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Wie entsteht Tanz?
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Die Band Splendid von Mike Egger und Levin Lucca Dennler tritt am m4music auf. Die beiden besingen das Stadtleben und huldigen ihren grossen Berner Vorbildern Polo Hofer, Endo Anaconda und Kuno Lauener.
«Wo nä Zischti cha si wie am Wuchenänd», heisst es im Song «CHicago» von Splendid. Im Odeon am Zürcher Bellevue herrscht an diesem Dienstagabend tatsächlich Betrieb wie an einem Wochenende: Jeder Platz ist besetzt, auf den Tischen stehen Gin Tonic und Apérol Spritz, die Musik ist etwas zu laut. Die beiden Splendid-Musiker Michael Egger, 38, und Levin Lucca Dennler, 32, schlugen das Lokal vor. Sie mögen weltläufige Orte mit nostalgischem Charme wie das Odeon.
Eine andere solche Institution im Zürcher Niederdorf, die Splendid-Bar, diente der Band als Namensgeberin. Egger ist bekannt als Sänger und Songwriter der Berner Mundart-Popband «Jeans for Jesus», Dennler war Mitgründer des Popduos «Hainan» und ist Produzent erfolgreicher Künstlerinnen wie der deutschen ESC-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut und Schweizer Rapperin Loredana. Seit Jahren befreundet, gründeten sie zusammen die Band «Splendid» und brachten vergangenes Jahr ein erstes Album heraus. Nun treten sie am m4music-Festival als einer der Hauptacts auf.
Ihre erste Single «Wägem Geld», die Anfang 2025 erschien, ist ein Cover eines Songs von Polo Hofer. Wieso gerade Polo Hofer?
Levin: Obwohl wir musikalisch aus einer völlig anderen Ecke kommen, haben uns Polo Hofer, Endo Anaconda und Kuno Launer sehr geprägt. Und es ist in dieser Mundartschule üblich, einander zu covern.
Mike: Gleichzeitig wollten wir aus diesem Erbe etwas Eigenes machen. Von Dur zu Moll, von Rock zu New-Wave, und auch den Text haben wir ins Heute übersetzt. Statt Jeanette in Strapsen zeigt sich eine Wirtschaftsstudentin auf OnlyFans – wägem Gäld.
Bei euch heisst es: «Tanze wie verrückt, schrei ids Mikrofon – wägem Gäld». Ist euch die Bühne zuwider?
Mike: Früher habe ich vor Auftritten regelrecht gelitten. Mittlerweile habe ich Strategien gegen Lampenfieber, aber es wird nie mein liebster Teil des Musikmachens.
Levin: Es wäre ein Witz zu behaupten, dass wir es des Geldes wegen machen. In der Schweiz verdient kaum jemand viel Geld mit Mundartmusik.
Wie verdient ihr euer Geld?
Levin: Wir arbeiten parallel an anderen Projekten, ich als Musikproduzent, Mike ist in einem Verlag tätig. Mit Splendid wollten wir etwas machen, das unserem Herzen guttut. Für mich war es aufwendiger als vermutet, für einmal so ehrlich und nicht maximal cool sein zu müssen.
Mike: Unsere Zusammenarbeit fühlte sich sehr leicht an, viele Songs sind wie von allein entstanden.
Splendid wird aktuell sehr gehypt. Was heisst Erfolg für euch?
Mike: Es gibt kommerziellen Erfolg und Erfolg in der eigenen Szene. Das ist ein Spannungsfeld. Besonders freut mich, dass auch junge Zürcherinnen und Zürcher, die unsere musikalischen Referenzen gar nicht kennen, unsere Musik gut finden. Wie der eine FCZ-Fan, der uns in einer Bar ansprach.
Levin: Wir waren lange unsicher, ob unsere Musik von anderen verstanden wird. Nachdem unser Album eine Woche draussen war, sangen die Leute am Konzert im Berner Lokal Dachstock alle Songs mit. Das fühlte sich nach Erfolg an.
Der Song «Längwilig» beschreibt ein Gefühl des Überdrusses. Ist euch das Leben in der Schweiz zu gefällig?
Mike: Ja, es fühlt sich oft beengend an, wie angepasst, gleichförmig und optimierungsgetrimmt alles ist. Viel spannender scheint mir, neugierig zu bleiben, Dinge zu hinterfragen und diejenigen, die aus der Reihe tanzen, nicht pauschal als Bedrohung zu sehen.
Der Song «Room 104» beschreibt den Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik. Eine persönliche Erfahrung?
Mike: Ja. Psychische Krisen und Krankheiten sind derart häufig in unserem Umfeld. Unser kurzer, fast schon nüchterner Song soll helfen, Klinikaufenthalte zu enttabuisieren.
In «CHicago», einer Hommage ans Stadtleben, heisst es nach Züri West: «Dert, wo eim irgendeinisch dsGlück find». Wo ist das für Sie?
Mike: In anderen Menschen, seltener als früher in kurzen Nächten und in diesen fast schon magischen Momenten, wenn ein Song entsteht. «CHicago» haben wir in mehr oder weniger 24 Stunden geschrieben - es ist rückblickend auch für mich selbst immer faszinierend, wie das plötzlich einfach passiert.
Levin: Mich macht es glücklich, dass Leute zu unseren Shows kommen. Dieses Projekt mit einer grossartigen, sechsköpfigen Band zu realisieren, ist ein Riesenprivileg – gerade in diesen Zeiten.
Ein letzter Schluck Bier. Im Anschluss ans Gespräch wollen sie essen gehen, am folgenden Tag wird Mike 38. Es könnte also später werden, aber das kommt vor an Orten, wo es am Dienstag sein kann wie am Wochenende.
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