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«Vanishing Point» by St.Gallen Dance Company

Migros-Kulturprozent

Wie entsteht Tanz?

Rachelle Anaïs Scott und Marioenrico d’Angelo haben professionell getanzt und präsentieren am Tanzfestival Steps des Migros-Kulturprozents ihre erste eigene Choreografie. Was bedeutet der Rollentausch für sie?

Text
Nina Huber
Bild
Gregory Batardon
Datum
Format
Interview

Wurde bei Ihnen zu Hause viel getanzt?
Marioenrico d’Angelo: Nicht getanzt, aber meine Eltern waren Sportlehrer, körperliche Aktivität war Teil des täglichen Lebens.
Rachelle Anaïs Scott: Bei uns spielte Kreativität eine grosse Rolle. Mein Vater ist Jazzmusiker, und meine Mutter liebt Tanz, Kunst, Mode und Kultur. Künstlerische Inspiration war Teil meines Umfelds.

Welcher ist der erste Tanz, an den Sie sich erinnern?
R.: Das war «Revelations» im Alvin Ailey American Dance Theater in New York City, ich war noch ein Kind. Die Energie auf der Bühne und im Publikum war unglaublich. Bis heute suche ich genau diese geteilte Freude und Energie, die ein gemeinschaftliches Erlebnis entstehen lässt.

Sie waren Tänzer und wechseln mit Unterstützung des Förderprogramms «NEXT STEPS» in die Choreografie. Muss man selbst getanzt haben, um den Beruf auszuüben?
M.: Nicht unbedingt. Aber nach 17 Jahren Tanzerfahrung verstehe ich die Herausforderungen der Tänzer.

Wie entsteht ein neues Tanzstück?
R.:
Ich habe bestimmte Bilder im Kopf, aber die konkreten Schritte und Bewegungen forme ich direkt an den Körpern der Tänzerinnen und Tänzer, gemeinsam mit ihnen. Dann verfeinere ich im Laufe der Zeit – wie beim Bildhauen. Je nach Projekt kann dieser Prozess zwischen einigen Tagen und mehreren Wochen dauern.

Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?
M.: Manchmal schreibe ich einen ganzen Tag lang ein Dossier oder recherchiere Konzepte, Musik, Kostüme. Wenn wir trainieren, bin ich von 11 bis 18 Uhr im Studio, danach arbeite ich zu Hause weiter und überprüfe, ob wir mit dem Stück auf dem richtigen Weg sind.

Was zeichnet einen guten Choreografen aus?
M.: Ein guter Choreograf bleibt seiner Vision treu, während er die anderen beteiligten Künstler respektiert.

Sind Sie ein Morgen- oder Nachtmensch?
M.: Meistens Nachteule.
R.: Beides, Kreativität folgt keiner fixen Uhrzeit.

Choreographen Anaïs Rachelle Scott und Marioenrico d'Angelo
Tanzen verbindet: Marioenrico d’Angelo (o.) und Rachelle Anaïs Scott erarbeiten fürs Tanzfestival Steps Werke mit Schweizer Ensembles.  © Dan Cermak

Was möchten Sie in Ihrem Stück, das Sie bei Steps unter dem Übertitel «Twi/light» aufführen, herüberbringen?
R.: Mit «Vanishing Point» möchte ich einen Raum schaffen, in dem das Publikum etwas Menschliches spüren kann. Das Werk lädt zum Nachdenken ein, ohne Antworten zu geben.
M.: In «Night Shining Clouds» geht es um das Gefühl der Zugehörigkeit. Können wir uns als Teil von etwas Grösserem fühlen, oder suchen wir nur nach Anpassung?

Fehlt Ihnen das Rampenlicht?
M.: Ja, manchmal vermisse ich die unmittelbare Verbindung mit dem Publikum und den anderen Künstlern auf der Bühne.

Wie lange kann man den Beruf der Tänzerin ausüben?
R.: Ich glaube, solange dein Herz dir sagt, dass du tanzen willst – ich tanze immer noch. Bewegung ist Ausdruck, und das kann so lange funktionieren, wie du bestimmst.

Haben Sie ein Vorbild?
R.: Ja, viele! Familienmitglieder, enge Freunde, Michelle und Barack Obama, Frida Kahlo …

Welche Schweizer Besonderheit mögen Sie?
R.: Die Landschaft haut mich immer wieder um. Ich liebe es, mit meinem Partner wandern zu gehen.
M.: Im Sommer in die Aare zu springen.

Woran gewöhnen Sie sich nie?
R.: Dass es keine Geschäfte gibt, die 24 Stunden geöffnet haben.

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