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«Non»-Bier 

Wo das «Non» herkommt

Noch diese Woche kommt das «Non»-Bier in die Filialen. Ein Besuch bei der St. Galler Brauerei Schützengarten, wo das Migros-Bier hergestellt wird.

Text Angela Obrist
Fotos Anna Tina Eberhard
Auf dem Fliessband der Brauerei Schützengarten stehen fertig befüllte «Non»-Bierflaschen für das Verpacken bereit. 

Auf dem Fliessband der Brauerei Schützengarten stehen fertig befüllte «Non»-Bierflaschen für das Verpacken bereit. 

Hunderte leere Bierflaschen stehen auf dem Fliessband Schlange wie für eine Audienz. «Wir reinigen, füllen und verpacken 26’000 Flaschen pro Stunde», sagt Dominik Rohner. Der Leiter der Abfüllanlage der Brauerei Schützengarten blickt prüfend auf das Fliessband, das sich durch die Halle schlängelt. Die Maschinen brummen und rauschen. Dazu gesellt sich das feine Klirren der Flaschen, wenn sie eng beieinander eine Station weitergleiten. Ihr Ziel sind die 77 sogenannten Füllorgane, die vollautomatisch Bier abfüllen. Zwei, drei Kurven weiter sind etikettierte Flaschen unterwegs, am Fliessbandende ruckelt schon eine Palette mit vollen Bierkartons vorbei. An diesem lauen Septembertag verpackt Rohners Team das erste Migros-Bier der Geschichte, das alkoholfreie «Non». 

Demokratie zum Trinken

Namensgebend für das Bier ist das «Non» der Migros-Genossenschafterinnen und Genossenschafter: Sie konnten im Juni bei einer Urabstimmung darüber entscheiden, ob in den Filialen Alkohol angeboten werden soll. Eine Mehrheit sagte «Nein» und entschied so, dass das Alkoholverbot aus dem Jahr 1928 bestehen bleibt. Zu Ehren dieses demokratischen Entscheids kreierte die Migros mit der Brauerei Schützengarten ihr erstes eigenes Bier. Die alkoholfreie Neuheit wurde sehnsüchtig erwartet und es hat es jetzt eilig: Statt wie angekündigt 2023 ist sie schon seit Mitte Oktober in der Migros erhältlich. 

Da braut sich etwas zusammen

Aus Gerste, die zuvor gekeimt und getrocknet wurde, entsteht Malz. Drei Arten des Getreides kommen ins «Non»-Lagerbier.

Aus Gerste, die zuvor gekeimt und getrocknet wurde, entsteht Malz. Drei Arten des Getreides kommen ins «Non»-Lagerbier.

Auf dem Brauereigelände nahe der Sankt Galler Altstadt dreht sich schon einen Monat vor Verkaufsstart alles um «Non». Ein Mitarbeiter lagert palettenweise fertig verpacktes Migros-Bier ein. Im Sudhaus, dem feuchtwarmen Herzen der Brauerei, geht die Arbeit unermüdlich weiter. Hier produzieren die vier Braumeister und ihr 12-köpfiges Team alle Biere, auch das neue alkoholfreie Lagerbier. Es entsteht wie andere Biere mit traditioneller Braukunst aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser. Bei der Auswahl der Rohstoffe braucht es das Fingerspitzengefühl der Profis. Dominik Rohner: «Wir haben für die Migros ein individuelles Rezept kreiert. ‘Non’ besitzt einen ganz eigenen Charakter.» 

Gerstensaft aus dem Kloster

Die Gallusstadt und Schützengarten haben eine jahrhundertelange Brautradition. Hinter den Mauern des berühmten Klosters brauten die Mönche bereits im Mittelalter. Auf dem Bauplan für das Areal aus dem Jahr 825 sind drei Brauhäuser eingezeichnet. 1779 wurde in Gehdistanz zum Stiftsbezirk Schützengarten gegründet. Heute gilt das Unternehmen als die älteste, eigenständige Brauerei der Schweiz und beschäftigt über 220 Mitarbeitende. Produziert wird seit 1895 ausschliesslich mit Naturstrom aus dem eigenen Flusskraftwerk.

Frisch aus der Pfanne

Möchtest du das NON-Bier probieren?

Im ersten Stock über dem Sudhaus faucht und rattert eine gewaltige Mühle. Sie schrotet Unmengen von Malz, eine zuvor gekeimte und getrocknete Gerste. Drei Arten des Getreides kommen ins Migros-Getränk. «Dieser Mix beeinflusst das Aroma, die Farbe und sogar den Bierschaum», sagt der gelernte Brauer Rohner. Stehen die für einen Sud nötigen fünf Tonnen Malz bereit, fallen sie durch Rohre ins Sudhaus. In seinen vier Edelstahl-Pfannen und Bottichen, beginnt die Geschichte jedes einzelnen «Non»-Biers. Mit den Ungetümen, die je 35000 Liter fassen, kochen die Brauer die sogenannte Würze. «Sie ist die Grundlage des Biers und entscheidend für dessen Qualität», sagt Dominik Rohner. In der ersten Pfanne wird das Malz mit Wasser vermischt und erhitzt. Der Experte erklärt, so werde die Stärke zu Malzzucker umgewandelt, den es für die spätere Gärung brauche.

Jill Baumgartner, Lebensmitteltechnologe in Ausbildung, entnimmt zur Qualitätssicherung im Sudhaus eine Probe der Bierwürze.

Jill Baumgartner, Lebensmitteltechnologe in Ausbildung, entnimmt zur Qualitätssicherung im Sudhaus eine Probe der Bierwürze.

Nach zwei Stunden fliesst die Masse weiter, wird gesiebt und köchelt in der sogenannten Würzepfanne. Rohner deutet auf das beschlagene Sichtfenster: «Wie beim Kochen eines Eintopfs in der heimischen Küche verdunstet nach und nach Wasser und der Geschmack wird intensiver.» Dann kommt der Hopfen ins Spiel. Beim Migros-Bier sind es vier Sorten. Die Aromastoffe und Harze der Hopfenblüten, erklärt Rohner, sorgten für den typischen, leicht bitteren Biergeschmack. 

So wird es alkoholfrei 

Nach sechs Stunden Erhitzen, Filtern und Einkochen mag man es der Bierwürze gönnen, dass ihre nächste Station den Namen «Whirlpool» trägt. Entspannend ist diese aber wider Erwarten nicht. Die bis zu 90 Grad heisse Würze dreht sich im Gefäss rasant im Kreis. Ist sie endlich zur Ruhe gekommen, haben sich Eiweiss und Rückstände von Hopfen und Malz in der Pfannenmitte abgesetzt. Die nun klare Bierwürze wandert weiter und wird nur noch abgekühlt. Dabei erwärmt sie im Austausch das Heisswasser für das gesamte Brauareal.

Eine flinke Maschine verpackt die gefüllten und etikettierten Flaschen «Non» in Sechserpackungen.

Eine flinke Maschine verpackt die gefüllten und etikettierten Flaschen «Non» in Sechserpackungen.

Die Würze ist nun bereit für ihr Zusammentreffen mit der Brauhefe. Das Duo kommt in mächtige Edelstahl-Lagertanks, die von aussen leider uneinsehbar sind. Was hinter der glänzenden Aussenhülle wohl vorgeht? «Die Hefe reagiert auf die Würze und wandelt den Malzzucker in Alkohol und Kohlensäure um. Es gärt also», sagt der Experte. Ein reguläres Lagerbier erreicht so in einer Woche einen Alkoholgehalt von ungefähr 5 Volumenprozent. Wie ist es beim Alkoholfreien? «Beim Migros-Bier lassen wir die Hefe nur kurze Zeit arbeiten und stoppen die Gärung dann.» So liegt der Alkoholgehalt unter 0,5 Volumenprozent, der gesetzlichen Grenze für alkoholfreie Getränke.  

Das Lager der Brauerei Schützengarten füllt sich mehr und mehr mit Paletten voller «Non»-Bierkartons.

Das Lager der Brauerei Schützengarten füllt sich mehr und mehr mit Paletten voller «Non»-Bierkartons.

Wenig später steht «Non» vor uns in einem Kelch auf dem Tisch: ein leuchtend hellgelbes Bier, in dem kleine Bläschen aufsteigen. Es schmeckt erfrischend, aromatisch und prickelnd, wie man es von einem guten Lagerbier kennt. Übrigens: Weil die Neuheit früher als ursprünglich geplant in die Filialen kommt, trägt die erste Charge statt des braunen Kronkorkens aus der Werbung einen rosafarbenen. Wessen Migros-Bier rosa gekrönt ist, kann also stolz mit einer der ersten Flaschen «Non» anstossen. Zum Wohl, auf die Mitbestimmung!

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