Zwei Münzstapel zwischen den Fingern

Anlageausblick

So machst du 2024 mehr aus deinem Geld

Das Schweizer Börsenjahr 2023 fällt eher bescheiden aus. Wer Vermögen aufbauen will, kommt trotzdem nicht um Aktien herum. Die Gründe verrät Sacha Marienberg, Leiter Investment Office der Migros Bank.

Von
Jörg Marquardt
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Interview

2023 war kein Freudenfest für Anleger und Anlegerinnen. Zuletzt lag der Schweizer Aktienindex SMI kaum über dem Niveau des Krisenjahres 2022. Was ist los?

Sacha Marienberg: Die schwache Performance geht in erster Linie auf Sonderfaktoren zurück. Aktuell wird der SMI durch Kursrückgänge bei Nestlé und Roche belastet. Ohne diese beiden Titel läge der SMI deutlich im Plus. Generell war es kein schlechtes Jahr für die globalen Aktienmärkte.

Kein Grund also, sich von einer Geldanlage an der Börse abhalten zu lassen? 

Nein. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, sollte unbedingt in Aktien investieren, beispielsweise mit einem Fondssparplan.

Worauf kommt es dabei an?

Neben einem langen Anlagehorizont ist es wichtig, die Geldanlagen möglichst breit zu streuen, statt alles auf ein Unternehmen oder eine Branche zu setzen. Zudem rate ich zu gestaffelten Investitionen. Damit können Anleger die Schwankungen an der Börse besser ausgleichen.

Steigen die Aktienwerte 2024 wieder an?

Das hängt vor allem von der Konjunktur und der Zinsentwicklung ab. Stand heute gehen wir davon aus, dass es in der zweiten Jahreshälfte zu ersten Leitzinssenkungen der Notenbanken kommen wird. Vorausgesetzt, die globale Teuerung ist bis dahin ausgestanden. Für die Schweiz rechnen wir zwar nicht mit einer Rezession, aber doch mit einer Abkühlung des Wirtschaftswachstums. Im Lauf des Jahres dürfte sich das Bild jedoch merklich aufhellen.

Wozu raten Sie Anlegerinnen und Anlegern?

Sie sollten den Fokus auf Qualitätstitel legen. Das sind Aktien von Unternehmen mit einem soliden Geschäftsmodell und einer tiefen Verschuldung. Unternehmen, die unabhängig von der Konjunktur gute Erträge erzielen.

An welche denken Sie?

Zum einen an grosse Pharmaunternehmen wie Roche. Diese Branche gilt als konjunkturresistent und ist einer der wichtigsten Pfeiler der Schweizer Wirtschaft. Zum anderen denke ich an Techfirmen wie Nvidia, Microsoft oder Google. Der jüngste Boom rund um künstliche Intelligenz wird weitergehen. Davon dürften die genannten Titel profitieren.

Wie stark werden die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten die Finanzmärkte im nächsten Jahr beeinflussen?

Erfahrungsgemäss haben die regionalen Konflikte keinen nachhaltigen Einfluss auf den Aktienmarkt. Kurzfristige Taucher wie zu Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sind immer möglich, aber dann erholen sich die Börsen relativ schnell wieder.

Welche Arten von Anlagen sind im aktuellen Umfeld besonders interessant?

Aktien bleiben weiterhin der wichtigste Baustein für den Vermögensaufbau. Um das eigene Anlageportfolio breiter aufzustellen, sind auch Obligationen zu empfehlen – aber nur als Ergänzung. Eine Alternative zu Aktien sind sie nicht, auch wenn Obligationen im nächsten Jahr von tieferen Zinsen profitieren dürften.

Und was ist mit Gold?

In einem schwankenden Marktumfeld kann es dabei helfen, die Risiken im Portfolio kurzfristig auszubalancieren. Aber langfristig hat Gold keine strategische Qualität, weil es keine Erträge abwirft.

Festgeldanlagen locken weiterhin mit höheren Zinsen auf Ersparnisse als auch schon – eine gute Idee?

Unbedingt. So kann man sein Geld sicher und teilweise gar mit attraktiven Renditen anlegen. Leider belassen viele Menschen ihr Geld auf dem Lohnkonto, wo es kaum Zins gibt. Insofern rate ich Bankkundinnen und -kunden, ihr Erspartes in Sparkonten oder Festgeldanlagen umzuschichten. Zum Vermögensaufbau sollten Festgeldanlagen aber mit Aktien ergänzt werden.

Die Schweiz war weit weniger stark von der Teuerung betroffen als ihre Nachbarn. Trotzdem dürfte 2024 für Herrn und Frau Schweizer teurer werden, oder?

Das stimmt. Die Krankenkassenprämien steigen, ebenso die Mehrwertsteuer sowie die Strompreise in den meisten Gemeinden. Zudem ist im April mit einer weiteren Erhöhung der Mietpreise zu rechnen, weil Anfang Dezember der Referenzzinssatz zum zweiten Mal angehoben wurde, diesmal von 1,5 auf 1,75 Prozent. Damit sollte der Höchststand aber vorerst erreicht sein.

Auch beim Hypothekarzins?

Ja, wir gehen davon aus, dass die Hypothekarzinsen ihr Höchst erreicht haben und im nächsten Jahr weiter sinken. Die Finanzierung des Eigenheims dürfte also wieder günstiger werden.

Können Sie das an einem Beispiel erläutern?

Nachdem die Kosten für eine zehnjährige Hypothek Anfang des Jahres noch bei über drei Prozent lagen, befinden sie sich aktuell nahe bei 2,5 Prozent. In Erwartung tieferer Leitzinsen dürfte sich die Zehnjährige Richtung zwei Prozent bewegen.

Welche Hypothek ist in diesem Marktumfeld sinnvoller: Festhypothek oder Saron?

Das hängt davon ab, wie viel Risiko Sie tragen wollen. Wer finanzielle Planbarkeit sucht, ist mit einer Festhypothek besser bedient. Wer Unsicherheiten am Zinsmarkt aushält, über ausreichend finanzielle Rücklagen verfügt und sinkende Zinsen erwartet, kann sich für eine Geldmarkthypothek wie die an den Saron gekoppelte entscheiden.

Gibts aus Ihrer Erfahrung eine Börsenweisheit, die sich über die Jahre bewährt hat?

Je höher der Aktienanteil im Portfolio, desto höher ist langfristig die Rendite. Die Risiken, also höhere Kursschwankungen, werden vom Markt belohnt – die breite Streuung der Anlagen vorausgesetzt.

Der Experte

Sacha Marienberg, Leiter Investment Office der Migros Bank