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Eine Frau trinkt aus einer PET-Flasche

Recycling ist der Königsweg

Doch, PET-Flaschen lassen sich auch aus CO2 herstellen

Täglich werden Millionen PET-Flaschen benutzt. Die meisten werden mehrfach recycelt. Da es daneben dennoch neuen Kunststoff braucht, setzt die Migros auf eine innovative Methode und stellt PET aus CO₂ her.

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Marcel Zulauf, Ringier Brand Studio
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Was wir tun

Wetten, dass du heute schon Polyethylenterephtalat in den Händen hattest? Wer jetzt sofort den Kopf schüttelt, liegt ziemlich sicher falsch. Denn jeden Tag werden in der Schweiz rund 4,38 Millionen PET-Flaschen benutzt. Der Kunststoff kommt bei unterschiedlichsten Verpackungen zum Einsatz. Unter anderem für Getränkeflaschen. Sie sind leicht, bruchsicher und wiederverwertbar. Kurz: PET-Flaschen sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken.

PET wird aus Kohlenwasserstoffen gewonnen, mehrheitlich aus Erdöl oder Erdgas. Oder seit zwei Jahren auch aus CO₂ hergestellt! Denn seit 2021 stellt die Migros PET-Flaschen aus Kohlenstoffdioxid her. Somit wird weniger Erdöl gebraucht und das Treibhausgas gebunden, anstatt in die Atmosphäre zu gelangen.

Ist das Recycling von PET der Königsweg der Kreislaufwirtschaft, ist PET aus CO₂ eine gute Ergänzung. Damit kann neu fabriziertes PET eingespart werden. Das CO₂-PET hat einen deutlich kleineren ökologischen Fussabdruck als neues PET. Bei gleicher Qualität.

Ausgezeichnete Innovation

Für den Weg, aus CO₂ Verpackungen zu machen, hat die Migros den Deutschen Verpackungspreis 2021 erhalten. «Das ist bemerkenswert, weil wir eigentlich kein Verpackungshersteller sind», betont Susanne Heldmaier, Strategic Lead R&I bei der Migros-Tochter Mibelle Group. Das Verfahren hat Migros zusammen mit dem Start-up LanzaTech entwickelt.

Der Weg von CO₂ zu PET ist wissenschaftlich hochkomplex, das Resultat aber verblüffend: Das Kohlendioxid wird hierbei aus Abgasen der Stahlindustrie gewonnen und mithilfe bestimmter Mikroorganismen in einem Gärprozess in Ethanol (Alkohol) umgewandelt. Dieses Ethanol kann einerseits in Reinigungsmitteln verwendet werden, es bildet andererseits die Basis zur Herstellung von nachhaltigem Kunststoff.

Für die Migros ist klar, dass die Technologie des CO₂-Recyclings auch für weitere Produkte taugt. Mittelfristig soll damit die gesamte Menge an konventionell gewonnenem Alkohol aus Pflanzen im Bereich der Wasch-, Putzmittel und Kosmetik ersetzt werden. Gleichzeitig will die Migros Industrie weitere Verpackungen auf den Markt bringen.

Investition in die Zukunft

Für die Migros ist die Investition ins CO₂-Recycling ein wichtiger Schritt zum Erreichen ihrer Nachhaltigkeitsziele. «Wir sehen das als Teil unserer Verantwortung. Man muss willens sein, dort einen ersten Schritt zu machen und nicht nur auf die Kosten zu gucken. Wir sagen: Es ist uns wert, dort etwas zu tun», erklärt Heldmaier. Sie hätten nach einem Weg gesucht, nachhaltige Rohstoffe einzusetzen, das sei mit der Umwandlung von CO₂ in Ethanol gelungen. «Damit haben wir in der Umweltbilanz einen riesigen Schritt gemacht.»

Die innovativen Technologien seien in der Startphase sicherlich teurer, als auf etablierte Prozesse zu setzen, sagt die Fachfrau. «Wir glauben aber, dass das sehr gut investiert ist, weil man für die Zukunft tatsächlich neue Rohstoffe hat.»

Der riesige Bedarf an PET unterstreicht die Bedeutung der Migros Entwicklung für eine nachhaltige Zukunft: Rund 1,6 Milliarden PET-Flaschen gelangen jährlich in der Schweiz in Umlauf. Davon werden 1,3 Milliarden Flaschen recycelt. Das entspricht einer Recyclingquote von 83 Prozent, wie das Bundesamt für Umwelt ermittelt hat. Was sogar im Vergleich zu Ländern, die ein Pfandsystem haben, sehr hoch ist.

Dank der hohen Wiederverwertungsquote können jährlich rund 34 Millionen Liter Erdöl eingespart und der Ausstoss von 126’000 Tonnen Treibhausgasen verhindert werden. Macht das Beispiel mit dem CO₂-PET Schule, können diese Werte zusätzlich verbessert werden.

Verbesserte Ökobilanz

Dank der Möglichkeit, CO₂ zu binden und daraus Kunststoff herzustellen, wird der Erdölverbrauch und die Klimabelastung reduziert. Sowohl konventionelles PET als auch das CO₂-PET können zu 100 Prozent rezykliert werden. «Solange keine Verunreinigungen vorhanden sind, ist die Wiederverwertung theoretisch unendlich möglich», sagt Remo Linggi von PET-Recycling Schweiz.

Dabei wird das Sammelgut in den Schweizer Sortieranlagen nach Farbe und Qualität getrennt. In Recyclinganlagen werden die Flaschen zerkleinert, Fremdstoffe wie Etiketten und Deckel aussortiert und in einem mehrstufigen Prozess zu neuen, hygienisch einwandfreien Getränkeflaschen aufbereitet.

In diesen Flaschen der Migros Kosmetiklinie steckt recyceltes CO₂-PET drin.
Die Flasche der Mundspülung ist aus je 50 % R-PET und CO₂-PET. Die Flasche der Handseife besteht zu 100 % aus CO₂-PET.© ZVG

Spart Energie, schont Ressourcen

Aus dem grössten Teil des Recyclingguts werden wieder Getränkeflaschen hergestellt. Dadurch bestehen neue Flaschen im Durchschnitt zu 60 Prozent aus dem sogenannten R-PET, bestätigt Linggi. Die Flaschen des Migros Mineralwassers Aproz bestehen seit drei Jahren sogar zu 100 Prozent aus Recycling-PET.

Granulat, das nicht für die Produktion neuer Flaschen verwendet werden kann, wird für andere Verpackungen, Textilien oder Füllstoffe gebraucht. Bei der Migros gibt es zahlreiche Produkte, die aus R-PET hergestellt wurden.

Das Wiederverwerten von PET schont nicht nur Ressourcen, weil weniger Erdöl verbraucht wird. Es braucht rund 50 Prozent weniger Energie und spart über 126’000 Tonnen Treibhausgase gegenüber dem Neumaterial. Das macht R-PET viel umweltfreundlicher.

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