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Stefan Wälchli im neuen Heissluftballon

Abenteuer Ballon

«Im Ballon verliert alles seine Wichtigkeit»

Stefan Wälchli verbrachte schon über 3000 Stunden in der Luft. Der passionierte Ballonpilot steuert die bekannte Handy-Flasche – und neu auch eine Bioerdbeere.

Von
Silvia Schütz
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Morgens 6.30 Uhr: Die Stimmung auf einer Wiese in Mättenwil bei Brittnau AG ist mystisch. Bodendunst liegt über den nahen Wiesen und Feldern, die Sonne geht versteckt hinter einem feinen Schleier von Tröpfchen auf.

Der 52-jährige Stefan Wälchli hat diesen Morgen sorgfältig ausgewählt für die Jungfernfahrt der Migros- Bioerdbeere. Erst vor wenigen Tagen hat er die Bewilligung des Bundesamts für Zivilluftfahrt (BAZL) dafür erhalten. Heute stimmen auch Wind und Wetter, die wichtigsten Faktoren für eine gute Fahrt. Bei zu starkem Wind im Start- oder Landegebiet bleibt der Ballon am Boden. Ebenso wenn Gewitter oder Wetterumschläge angesagt sind. «Wenn die Sonne scheint, kaum ein Wölkchen zu sehen ist, nehmen die Passagiere eine Absage ganz ungläubig entgegen. Ob das angesagte Gewitter dann in zwei oder drei Stunden wirklich kommt, ist nicht relevant. Sicherheit geht vor», sagt Wälchli.

Heissluftballon beim Starten auf einem Feld
Kurz vor 7 Uhr im aargauischen Brittnau. Der Ballon steht langsam auf. © Daniel Winkler

Die Vorbereitungen laufen, der Ballon liegt wie eine bunte, 30 Meter lange Schlange in der taunassen Wiese. Sobald der Korb mit der Hülle verbunden ist, bläst Stefan Wälchli mit einem Ventilator Luft in den liegenden Ballon, dann heizt er ein. Die Erdbeere wächst in den Himmel, die Gäste klettern in den Korb, der Gasbrenner schiesst nochmals Wärme in die Hülle, bis wir sanft und geräuschlos abheben.

Fasziniert von Ballonen seit der Kindheit

«Im Ballon schwebe ich hoch über dem Alltag, alles verliert an Wichtigkeit», sagt Wälchli. Schon in der Kindheit haben ihn die bunten Kugeln am Himmel fasziniert. Vor 30 Jahren hat er die Pilotenausbildung absolviert und vor 15 Jahren die Ballonpilot GmbH gegründet. Vereinfacht hat ihm den Einstieg in dieses aufwendige Hobby sein Vater, während Jahrzehnten ein passionierter Ballonfahrer. Pro Jahr führt er 100 Fahrten durch. Mit Vorbereitung, Anfahrt, der eigentlichen Ballonfahrt und der Rückfahrt in die Lagerhalle ist das für ihn jeweils ein Tagesjob. Für die Gäste dauert der beschauliche Ausflug insgesamt vier Stunden.

Über 3000 Stunden in der Luft

Die Bioerdbeere ist der neueste von drei Ballonen, die für die Migros gebrandet sind. Alle 3 werden von der Migros mit Beiträgen unterstützt. Besonders stolz ist Stefan Wälchli auf das Kennzeichen, das er für den jüngsten Flottenzugang organisieren konnte: HB-BIO. Die Migros ist auch abseits der Ballonfahrt wichtig für Wälchli: Seit 1987 arbeitet er für das Unternehmen, aktuell bei der Genossenschaft Basel als Berufsspezialist Marketing. Seine Freizeit verbringt er grösstenteils in der Luft, bisher stand er mehr als 3000 Stunden im Weidenkorb. Da seine Frau ebenfalls Ballonfan ist und die beiden Söhne bereits erwachsen sind, bringt Wälchli Hobby und Familie problemlos unter einen Hut.

Stefan Wälchli steht vor 2 seiner 4 Migros-Ballone.
Stefan Wälchli mit zwei seiner vier Migros-Ballone.© Daniel Winkler

Wir befinden uns auf gut 2500 Metern und fahren zwischen Jurakette und den Alpen. Der Blick wandert von Luzern über Solothurn bis zur Stadt Bern. «Da sieht man, wie klein die Schweiz ist», lacht Stefan Wälchli.

Während der Fahrt beantwortet Wälchli Fragen der Gäste, ab und zu erkundigen sich Ballonkollegen via Funk, wie es um die Windverhältnisse stehe. Ballonfahrer sind eine Community, die sich auch regelmässig an Grossveranstaltungen trifft, unter anderem in Kappadokien in der Türkei. Dort starten jährlich im Juli 160 Ballonfahrer gleichzeitig. Zu Wälchlis Highlights gehören auch Alpenüberquerungen. Auf Höhen von über 5000 Metern fährt der Ballon dabei – allein vom Wind angetrieben – von der Schweiz in vier bis sechs Stunden nach Norditalien und landet dort irgendwo.

Wälchli fährt aber auch gern in der Schweiz. «Hier ist es landschaftlich am abwechslungsreichsten.» Das führt die Landung vor Augen: Nahe fährt der Ballon über die Dächer der Stadt Langenthal, überquert einen Weiher und setzt dann neben einem Bach in einem Feld auf, macht noch ein, zwei Hüpfer und steht dann still.

Die Uhr zeigt erst 9.30 Uhr, doch das Highlight des Tages ist damit schon vorbei.

Stefan Wälchlis vier Ballone

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