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Büroflächen umnutzen und Städte verdichten: So will die Schweiz wachsen
Die Debatte rund um das Wohnen ist in der Schweiz derzeit negativ geprägt, etwa von Dichtestress und Wohnungsnot. Verstärkt wird diese Wahrnehmung durch die Diskussionen um eine 10-Millionen-Schweiz. Eine neue repräsentative Bevölkerungsumfrage, die der Migros-Pionierfonds beim Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) in Auftrag gegeben hat, zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild: Die Schweizer Bevölkerung ist mehrheitlich mit der Wohnsituation zufrieden und durchaus bereit, sich auf Wachstum mit Verdichtung einzulassen.
Auf einen Blick
Hohe Wohnzufriedenheit: Drei von vier Menschen in der Schweiz sind mit ihrer aktuellen Wohnsituation zufrieden, trotz negativer öffentlicher Debatte.
Verdichtung ja, aber gezielt: Rund 80 % sehen Verdichtung als geeignete oder teilweise geeignete Massnahme, vor allem in Städten und nur bei sichtbarem Qualitätsgewinn.
Grünräume als Schlüssel zur Akzeptanz: Für rund die Hälfte der Befragten steigt die Zustimmung, wenn bauliche Dichte mit mehr Grünflächen, aufgewerteten Natur- und Freiräumen, besserer ÖV-Anbindung und nachhaltigem Bauen kombiniert wird.
Umnutzung überzeugt: Zwei Drittel befürworten die Umnutzung bestehender Gebäude; Neubauten auf bisher unbebautem Land finden deutlich weniger Zustimmung.
Drei von vier Menschen in der Schweiz sind mit ihrer aktuellen Wohnsituation zufrieden. Diese Zufriedenheit beruht vor allem auf ausreichend Platz zu Hause, sympathischen Nachbar*innen und der Möglichkeit, langfristig zu bleiben. Kurz: Die Menschen wünschen sich Stabilität, soziale Einbettung und genügend Raum in den eigenen vier Wänden. Faktoren wie ÖV-Anbindung, Steuerattraktivität oder die Organisationsform des Wohnens (z. B. Genossenschaften) spielen für die subjektive Wohnzufriedenheit hingegen eine deutlich geringere Rolle.
Trotz der hohen Zufriedenheit sind rund 40 Prozent der Meinung, dass sich die Art und Weise, wie wir wohnen und zusammenleben, aufgrund des Bevölkerungswachstums ändern muss. Weitere fast 40 Prozent sind teilweise dieser Meinung. «Der Grossteil der Befragten fühlt sich mit der Wohnsituation wohl, erkennt aber gleichzeitig die Notwendigkeit von Veränderungen. Das ist eine entscheidende Grundlage für Wandel», sagt Britta Friedrich, Leiterin des Migros-Pionierfonds. «Die Umfrage zeigt zudem, wie solche Veränderungen konkret gestaltet werden können und unter welchen Bedingungen sie für die Befragten akzeptabel sind: Verdichtung ja, aber qualitativ, zum Beispiel durch grüne Aufwertung oder Umnutzungen.»
Überraschend hohe Zustimmung zu Verdichtung in Städten
Rund 80 Prozent der Bevölkerung sehen in der Verdichtung eine gute oder zumindest teilweise gute Massnahme gegen Wohnungsknappheit. Entscheidend ist dabei der Ort. Ob Städter oder Dorfbewohnerin, alle Befragten sind sich einig: Städte sollen den Hauptteil des Bevölkerungswachstums aufnehmen, gefolgt von Agglomerationen. Ländliche Räume sollen möglichst geschont werden.
Auch Verdichtungsmassnahmen in der eigenen Nachbarschaft finden breite Akzeptanz. Ein Drittel kann sich vorstellen, dass das eigene Gebäude aufgestockt wird oder in unmittelbarer Nähe ein höheres Haus entsteht. Deutlich wird, dass die städtische Bevölkerung eine höhere Bereitschaft zeigt, Verdichtung tatsächlich auch im eigenen Umfeld zu akzeptieren, als Befragte aus ländlichen Regionen. «Verdichtung wird vor allem dort akzeptiert, wo sie ohnehin schon vorhanden ist und wenn sie einen Mehrwert bietet», so Dr. Jakub Samochowiec, Senior Researcher am GDI.
Grünräume als Schlüssel zur Akzeptanz
Deutlich ist der Befund bei der Frage, unter welchen Bedingungen Verdichtung akzeptiert wird. Für rund die Hälfte der Befragten steigt die Zustimmung, wenn bauliche Dichte mit mehr Grünflächen, aufgewerteten Natur- und Freiräumen, besserer ÖV-Anbindung und nachhaltigem Bauen kombiniert wird. Grün und Natur sind klar die stärksten Akzeptanzfaktoren – stärker auch als finanzielle Anreize. Die Akzeptanz von Verdichtungsmassnahmen lässt sich nicht kaufen, etwa durch tiefere Mieten.
Gleichzeitig sind die Vorbehalte klar: Zwei Drittel befürchten bei Verdichtung den Verlust von Grünflächen, mehr Lärm, mehr Abfall und steigende Mieten. Verdichtung braucht somit einen sichtbaren Gegenwert. Ohne Qualitätsgewinn sinkt die Akzeptanz.
Veränderung wird akzeptiert, wenn sie nicht den privaten Raum betrifft
Die Bereitschaft, dichter zu wohnen, endet dort, wo der private Raum zur Disposition steht. Nur rund 15 Prozent der Befragten wären bereit, ihre eigene Wohnfläche zugunsten gemeinschaftlicher Nutzung zu verkleinern, also beispielsweise Büros oder Gästezimmer zu teilen. Immerhin 20 Prozent können sich vorstellen, den eigenen Wohnraum zu teilen. Die Grenze der Akzeptanz verläuft somit nicht bei baulicher Dichte, sondern bei der Intimität des privaten Lebensraums. Man steht Veränderungen offen gegenüber, solange sie nicht den persönlichen Raum betreffen.
Umnutzung von Büroflächen als Chance
Am grössten ist die Zustimmung zur Umnutzung bestehender Gebäude: Zwei Drittel der Befragten befürworten es, Büro- oder Industrieflächen in Wohnraum umzuwandeln. Nur etwa 10 Prozent sind dagegen. Der Bau von Wohnraum auf bisher landwirtschaftlich genutztem Land findet nur bei rund einem Viertel Unterstützung. Die Haltung ist klar: Wachstum soll innerhalb des bestehenden Siedlungsraums stattfinden, nicht zulasten von Landschaft und Natur.
«Der Migros-Pionierfonds unterstützt Start-ups, die mit innovativen Lösungen zur Lebensqualität in der Schweiz beitragen. Ob diese Lösungen wirken, hängt auch davon ab, wie gut sie in der Gesellschaft auf Akzeptanz stossen», erläutert Britta Friedrich. «Dank der Umfrage wissen wir nun, was die Bedürfnisse der Bevölkerung sind, und können unsere Förderung im Bereich Bauen und Wohnen darauf ausrichten: Konkret werden wir die Offenheit für qualitative Verdichtung nutzen und gezielt Projekte in diesem Bereich suchen.»
Methode: In der Befragung wurden mehr als 2000 Menschen aus der deutschen, französischen und italienischen Schweiz online befragt, repräsentativ für die Landesteile, Altersgruppen und Geschlechter.
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Migros-Pionierfonds – die Zukunft besser machen
Der Migros-Pionierfonds ergänzt das gesellschaftliche Engagement der Migros seit 2012 um einen unternehmerisch ausgerichteten Förderansatz. Er leistet Anschubfinanzierungen für Jungunternehmen, die mit ihren innovativen Geschäftsideen eine gesellschaftliche Herausforderung angehen und positive Veränderung schaffen wollen. Der Fonds verfügt über jährlich rund 15 Millionen Franken und wird getragen von Unternehmen der Migros-Gruppe wie Denner, Migros Bank, Migrol, migrolino und Ex Libris. Mit der Initiative «Von 0 auf 100» greift der Migros-Pionierfonds zentrale Zukunftsfragen auf. Im Rahmen einer «Mission» nimmt er jeweils ein gesellschaftlich relevantes Thema für eine bestimmte Zeit in den Fokus seiner Förderung. Mit der Mission «Bauen. Wohnen. Leben.» widmet sich der Migros-Pionierfonds der Frage, wie die Schweiz mit Bevölkerungswachstum umgehen kann, ohne Lebensqualität, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu verlieren. Bis Mitte März läuft ein Ideenaufruf. Gesucht werden unternehmerische Ideen, die dank qualitativer Verdichtung Mehrwert für alle schaffen.
www.migros-pionierfonds.ch
www.von0auf100.org
Gottlieb Duttweiler Institut – Creating Futures
Das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) ist der älteste Think-Tank der Schweiz. Als Ort für Inspiration, Innovation und strategische Impulse bringt das GDI Entscheidungsträger*innen zusammen, um die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft zu gestalten. Das GDI verbindet Forschung und Praxis, um gemeinsam mit Unternehmen wegweisende Strategien zu entwickeln. Es stärkt Führungskräfte in den Bereichen Handel, Ernährung und Gesundheit und bietet Orientierung in Zeiten des Wandels – stets mit Blick auf gesellschaftliche, technologische und ökologische Veränderungen. Das unabhängige Institut wird vom Migros-Kulturprozent unterstützt.
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