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Jules Kyburz

Nachruf

Adieu, lieber Jules Kyburz

Jules Kyburz ist im Alter von 93 Jahren verstorben. Mit ihm verliert die Migros eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten und den letzten Vertreter jener Generation, die die Zeit nach dem Tod Gottlieb Duttweilers 1962 bestimmte.

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Ursula Nold und Mario Irminger
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Christian Schnur
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Story

Jules Kyburz hat etwas vollbracht, was es heute kaum noch gibt: Er arbeitete sich von ganz unten nach ganz oben und widmete fast sein gesamtes Berufsleben derselben Firma. Fast: Der gebürtige Aargauer verliess die Schweiz im zarten Alter von 17 Jahren Richtung London, wo er zunächst als Kellner arbeitete. Als ihm die Einwanderungsbehörde auf die Schliche kam, heuerte er auf einem Handelsschiff an. Die drei Jahre auf den Weltmeeren seien manchmal die Hölle und trotzdem eine super Zeit gewesen, erinnerte er sich später.

Anfang der 1950er-Jahre kehrte Kyburz in die Schweiz zurück und wurde auf Mi­gros-Gründer Gottlieb Duttweiler aufmerksam. Er besuchte dessen Vorträge und war von ihm und seinen Ideen des Sozialen Kapitals fasziniert. Er meldete sich bei der Genossenschaft Migros Zürich und erhielt die einzige offene Stelle als Magaziner in der Filiale Wetzikon. Der Lohn betrug 340 Franken pro Monat – «nicht besonders viel», wie er einmal schelmisch anmerkte. Dennoch begann hier seine glanzvolle Karriere in der Migros, die er in den nächsten 60 Jahren prägte wie kaum ein anderer.

Bereits ein Jahr später übernahm er in Basel die erste Filiale und 1958 wurde er Marktleiter in Zug, wo ihm eine sehr spezielle Verantwortung zukam: Einmal im Monat kamen Firmengründer Gottlieb Duttweiler und seine Frau Adele zum Kaffeetrinken. Sie bestellten stets Kaffee und eine Cremeschnitte, die sie sich teilten. Duttweiler erkundigte sich jeweils nach dem Geschäftsgang. Er hatte stets Gutes zu berichten. In diese Zeit fiel auch ein Abwerbeversuch von Coop – erfolglos.

1961 wechselte Kyburz in die Genossenschaft Migros St. Gallen, wo er wenig später zum Verkaufsleiter aufstieg. In seine Zeit fiel die Eröffnung des Pizolparks in Mels SG, der ersten MMM-Filiale in der Geschichte der Migros. Ab dann ging es stetig weiter bis an die Spitze: Mit 38 wurde er Leiter der Genossenschaft Migros Bern und mit 52 Präsident der geschäftsführenden Verwaltungsdelegation des Migros-Genossenschafts-Bundes, wie es damals offiziell hiess – Mi­gros-Chef. Als er 1991 abtrat, wurde er Präsident der Verwaltung sowie später Präsident der Gottlieb und Adele Duttweiler ­Stiftung.

2012, nach 60 Jahren, trat Kyburz in den verdienten Ruhestand. Seinem Engagement für die Migros tat dies keinen Abbruch. So verfasste er regelmässig Leserbriefe ans Migros-Magazin, wenn wichtige Weichenstellungen anstanden, etwa 2019 bei den Erneuerungswahlen der Verwaltung oder 2022 im Vorfeld der legendären Alkoholabstimmung.

An der Migros nahm er bis zuletzt Anteil und scheute sich auch nicht, Kritik am aktuellen Umbau zu üben. Gleichzeitig lag es ihm fern, die Vergangenheit oder seine eigene Rolle zu überzeichnen oder zu romantisieren. Er fand, er hätte eine schöne Epoche der Migros erleben dürfen, die des ungebremsten Wachstums, aber auch er und seine Mitstreiter seien vor Fehlern nicht gefeit gewesen – zum Beispiel die gescheiterte Expansion nach Österreich. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Migros die aktuellen Herausforderungen meistern werde.

Im Namen der Migros-Gemeinschaft sprechen wir der Familie und seinen An­gehörigen unser tiefes Mitgefühl aus.

Adieu, lieber Jules Kyburz

Ursula Nold, Präsidentin der Verwaltung des Migros-Genossenschafts-Bundes
Mario Irminger, Präsident der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes

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