Navigation

Lukas Zenger ist ist Leiter Therapien bei Medbase Abtwil und Verbandsphysio von Swiss Sliding.

Interview

Herr Zenger, wie machen Sie die Athleten fit für Olympia?

Sportphysiotherapeut Lukas Zenger macht die Schweizer Bob- und Skeletonfahrer sowie die Rodlerinnen fit für den Weltcup – und für die Olympischen Spiele.

Text
Nina Huber
Bild
Anna-Tina Eberhard
Datum
Format
Story

In zwei Wochen beginnen die Olympischen Spiele in Cortina. Wie viele Ihrer Schützlinge werden dabei sein?
Im besten Fall qualifizieren sich alle Teams aus Bob, Skeleton und Rodler. Zusammen mit Ersatzfahrerinnen wären das 27 Sportler und Sportlerinnen, für die maximal drei Physiotherapeuten in Italien dabei sind.

Werden Sie auch dabei sein?
Das entscheidet sich erst eine knappe Woche, bevor die Spiele losgehen. Das Slidingteam besteht aus Bob, Rodel und Skeleton, und alle haben bis zuletzt noch Wettkämpfe, die über die Selektion entscheiden. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass zumindest ein Teil in Cortina dabei ist.

Falls Sie mitreisen: Wie wird Ihr Job vor Ort während der Spiele aussehen?
Wir sind bereits bei den Trainings am Eiskanal dabei und betreuen die Athleten physiotherapeutisch. Manchmal filmen wir auch die Trainingsfahrten für die Analyse. Es können schon mal lange Tage werden.

Wie machen Sie die Athletinnen und Athleten fit für Olympia?
Meine Aufgabe ist es, die Voraussetzung zu schaffen, dass sich die Sportlerinnen und Sportler voll auf das Rennen konzentrieren können, ohne durch Schmerzen oder Verspannungen abgelenkt zu sein. Dabei wende ich die ganze Palette an physiotherapeutischen Massnahmen an – von Dry Needling bis zu Stosswellen. Mit sterilen Nadeln löse ich zum Beispiel Muskelverspannungen, mit der Stosswelle leite ich mit einem Gerät hochenergetische akustische Wellen gezielt in das Gewebe. So werden Schmerzen gelindert und der Heilungsprozess beschleunigt.

Was fasziniert Sie am Bobfahren?
Bobfahrer sind im Grunde Leichtathleten, die maximal schnell sprinten müssen. Aber sie wiegen um die 100 Kilogramm, die Beschleunigung bedeutet also eine höhere Belastung für Gelenke und Muskeln. Da jedes Kilogramm das Tempo in der Bahn fördert, müssen Team und Bob möglichst nahe an das erlaubte Maximalgewicht von 630 Kilogramm kommen. Ein Viererschlitten wiegt mindestens 210 Kilogramm. Den müssen sie herumtragen und umdrehen. Entsprechend habe ich dann mit Rückenbeschwerden oder Muskelverletzungen zu tun.

Sie verbringen viel Zeit mit den Sportlerinnen und Sportlern. Wie wichtig ist der moralische Support?
Sehr wichtig. Die Athletinnen laden bei mir manchmal auch ihren Frust ab, wenn sie etwa für ein Rennen nicht aufgeboten werden. Es freut mich, wenn die Sportler Vertrauen zu mir haben.

Wie gross ist Ihr Anteil am Erfolg einer Athletin, eines Athleten?
Nicht so hoch. Wie auch bei anderen Wintersportarten werden die Bobfahrer im Sommer gemacht. Das Aufbautraining ist enorm wichtig. Wir kommen erst während der Saison ins Spiel. Dann therapieren wir die Beschwerden, die sich zeigen.

Sind Sie nervös, wenn «Ihre» Athleten den Eiskanal runtersausen?
Ja, ich bin angespannt. Aber früher war es schlimmer. Da überlegte ich beim Start, was alles passieren könnte und wie ich reagieren müsste.

Ich durfte mal hinter dem Piloten in einen Bob sitzen. Das war eine super Erfahrung.

Lukas Zenger, Sportphysiotherapeut und Leiter Therapien bei Medbase Abtwil

Sind Sie selbst schon mal in irgendeiner Form einen Eiskanal runtergesaust?
Ich durfte mal hinter dem Piloten in einen Bob sitzen. Das war eine super Erfahrung. Sie hilft mir, besser einzuordnen, welchen Kräften die Athleten ausgesetzt sind.

Einen Sportphysiotherapeuten brauchen Freizeitsportlerinnen nur im Falle einer Verletzung. Was ist der Unterschied zu Spitzensportlern?
Spitzensportler möchten, wie oft auch Hobbysportlerinnen, möglichst schnell wieder trainieren können. Die Erfahrung zeigt: Es braucht meistens aber mehr Zeit! Im Spitzensport fehlt genau diese. Der Druck ist höher, und man kann auch nicht immer nach Schulbuch gehen.

Wie meinen Sie das?
Bei klassischen Sportverletzungen wie einem Kreuzbandriss ist die Reha recht klar vorgegeben. Oft sind es im Spitzensport aber Überlastungsverletzungen, überbeanspruchte Sehnenansätze oder Gelenke. Da muss ich manchmal zusammen mit dem Athleten nach den Ursachen des Problems forschen.

Welchen Tipp geben Sie, um den Heilungsprozess zu unterstützen?
Möglichst viel Bewegung. Früher lautete die Devise bei Muskelverletzungen Schonen. Heute empfehlen wir, innerhalb der ersten Tage wieder in die Belastung zu gehen. Durchblutung unterstützt die Heilung, und Bewegung durchblutet die Muskulatur am besten. Zudem muss man fleissig die Übungen machen – nicht nur in der Physio.

Haben Sie einen Geheimtipp für Hobbysportler und -sportlerinnen, um gesund durch den Winter zu kommen?
Krafttraining! Und das ganze Jahr hindurch aktiv sein.

Meh für d'Schwiiz

Entdecke spannende Geschichten rund um die Migros, unser Engagement und die Menschen dahinter. Weiter stehen wir dir mit praktischen Tipps und Tricks für den Alltag zur Seite.

Alle Stories