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Warum so viele Kinder und Jugendliche psychisch erkranken

Depressionen, Ängste, Schlafstörungen – immer mehr Kinder und Jugendliche kämpfen mit psychischen Belastungen. Die wichtigsten Fragen und was Eltern tun können.

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Jörg Marquardt
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Getty Images
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So stark sind Kinder und Jugendliche heute psychisch belastet

Gemäss Unicef leidet rund ein Drittel der 14- bis 19‑Jährigen in der Schweiz unter psychischen Belastungen – Tendenz steigend. In der Praxis zeigen sich vor allem Depressionen, Angststörungen und Schlafprobleme, sagt Marianne Bolliger-Crittin, Psychotherapeutin und klinische Psychologin bei WePractice.


Das sind die Gründe für steigende Belastungen

Ein zentraler Treiber ist der wachsende Leistungsdruck – von der Schule bis ins Berufsleben. Familien geraten dadurch schneller an ihre Belastungsgrenze und können weniger oft der «sichere Hafen» sein, den Kinder bräuchten. Hinzu kommen diffuse Zukunftsängste im Zusammenhang mit globalen Krisen und der sich verändernden Arbeitswelt, etwa durch künstliche Intelligenz.


Diese Rolle spielt das Elternhaus

Viele Eltern stehen selbst stark unter Druck und wollen alles richtig machen, sagt Psychotherapeutin Marianne Bolliger-Crittin. Aus dem Wunsch, ihre Kinder zu schützen, räumen sie ihnen häufig Schwierigkeiten aus dem Weg. Gut gemeint – aber für die Entwicklung problematisch. Kinder müssen lernen, mit Frustration, Enttäuschung und Konflikten umzugehen. Wichtig ist die Botschaft: «Ich traue dir das zu. Aber ich bin da, wenn du mich brauchst.»

So können Eltern ihre Kinder psychisch stärken

  1. Aufmerksam zuhören: Nimm dir regelmässig Zeit für Gespräche, etwa beim Abendessen oder vor dem Schlafengehen. Dabei unbedingt das Handy weglegen und zuhören, ohne sofort zu bewerten oder Lösungen anzubieten. Stattdessen zurückspiegeln, was du verstanden hast («Das hat dich heute richtig geärgert»). So erlebt das Kind: Meine Gefühle zählen. Dies stärkt das Selbstwertgefühl.

  2. Verlässliche Routinen schaffen: Klare Tagesstrukturen – vom Aufstehen über Essen, und Lernen bis zum Schlafen – geben Orientierung und Sicherheit. Sie machen den Alltag vorhersehbar, reduzieren Stress und wirken besonders in belastenden Phasen stabilisierend.

  3. Sozialen Austausch fördern: Interessiere dich aktiv für die Freunde deines Kindes. Erkundige dich nach Namen oder frage nach Erlebnissen und Gefühlen – ohne zu kontrollieren oder zu werten! Ebenfalls sinnvoll: Zeit, Raum oder kleine Hilfen für Treffen anbieten, etwa Fahrdienste oder ein offenes Zuhause.

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