die Beziehung doch noch. Das überstand ich, weil ich wusste, da ist jemand, der mich liebt, auch wenn es alle anderen nicht tun. Der Glaube gab mir Hoffnung und half mir durch schwere Zeiten. Heute habe ich drei Kinder und acht Enkel: Eine richtige Familie.»

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