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Goals und Pokale

Was du über die Fussball-WM alles wissen solltest

Sie wurde verschoben, verteufelt und teuer bezahlt: Am Sonntag startet die Fussball-WM in Katar. Was du darüber wissen musst.

Text Dario Aeberli
Einer von acht Austragungsorten: Das Khalifa International Stadium in Doha fasst 40 000 Zuschauer. (Bild: Getty Images)

Einer von acht Austragungsorten: Das Khalifa International Stadium in Doha fasst 40 000 Zuschauer. (Bild: Getty Images)

Die erste WM

Die erste Fussball-WM fand 1930 in Uruguay statt. Aus Europa nahmen nur vier Mannschaften (Frankreich, Belgien, ­Rumänien und Jugosla­wien) teil, denn die Anreise mit dem Schiff dauerte drei Wochen. Das erste Spiel wurde am 13. Juli bei Schneegestöber vor nur 4444 Zuschauern angepfiffen. ­Damit die Mannschaften nach der langen Anreise nicht nach nur einem Spiel wieder heimreisen mussten, entschied man sich, drei Gruppenspiele durchzuführen. Das Turnier gewonnen hat Uruguay.

Dänischer Protest

Dänemark wird an der WM mit einfarbigen Trikots auflaufen, auf denen die Logos von Verband und Ausrüster am TV nicht erkennbar sein werden. Der Trikothersteller Hummel will damit gegen die Menschenrechtslage in Katar protestieren. Allerdings stattete Hummel bis vor Kurzem selbst noch ­katarische Sportclubs aus.

Der berühmteste Penalty

Giuseppe Meazza (l.), hier beim Handshake mit Ungarns ­György Sárosi, Paris, 1938 (Bild: Keystone/Getty Images)

Giuseppe Meazza (l.), hier beim Handshake mit Ungarns ­György Sárosi, Paris, 1938 (Bild: Keystone/Getty Images)

Giuseppe Meazza hat 1938 einen der berühmtesten Elfmeter der Geschichte verwandelt. Weil das Gummiband in seiner Hose gerissen war, rutschte sie ihm beim Anlauf runter. Der brasilianische Torhüter, normalerweise ein Penaltykiller, kriegte sich vor Lachen nicht mehr ein und konnte den Schuss des Italieners nicht parieren.

Der Älteste und der Jüngste

Der ägyptische Torhüter El Hadary war mit 45 Jahren der älteste je an einer WM eingesetzte Spieler. Der jüngste war der Nordire Norman Whiteside mit 17 Jahren und 40 Tagen.

Die erste «muslimische» WM

Die Fussball-WM in Katar wird die erste in einem muslimischen Land sein. Sie dauert 28 Tage und ist damit kürzer als die zehn Turniere seit 1982. Der Final findet am katarischen ­Nationalfeiertag, am 18. Dezember, statt.

(Bild: Migusto)

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Zu den Rezepten

Er bleibt, bis die Nati ausscheidet

Michaël Duc (31), Nati-Fan. Hier auf der Frontseite des Migros-Magazins anlässlich der Europameisterschaft 2021.

Michaël Duc (31), Nati-Fan. Hier auf der Frontseite des Migros-Magazins anlässlich der Europameisterschaft 2021.

«Die Schweiz wird Weltmeister, und ich bleibe bis zum Finale am 18. Dezember in Katar! Im Ernst: Ich bleibe, bis die Nati ausscheidet. Am 22. November reise ich, zwei Tage vor dem ersten Schweiz-Spiel, nach Doha. Ich habe Tickets für alle Nati-Spiele plus je eins für die Partien Katar – Holland und Kroatien – Belgien. Vielleicht besuche ich noch weitere Spiele, die Stadien sind von Doha aus nie weiter als 60 Kilometer entfernt.»

200'000

Zuschauerrekord. Knapp 200'000 Menschen sahen sich im WM-Final 1950 die Partie Uruguay – Brasilien an. Das ist bis heute Zuschauerrekord. Brasilien verlor das Spiel im Stadion Maracanã 2:1 und erlitt ein kollektives Trauma. Noch heute wird das Wort «Maracanaço» als Synonym für eine unerwartete und endgültige Niederlage verwendet.

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Überraschende Urus

Dass Uruguay zwei WM-Titel hat, ­erstaunt heute. Das Land hat nur 3,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Doch Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Urus ­unschlagbar. Bevor 1930 die erste WM ausgetragen wurde, holte die Auswahl zweimal die Goldmedaille an Olympischen Spielen. Das lag an ihrem damals revolutionären Spielansatz: kurze, schnelle statt ­langer, hoher Pässe. Ausserdem gab es in Südamerika schon früh Profis.

Der Pokal in der Schuhschachtel

Während des Zweiten Weltkriegs fand keine WM statt. Weil Italien 1938 die letzte WM vor dem Krieg gewonnen hatte, blieb der Pokal zwölf Jahre im Besitz von Ottorino Barassi, dem Vize-Präsidenten des italienischen Fussballverbands. Aus Angst, die Trophäe könnte gestohlen werden, bewahrte er sie bei sich zu Hause in einer Schuhschachtel auf.

Messis letzte Chance

Lionel Messi dürfte das letzte Mal an einer WM jubeln. (Bild: Getty Images)

Lionel Messi dürfte das letzte Mal an einer WM jubeln. (Bild: Getty Images)

Katar dürfte Messis letzte WM sein. Der 35-Jährige hat in seiner Karriere alles gewonnen, ausser: die Weltmeisterschaft. Das haben ihm die grössten Legenden in diesem Sport voraus: Pelé wurde dreimal und Maradona einmal Weltmeister.

Das torreichste Spiel

Die Schweiz war am torreichsten Spiel der WM-Geschichte beteiligt. Sie verlor 1954 in Lausanne im Viertelfinal gegen Österreich 7:5.

Bekennt Brasilien Farbe?

Traditionell trägt die Seleção gelbe Leibchen und blaue Hosen – nur hat sich inzwischen der ultrarechte Ex-Präsident Jair Bolsonaro die Farbkombination zu eigen gemacht. Die Hallenfussball-Nati läuft deshalb neu in Blau auf. Ob es ihnen die Kollegen auf dem Rasen in Katar gleichtun werden, ist unklar. Superstar Neymar hatte sich vor den Präsidentschaftswahlen Ende Oktober für ­Bolsonaro starkgemacht.

Die Skyline von Doha, der Hauptstadt von Katar. (Bild: Getty Images)

Arbeitsbedingungen

Warum ist die WM in Katar so umstritten?

  • Als «modernen Sklavenhandel» beschrieben Menschenrechts organisationen die Arbeitsbedingungen in Katar: Die ­Arbeitgeber konnten die Pässe ihrer Angestellten einziehen und ihnen Ausreise oder Stellenwechsel verwehren. Arbeiter warteten Monate auf Lohn oder bekamen ihn gar nicht. Sich gewerkschaftlich zu organisieren, war verboten. Laut Statistikamt starben 15 021 Arbeiter zwischen 2010 und 2019.
  • 2010 sollten 24 Fifa-Wahlmänner über die Austragungs­orte der Turniere 2018 und 2022 entscheiden. Zwei aus Nigeria und Tahiti wurden schon im Vorfeld beim versuchten Stimmenverkauf erwischt und gesperrt. Von den verbliebenen 22 stimmten 14 für Katar, darunter zwei Südamerikaner, die bereits in anderen Fällen wegen ­Korruption verurteilt worden waren. Die Fifa und Katar ­bestreiten die Vorwürfe.
  • Im Juli herrschen auf der Arabischen Halbinsel 40 Grad. Um Spieler und Publikum vor Hitzschlägen zu schützen, wurden die Stadien als Freiluftklimaanlagen geplant. 2015 entschied die Fifa, das Turnier erstmals nicht im Sommer, sondern zwischen November und Dezember stattfinden zu lassen. Dann liegen die Tempe­raturen bei 25 Grad.
  • Im Gleichstellungsindex des World Economic Forum liegt Katar auf Rang 142 von 155 Staaten. Frauen brauchen die Erlaubnis ihres männlichen Vormunds, um zu heiraten, zu arbeiten oder zu reisen. Homosexuelle Handlungen können mit Gefängnis geahndet werden. In Sachen Pressefreiheit siehts nicht viel besser aus: Laut «Reporter ohne Grenzen» liegt Katar auf Rang 128 von 180 Ländern. Das Pressegesetz erlaubt die Vorabzensur von Medien. Verstösse gegen «soziale Normen» sind verboten, über Regierung, Königs­familie und Islam darf nur in engen Grenzen berichtet werden.
  • Für Fifa-Präsident Gianni Infantino ist die WM in Katar die «nachhaltigste aller Zeiten». Dabei finanziert sich das Emirat hauptsächlich durch den Verkauf von Erdgas und Öl. 2019 hatte Katar die schlechteste CO2-Bilanz der Welt.
  • Als Katar 2010 den Zuschlag für die WM erhielt, mussten sechs der acht WM-Stadien neu gebaut werden. Die zwei anderen wurden komplett renoviert, wie der Flughafen in Doha. Dazu kommt ein neues Metronetz, das alle Stadien verbindet. 220 Milliarden Dollar soll Katar laut Schätzungen für alles bezahlt haben. Zum Vergleich: Die bisher teuerste WM mit offiziell 11,6 Milliarden Dollar gabs 2018 in Russland.

Die erste Rote Karte

Die Gelben und Roten Karten gibt es im Fussball nur, weil ein argentinischer Spieler 1966 den Rasen nicht verlassen wollte. Bis ­dahin sprachen Schiedsrichter Platzverweise mündlich aus. Im Publikum und am TV bekam niemand mit, was der Schiedsrichter entschied. Der Argentinier tat zunächst, als verstehe er den Schiedsrichter nicht, und verliess erst nach neunminütiger Diskussion den Platz. Damit auch allen ausser Rufdistanz klar war, was entschieden wurde, führten die Schiedsrichter danach die Ampelkarten ein. Die erste Rote Karte der WM-Geschichte sieht der Chilene Carlos Caszely 1974 im ­Vorrundenspiel gegen Deutschland.

Nur ein Spiel

Indonesien ist das einzige Land, das nur ein WM-Spiel absolviert hat. Nach einer 0:6-Niederlage gegen Ungarn 1938 war das Turnier für sie zu Ende.

Die grössten Verlierer

Kein Team hat an Weltmeisterschaften häufiger verloren als Mexiko, nämlich 27 Mal. Die Mexikaner haben an 21 Endrunden ­teilgenommen und 57 Spiele absolviert. Die Schweiz ­verlor mit 17 Niederlagen in 37 Spielen fast gleich oft.

Katar

Staatsoberhaupt der absoluten Monarchie ist Emir Tamim bin Hamad Al Thani (42). (Bild: Getty Images)

Staatsoberhaupt der absoluten Monarchie ist Emir Tamim bin Hamad Al Thani (42). (Bild: Getty Images)

Katar ist ein Zwergstaat – so gross wie die Kantone Bern und Wallis zusammen. Gemessen am Einkommen pro Kopf (96 607 US-Dollar) ist es das dritt­reichste Land der Welt. Staatsoberhaupt der absoluten Monarchie ist Emir Tamim bin Hamad Al Thani (42). 1980 zählte das Land gerade mal 265 000 Einwohne­rinnen und Einwohner, heute knapp 2,9 Millionen.

So wird man nicht Weltmeister

Noch nie wurde eine Nationalmannschaft Weltmeister, die von einem aus­ländischen Trainer ­gecoacht wurde.

Gibt es Bier in Katar?

In der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken, ist in Katar verboten. Einige Hotelbars sind von der Regel jedoch ausgenommen. Ein halber ­Liter Bier kostet dort etwa 11 Franken. Zwei Monate vor der WM gab die Fifa bekannt, dass vor und nach den Spielen um die Stadien Bier ausgeschenkt werden darf – allerdings nur an Touristen. Während des Spiels gibt es im Stadion alkoholfreies. Zum Vergleich: An der WM 2010 in Südafrika wurden über 750'000 Liter Bier verkauft.

Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri machen den Doppeladler im Spiel gegen Serbien an der WM 2018 in Russland. (Bild: Keystone)

Droht die nächste Doppeladler-Affäre?

Përparim Avdili, freuen Sie sich auf das Spiel Schweiz  ­Serbien vom 2. Dezember?
Wir freuen uns auf jedes Spiel der Schweizer Nati und wünschen uns, dass sie es möglichst weit schaffen. Das Potenzial dazu hätten sie. 

Sie fürchten sich also nicht, dass es zur nächsten Doppel­adler-Affäre kommen könnte?
Nein, Fussball ist für uns eine schöne Leidenschaft und ein Ort, der Menschen verbindet. Das Spiel gegen Serbien sollte ­dabei nicht anders sein als jedes andere Gruppenspiel. Emotionen gehören selbstverständlich zum Fussball, und das soll auch so bleiben können – solange sie nicht in Gewalt oder Hass umschlagen.

Wie sollten wir alle damit umgehen, wenn Xhaka erneut den Doppeladler machen sollte?
Ganz normal, die Geste symbo­lisiert weder Gewalt noch Hass. Die Geste kam überhaupt vor allem aus der Popkultur von ­unterschiedlichsten albanischstämmigen Menschen weltweit. Sich darüber aufzuregen, ist völlig unnötig und masslos übertrieben.

Ihr Idealszenario für dieses Spiel?
Ein lockerer Sieg und 3 Punkte für die Schweiz.

Përparim Avdili ist Vorstands­mitglied des FC Kosova und FDP-Gemeinderat der Stadt Zürich.

Wird Argentinien Weltmeister?

Wenn es Argentinien schlecht geht, trumpft die Nationalmannschaft auf. Das war 1978 während der Militärdiktatur und 1986 während der Hyperinflation so, als Argentinien Fussballweltmeister wurde. Aktuell wird die Inflation im Land immer schlimmer.

Geklauter Pokal

David Corbett (links) hat den Check in den Händen, den er erhielt, weil der den geklauten Pokal gefunden hatte.  (Bild: Getty Images)

David Corbett (links) hat den Check in den Händen, den er erhielt, weil der den geklauten Pokal gefunden hatte.  (Bild: Getty Images)

Vor der WM 1966 in England wurde der damalige Siegerpokal, die Coupe Jules Rimet, in Westminster ausgestellt. Am zweiten Tag wurde sie gestohlen, und der Dieb for­derte 15'000 Pfund Lösegeld. Er ging der Polizei ins Netz, vom Pokal fehlte aber jede Spur – bis der vierjährige Collie-Mischling Pickles den Jules-Rimet-Pokal beim Gassi gehen in einem Park im Süden Londons entdeckte. Als sein Herrchen den Pokal bei der Polizei abgeben wollte, lachte man ihn aus. «Die Trophäe sieht nicht sehr weltmeisterlich aus, Junge», sagte man ihm. Am Ende bekam er einen Finderlohn von 6'000 Pfund, was heute rund 100'000 Franken entsprechen würde. Pickles wurde berühmt und trat regelmässig im TV auf. Die Trophäe gibt es heute dennoch nicht mehr: Nachdem Brasilien 1970 zum dritten Mal Weltmeister wurde, durfte es die Coupe Jules Rimet behalten. 1983 wurde der Pokal jedoch erneut gestohlen und gilt seither als verschollen. Sollte Brasilien in Katar zum sechsten Mal Weltmeister werden, dürften sie den Nachfolgerpokal behalten.

88 Prozent

Auf eine Frau kommen drei männliche Kataris. 88 Prozent der Bevölkerung sind ausländische Arbeitskräfte (vor allem Inder, Nepalesen und Bengalen).

Erfolgreiche Kontinente

Nur Nationen aus zwei Kon­tinenten wurden bisher Weltmeister: Europa (12) und Südamerika (9). Rekordweltmeister ist Brasilien (5), gefolgt von Italien und Deutschland (je 4), Argen­tinien, Frankreich und Uruguay (je 2). England und Spanien triumphierten je einmal.

Der Treffsicherste

Miroslav Klose hat an meisten getroffen. (Bild: Keystone)

Miroslav Klose hat an meisten getroffen. (Bild: Keystone)

Der Deutsche Miroslav Klose ist mit 16 Treffern bis heute WM-Rekordtorschütze.

Das Preisgeld

Das Weltmeisterteam erhält in Katar 42 Millionen Dollar Preisgeld. 2018 waren es noch 38 Millionen. Wer bereits in der Gruppenphase ausscheidet, bekommt neun Millionen.

Korrigendum: In einer früheren Version stand, dass Neuseeland die einzige ungeschlagene Mannschaft an Weltmeisterschaften ist. Das ist falsch. Neuseeland blieb an der WM 2010 zwar tatsächlich ungeschlagen – allerdings nahmen sie schon 1982 an einem Turnier teil. Dort verloren sie alle drei Gruppenspiele und schieden aus.

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