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Wie wird das Wohnen von morgen aussehen?
Eine Umfrage und vier Szenarien des Migros-Pionierfonds liefern erste Ansatzpunkte zur Beantwortung.
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Im Sport wollen alle gewinnen, doch auch krasser Misserfolg kann berühmt machen. Wir präsentieren vier unvergessliche Verlierer der olympischen Winterspiele.
Kein anderer Wintersport-Verlierer ist so legendär wie Michael Edwards, ein gelernter Gipser aus der englischen Stadt Gloucester. Er begeisterte sich fürs Skispringen, seit er am Fernsehen die Vierschanzentournee verfolgt hatte. Weil er in seiner Heimat praktisch keine Konkurrenz hatte, konnte er sich in den 1980er-Jahren für internationale Wettkämpfe qualifizieren.
Er trug eine Brille mit Gläsern so dick wie Flaschenböden, die in der Kälte ständig beschlugen. Weil er also nicht mit dem Scharfblick eines Adlers gesegnet war, nannte man ihn ironisch «Eddie the Eagle». 1988 trat er an den Olympischen Winterspielen in Calgary an – es war der glanzvolle Höhepunkt seines Sportlerlebens. Mit 82 Kilo Körpergewicht brachte er neun Kilo mehr auf die Waage als der schwerste seiner Konkurrenten. Der letzte Platz war ihm sicher. Doch bei der grossen Abschlussfeier skandierten 100 000 Menschen seinen Namen. «Wäre ich etwas besser gewesen und im Mittelfeld gelandet, hätte man mich wohl gleich wieder vergessen», sagte Edwards später in einem Interview.
Der bebrillte Adler begeisterte das Publikum, weil er sich nie entmutigen liess. Auch diverse Unfälle, zwei Schädelfrakturen und ein Schlüsselbeinbruch konnten ihn nicht ausbremsen. 2015 lief ein Film über ihn im Kino.
Ebenfalls berühmt sind die jamaikanischen Bobfahrer Devon Harris, Dudley Stokes, Michael White und Samuel Clayton. Ein Geschäftsmann aus den USA hatte in den 1980er-Jahren die Idee, Jamaika an die Olympischen Winterspiele zu bringen. Auf der Insel finden regelmässig waghalsige Seifenkistenrennen statt und der Amerikaner sah darin Ähnlichkeiten zum Bobsport. Er rekrutierte in der jamaikanischen Armee vier durchtrainierte Soldaten als Bobteam.
1988 nahmen die Jamaikaner an den Olympischen Winterspielen in Calgary teil und verunfallten spektakulär: Ihr 500 Kilo schwerer Schlitten kippte und sauste in Seitenlage über die Bahn. Die Helme der Männer schrammten brutal über das Eis. Durch ein Wunder kamen die vier ohne ernsthafte Verletzungen davon. Nach dem Crash gingen sie den Weg ins Ziel stoisch zu Fuss und wurden dafür vom Publikum bejubelt.
Unter dem Titel «Cool Runnings» kam auch diese Geschichte ins Kino. Zu Verlierern wurden die Jamaikaner auch bei den Verhandlungen über die Filmrechte: Sie liessen sich mit 225 000 Dollar abspeisen – der Streifen spielte danach 300 Millionen ein. «Immerhin bekamen wir Gratistickets für die Filmpremiere», sagte Dudley Stokes voller Sarkasmus in einem Interview.
Man muss nicht beliebt sein, um zur Verliererlegende zu werden. Das bewies die amerikanische Eiskunstläuferin Tonya Harding. Dank ihrer Sprünge wurde sie zum Star; 1987 schaffte sie mit 17 Jahren als erste Läuferin bei einem Wettkampf den dreifachen Axel.
Doch die Herzen der US-Zuschauer flogen nicht ihr zu, sondern ihrer glamourösen Erzrivalin Nancy Kerrigan. Hardings Freund engagierte darum im Januar 1994 einen Kriminellen, der Kerrigan auflauerte und ihr mit einem Knüppel aufs Knie schlug.
Im Februar des gleichen Jahres traten die beiden Frauen bei den Olympischen Winterspielen in Lillehammer gegeneinander an. Das Duell «Eishexe gegen Eisprinzessin», wie es die Medien nannten, verfolgte in den USA fast die Hälfte der Bevölkerung. Harding unterlag, weil einer ihrer Schnürsenkel riss – und auch weil sie den geballten Hass der Zuschauer spürte. Sie bekannte sich später zu ihrer Mitschuld an der Knüppelattacke und wurde von allen Wettkämpfen ausgeschlossen. 20 Jahre später sagte sie in einem Interview voller Verbitterung: «Nancy ist die Prinzessin und ich ein Haufen Dreck.»
Der Rennrodler Fuahea Semi sorgte 2014 in Sotschi für eine Premiere: Er war der erste Sportler aus dem polynesischen Inselstaat Tonga, der an den Olympischen Winterspielen teilnahm. Bekannt wurde der Informatikstudent und Sohn eines einfachen Maniokfarmers aber vor allem durch einen Werbeskandal: Eine Marketingagentur drängte ihn dazu, sich Bruno Banani zu nennen – gleich wie eine Unterwäschemarke. Selbst in seiner Geburtsurkunde wurde der Name angepasst. Der Öffentlichkeit verkaufte man das Ganze als verrückten Zufall.
Als der Schwindel aufflog, gab es viel Empörung über die Schleichwerbung. Semi, der als sehr schüchtern galt, litt unter dem Skandal. Doch er gab nicht auf, trainierte eisern weiter und nahm an den Olympischen Winterspielen teil. Er landete in Sotschi auf dem siebtletzten Platz. Das Publikum zollte ihm für seinen Durchhaltewillen Respekt.
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