Redaktorin Edita Dizdar

Klima-Selbstversuch

Wie viel CO2 verursache ich im Verkehr?

Zu Fuss, mit dem ÖV oder dem Auto: Unsere Autorin hat eine Woche lang versucht, sich so umweltschonend wie möglich durchs Land zu bewegen.  Geholfen hat ihr eine App – die jetzt alle selbst ausprobieren können.

Von
Edita Dizdar
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Tipp

Das Ziel ist klar: Wir alle müssen dazu beitragen, dass sich die Erde bis 2050 nicht um mehr als 1,5 Grad Celsius erwärmt. Die durch Mobilität verursachten Treibhausgas­emis­sionen machen in der Schweiz knapp ein Drittel aller Emissionen aus. Es ist also matchentscheidend, ob wir laufen, fliegen, auto-, velo- oder im Zug fahren. In der App Swiss Climate Challenge zeigt die grüne, gelbe oder schwitzend-rote Erde auf, wies um unsere Fortbewegung steht.

Montag

Swiss Climate Challenge App

Ab ins Büro. Die Fahrt im Elektrobus dauert nur fünf Minuten – ein Eins-A-Arbeitsweg. Der Wocheneinkauf ist fällig. Nach Feierabend eile ich also durch die Migros-­Filiale, packe den Roll­wagen und zusätz­liche Taschen voll. Alles in den Bus gehievt, geht es nach Hause. Die App belohnt mich mit einer lächelnden, grünen Erde.  

  • Strecke: 5,8 km

  • CO₂-Ausstoss:

  • 107 g Temperatur: +1,5 °C

  • Erde: grün 

Dienstag

Noch ein normaler Arbeitstag. Morgens mit dem Bus hin, abends mit dem Bus zurück. Ich könnte die Strecke auch laufen, das habe ich mir längst vorgenommen, aber noch nie getan. Auch aufs Velo steige ich in ­Zürich (noch) nicht, zu oft habe ich von Unfällen wegen eingeklemmter Reifen in Tramschienen geträumt. Zurück zur ­Realität: Auch heute ist die Erde auf meinem Smartphone grün. 

  • Strecke: 5,6 km

  • CO₂-Ausstoss: 102 g

  • Temperatur: +1,49 °C

  • Erde: grün

Mittwoch

Ich könnte mit geschlossenen Augen in den Bus steigen, so sehr ähneln sich die Arbeitstage in der ersten Wochenhälfte. Aber bleibt dran, es wird spannender! Am Nachmittag treffe ich den ­Fotografen, der das Bild für diesen Artikel geschossen hat. Wir fahren in Zürich umher und ­versuchen, gute Fotos zu bekommen. Die App verwechselt kurzzeitig das Tram mit einem Auto. Der CO₂-Ausstoss von 1,3 Kilogramm kann nicht stimmen. Ich passe das Fahrzeug manuell an – und meine Erde bleibt grün. 

  • Strecke: 13,8 km

  • CO₂-Ausstoss: 425 g

  • Temperatur: +1,54 °C

  • Erde: grün 

Donnerstag

Homeoffice-Tage verringern den ökologischen Fussabdruck weiter. Zugleich bewege ich mich zu wenig. 10 000 Schritte am Tag? Haha! Gut, dass mein Sohn am Abend ins Training muss. Wir steigen ins Tram, dann in den Bus, zehn Minuten Fahrt. Während er eine Stunde lang vom Drei-, Fünf- und Siebeneinhalbmeterturm springt, ziehe ich meine Bahnen im Wasser. Das Handy ist im Schliessfach und trackt meine sportlichen Be­mühungen nicht. Schade. Nach Hause gehts ebenfalls mit dem ÖV. Bilanz: Alles im grünen Bereich.

  • Strecke: 6,2 km

  • CO₂-Ausstoss: 147 g

  • Temperatur: +1,51 °C

  • Erde: grün

Freitag

Am Morgen bringe ich die Tochter zu Fuss zum Arzt, gehe einkaufen und fahre mit dem Tram zwei Sta­tionen nach Hause. Am Abend geht dem Tram zum Bahnhof der Strom aus. Wir laufen und verpassen den Zug nach Bern. Der nächste ist rappelvoll und einer Sauna gleich. Durchatmen. Angekommen, werden wir mit dem Auto ab­geholt und fahren eine halbe Stunde zu den Schwiegereltern. Endlich Landluft. Doch in der App schwitzt die Erde und ist gelb statt grün. Um 2,71 Grad würde sich der Planet erwär-men, wenn dieses Verhalten global die Norm wäre. 

  • Strecke: 147,5 km

  • CO₂-Ausstoss: 3,8 kg

  • Temperatur: +2,71 ˚C

  • Erde: gelb

Samstag

Das Wochenende auf dem Land beginnt gemächlich mit Glockengebimmel und Gezwitscher. Weniger gemütlich wirds im Auto: 20 Jahre nach meinem 18. Geburtstag habe ich mich durchgerungen und arbeite auf die Autoprüfung hin. Eine Stunde, 42 Kilometer und 5,5 Kilo ausgestossenes CO₂ später bin nicht nur ich komplett durchgeschwitzt. Auch die Erde in meiner App ist knallrot. Oje! 

  • Strecke: 43,6 km

  • CO₂-Ausstoss: 5,5 kg

  • Temperatur: +3,25 ˚C

  • Erde: rot 

Sonntag

Neun Jahre sind wir mit den Kindern fast nur im ÖV gefahren. Da jetzt aber mein GA abläuft, planen wir, uns ein Auto zuzu­legen. Erst muss ich die Prüfung bestehen – und heute üben. Das Auto bleibt mir auf 33 Kilometern mehrmals beim Anfahren stehen. Wird das mal besser? Am Abend gehts zurück nach Bern und von da aus mit dem Zug nach Zürich. Dass ich zwischendurch ausgiebig spaziert bin, interessiert die App nicht. 8,2 Kilogramm CO₂ gehen auf meine Kappe – und die rote Erde schwitzt.  

  • Strecke: 176,9 km

  • CO₂-Ausstoss: 8,2 kg

  • Temperatur: +4 ˚C

  • Erde: rot

Fazit

Gut gestartet und gegen Schluss stark nachgelassen – in der App der Swiss Climate Challenge schaut mir die Erde nach einer Woche gelb und schwitzend entgegen. Frustrierend, dass selbst kurze Autofahrten das Ergebnis massiv verschlechtern. Der Wunsch, ein Auto zu besitzen und dadurch agiler zu sein, ist getrübt. Vielleicht nehmen wir dann doch öfter den ÖV oder entscheiden uns für Carsharing.