Aleph Cuts auf dem Teller

Nachhaltige Produkte

Echtes Fleisch ohne Tierleid

Die Lebensmittelbranche tüftelt seit Jahren daran, kultiviertes Fleisch herzustellen, um Tierleid zu vermeiden und die Umwelt zu schonen. In Singapur und in den USA sind erste Produkte zum Verkauf zugelassen. In der Schweiz wird es noch ein wenig dauern. Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von
Ralf Kaminski
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Was wir tun

Wie funktioniert dieses Verfahren? 

Man entnimmt einem Tier mittels Biopsie eine Stammzelle und entwickelt daraus in einem Bioreaktor spezialisierte Zellen. Diese vermehren sich in einer Nährstofflösung mit Hilfe von Wachstumshormonen zu Fleisch. Nach der Zellentnahme dauert es etwa zwei Wochen, bis sich im Bioreaktor kleine Fleischstücke gebildet haben, die zum Beispiel für die Herstellung eines Burgers reichen. Diese Fleischstücke werden zusätzlich mittels Pflanzenproteinen strukturiert, um die vertraute Konsistenz zu erreichen. Langfristig sollen so auch Steaks und Fischfilet entstehen.

Was sind die grössten Herausforderungen? 

Die Technologie ist auf guten Wegen, aber die Kosten sind noch zu hoch. Insbesondere der Nährstoff, in dem die Zellen zu Fleisch wachsen, ist noch viel zu teuer. Aber neue Technologien werden mit der Zeit immer billiger. In etwa sieben Jahren sollten die Preise etwa denen der heutigen industriellen Fleischproduktion entsprechen. Eine weitere Herausforderung ist die regulatorische Zulassung für den Verkauf. Dabei helfen soll die Swiss Protein Association, an der auch die Migros beteiligt ist. 

Müssen für solches Fleisch wirklich keine Tiere sterben? 

Die Zellentnahme passiert, ohne dass dem Tier dabei etwas geschieht. Meist reicht ein einmaliger Eingriff, weil damit eine so genannte unsterbliche Zelllinie angelegt wird. Für die Nährstofflösung wird während der Entwicklungsphase oft noch ein Serum verwendet, das von Tierföten stammt. Es gibt allerdings bereits Firmen, die diese Wachstumshormone komplett durch pflanzliche Produkte ersetzen – die meisten anderen wollen nachziehen. Die Migros hat in zwei Firmen investiert, die dies bereits praktizieren und schliesst aus, kultiviertes Fleisch zu verkaufen, bei dem tierisches Serum verwendet wurde.

Welche Vorteile gibt es sonst noch gegenüber der klassischen Fleischproduktion? 

Das Klima wird geschont, weil es weniger Tiere braucht und man das Fleisch lokal produzieren kann und nicht aus fernen Ländern importieren muss. Man kann es zudem von Anfang an fettärmer und somit gesünder machen, was jedoch Grenzen hat, weil Fett für den Geschmack wichtig ist. Man kann viele verschiedene Fleischarten anbieten – auch von «exotischen Tieren» –, ohne dass einem Tier dabei etwas passiert. Das Fleisch kommt steril aus dem Bioreaktor, es hat keine Parasiten und ist durch keine Umweltfaktoren verunreinigt. Es entsteht kein «Abfall», weil man nur den Teil des Fleischs herstellt, der tatsächlich nachgefragt wird.

Wann gibt es die ersten Produkte im Laden? 

In Singapur und den USA sind erste Produkte zugelassen, aber noch deutlich teurer als klassisches Fleisch. Zulassungsanträge für Europa sind in Vorbereitung. Bis solches Fleisch in der Schweiz gekauft werden kann, dürfte es noch einige Jahre dauern. Die ersten verfügbaren Produkte werden vermutlich eine Art Rindsfilet-Streifen sein.

Wie viel teurer werden sie sein als klassische Fleischprodukte? 

Schwer zu sagen – zu Beginn sicherlich teurer als die gleichen Produkte aus klassischer Produktion. Im Gastrobereich wird es sie wohl zuerst in exklusiven Restaurants geben. Ziel ist jedoch, dass dies keine Luxusprodukte werden, sondern die grosse Masse erreicht. Nur so können das Tierwohl, der Landverbrauch und die Klimabelastung erfolgreich angegangen werden. Im Gegenzug soll das klassisch produzierte Fleisch zum Luxusprodukt werden.