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22 Lernende haben in Sitten drei Wochen lang eine Migros-Filiale selbständig geführt. Ein Mehrwert sowohl für ihre Karriere als auch für ihre persönliche Entwicklung.
Vor dem 19. Januar hatte Azra Saliu noch nie eine Bestellung aufgegeben, damit die Regale im Laden immer gut gefüllt sind. Im Migros-Supermarkt in Conthey VS, in dem die 18-Jährige ihre Detailhandelslehre absolviert, ist dafür der Abteilungsleiter zuständig. Dann wechselte sie für drei Wochen in die Lehrling-Migros Le Ritz in Sitten. Hier verwaltete sie den Bestand an Milchprodukten selbst. «Ich kümmerte mich um die Nachbestellung, prüfte die Verfallsdaten und bestellte bei unserer Zentrale, was ich brauchte. Diese Verantwortung zu haben, hat mir sehr gefallen», erzählt sie.
Azra Saliu ist eine von 22 Lernenden, die die Chance bekamen, eine Filiale selbständig zu führen. «Die Jugendlichen müssen selbst die Initiative ergreifen. Wir sagen ihnen nicht, was sie zu tun haben. Das ist extrem lehrreich», sagt Gulten Ramadanoska, Filialleiterin im Le Ritz. Innerhalb der Migros-Gruppe werden solche Programme auch bei der Migros Aare, Ostschweiz und Waadt sowie bei Denner angeboten.
«Wir wollen unseren Lernenden ein Arbeitsumfeld bieten, in dem sie selbständig werden und Selbstvertrauen aufbauen», sagt Jérôme Albasini. Als Leiter der Berufsausbildung bei der Migros Wallis beschloss Albasini dieses Jahr, das seit 2015 bestehende Konzept auszuweiten. «Neben Lernenden aus dem Verkauf wollen wir neu auch Berufe im Hintergrund miteinbeziehen.» So verstärkten drei Kaufleute, ein Logistiker, ein Strassentransportfachmann und ein 3D-Polydesigner das Team von 16 Detailhandelslernenden.
Meist klappte alles reibungslos, aber nicht immer. «Eines Morgens erhielt ich lose Eier, obwohl wir sie in dieser Filiale nicht einzeln verkaufen», erzählt Azra Saliu. Sie musste schnell eine Lösung finden. «Also rief ich einen anderen Supermarkt an, der bereit war, sie uns abzunehmen, und organisierte den Transport. Am Ende ist alles gut ausgegangen.»
Filialleiterin Gulten Ramadanoska hielt sich während der drei Wochen im Hintergrund. Vor zehn Jahren hat sie als Lernende selbst eine Filiale im Wallis geführt. «Nach diesem Programm stand für mich fest: Ich will Filialleiterin werden, koste es, was es wolle.» Ein Motivationsschub, den Jérôme Albasini oft beobachtet. «Alle Lernenden, die an unserem Programm teilgenommen haben, arbeiten heute in verantwortungsvollen Positionen bei der Migros.»
Marketing, Buchhaltung, Personalwesen… Während seiner Ausbildung zum Kaufmann wechselt der 28-jährige Nicolas Oberson alle sechs Monate die Abteilung. «Besonders gut hat mir meine Zeit im Marketing gefallen. Ich wusste nicht, dass der Verkauf so spannend sein kann.» Er hatte darum schnell ein paar Ideen, wie er das Sortiment der Filiale in Sitten optimal zur Geltung bringt. «Wir haben einen Wettbewerb veranstaltet, bei dem die Teilnehmenden den Preis eines mit Produkten gefüllten Einkaufskorbs erraten mussten. Und wir haben Verkostungen durchgeführt, bei denen ein Migros-Artikel und ein Markenartikel verglichen wurden. Während dieser drei Wochen habe ich gemerkt, wie sehr ich den Kontakt mit Kunden mag und wie spannend es ist, sich auf sie einzustellen. Hier trifft man sowohl Schüler als auch ältere Stammkunden.» Was er sich noch wünschen würde? «Es wäre eine tolle Herausforderung, eine noch grössere Filiale zu führen!»
Die Logistiker arbeiten in einem riesigen Warenlager, wo die Temperatur das ganze Jahr über 5 bis 6 Grad beträgt. «Das stört mich nicht, weil mir der Beruf gefällt. Man ist relativ selbständig», sagt der 24-jährige Raphaël Gander. Mit seinem elektrischen Hubwagen fährt er geschickt durch die grosse Obst- und Gemüsehalle der Zentrale in Martigny, um die Bestellungen für die rund 30 Filialen der Genossenschaft vorzubereiten, die am nächsten Morgen ausgeliefert werden. «Man muss konzentriert sein und immer kontrollieren, dass die Anzahl der Kisten für den Lastwagen genau der Bestellung entspricht.» Während des Projekts übernahm ein Lastwagenfahrer-Lernender die Lieferungen nach Sitten. Alles klappte reibungslos, es gab weder Verzögerungen noch Ausfälle.
In der Zentrale der Migros Wallis in Martigny lässt sich der 20-jährige Batiste Gilliard zum 3D-Polydesigner ausbilden, die neue Bezeichnung für den Beruf des Dekorateurs. Er ist unter anderem für die Beschilderungen in den Supermärkten verantwortlich. «Ich gestalte sie nicht nur, sondern drucke sie auch und bringe sie in allen Filialen im Wallis an.»
Es war sehr bereichernd, die Ideen anderer Lernender grafisch zum Leben zu erwecken.
Beim Projekt in Sitten schätzte der gebürtige Waadtländer die Möglichkeit, mit anderen Abteilungen zusammenzuarbeiten, insbesondere mit den KV-Lernenden. «Es war sehr bereichernd. Sie kamen mit ihren Ideen zu mir, und ich habe ihr Projekt zum Leben erweckt.» Dabei hatte Batiste Gilliard freie Hand. «Ich konnte sowohl Formate als auch Farben und Design frei wählen. Sie sollten trendig sein, um junge Menschen anzusprechen.»
Natürlich musste der Lernende wie in jedem Beruf auch mit Unwägbarkeiten umgehen. «Meine Kreationen waren auf die Grösse der Filiale abgestimmt und so konzipiert, dass sie den Kundenverkehr nicht behinderten. Darüber hinaus war eine gute Planung erforderlich, damit alles rechtzeitig fertig wurde.»
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