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Migros-Pionierfonds
Der Migros-Pionierfonds will wissen, wie wir morgen leben werden. Vier Szenarien und eine Umfrage liefern erste Antworten.
Es ist eine unbestreitbare Tatsache: Die Schweiz wächst. Heute leben über 9 Millionen Menschen im Land. Gemäss dem plausibelsten Szenario des Bundesamts für Statistik werden es 2050 10,4 Millionen sein. Das entspricht einer Zunahme von über 40 Prozent innerhalb eines halben Jahrhunderts. Da die Fläche des Landes begrenzt ist und Kleinhaushalte am stärksten zunehmen, «müssen wir Lösungen finden, wie wir künftig zusammenleben und wohnen werden, ohne Abstriche bei der Lebensqualität zu machen», erklärt Britta Friedrich, Leiterin des Migros-Pionierfonds. «Denn nur so werden die Veränderungen von der Bevölkerung mitgetragen.»
Der Migros-Pionierfonds hat daher vier Zukunftsszenarien entwickelt, die aktuelle Forschungstrends zusammenfassen. Mit einer repräsentativen Umfrage* des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) wurde zudem geklärt, welche möglichen Massnahmen im Umgang mit dem Bevölkerungswachstum auf Akzeptanz stossen.
Das wichtigste Ergebnis: Zwei Drittel der Befragten sind mit ihrer aktuellen Wohnsituation insgesamt zufrieden. Das liegt vor allem daran, dass sie genügend Platz haben, die Nachbarschaft schätzen und langfristig in ihrem Zuhause bleiben können. Gleichzeitig erkennen drei Viertel der Umfrageteilnehmenden, dass sie ihre Wohnsituation wegen des Bevölkerungswachstums überdenken müssen. Doch welche Veränderungen wären sie bereit zu tragen?
Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse will der Pionierfonds Projekte fördern, die Lösungen für das Wohnen der Zukunft bieten. Er hat dazu einen Ideenaufruf gestartet.
Das Szenario «Kompakt und regenerativ» sieht eine Verdichtung der urbanen Zentren vor – statt weiter in Richtung Agglomeration zu wachsen. Das bedeutet, dass mehr Menschen auf derselben Fläche leben. 80 Prozent der Befragten halten Verdichtung für eine gute oder teilweise gute Massnahme gegen den Wohnungsmangel. Allerdings sollte diese Verdichtung ihrer Meinung nach in Städten und der Agglomerationen stattfinden – nicht in ländlichen Gebieten. Selbst Bewohner von Städten sehen das so.
Die Verdichtung kann verschiedene Formen annehmen, etwa durch die Aufstockung bestehender Gebäude oder den Bau höherer Häuser. Beide Massnahmen werden von je 50 Prozent der Befragten akzeptiert. Die Umwandlung von Büroflächen in Wohnraum wird von zwei Dritteln der Befragten positiv bewertet.
Jakub Samochowiec, GDI-Forscher und Autor der Umfrage, erklärt sich den hohen Zustimmungswert zu diesen Massnahmen damit, dass die Befragten kaum davon betroffen wären. «Ihre Umsetzung scheint daher keine grossen Probleme zu bereiten.»
Am beliebtesten ist das Szenario «Polyzentrisch und vernetzt», das von 33 Prozent der Befragten positiv bewertet wird. Es sieht die Entwicklung kleiner, miteinander verbundener urbaner Zentren im ganzen Land vor. Die Bewohner profitieren davon, in der Stadt zu leben und gleichzeitig nahe an der Natur zu sein. Für die Befragten verlieren grosse urbane Zentren an Attraktivität. Rund 60 Prozent der Stadtbewohner möchten innerhalb der nächsten zehn Jahre in eine kleinere Stadt ziehen. Zudem geben etwa 40 Prozent an, aufs Land ziehen zu wollen.

Generell hängt die Zufriedenheit der Befragten mit ihrer Wohnsituation stärker von der Nähe zu Freizeit- und Erholungsräumen ab als von einer guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr oder einer kurzen Pendelzeit. Dass das Szenario «Polyzentrisch und vernetzt» die Verbreitung von Co-Working-Spaces und die Förderung von Remote-Arbeit vorsieht, spielt daher nur eine geringe Rolle bei der Bewertung.
Das Szenario «Super Citys mit Grüngürtel» überzeugt ein Viertel der Befragten. Hier konzentrieren sich die demografischen Entwicklungen auf vier grosse Metropolregionen: Zürich, Basel, Bern und die Genferseeregion. Zwischen diesen urbanen Räumen sollen grüne Pufferzonen dafür sorgen, dass sich die Bewohner erholen können.
Für mehr als die Hälfte der Befragten ist es wichtig, dass die Urbanisierung mit einer Aufwertung von Grünflächen und Naturzonen einhergeht. «Die Bevölkerung akzeptiert Nähe im öffentlichen Raum, wenn sie dafür Qualität gewinnt – etwa durch mehr Grün, nachhaltiges Bauen und ein aufgewertetes Umfeld», sagt Jakub Samochowiec.

Das vierte Szenario, «Wohnraum im Fluss – Die mobile Schweiz», stellt sich ein Land vor, in dem Agilität das zentrale Konzept ist. Die Bewohner ziehen häufig um und tauschen ihre Wohnungen je nach ihren aktuellen Bedürfnissen. Gleichzeitig unterstützen digitale Tools beispielsweise ältere Menschen dabei, einen Studenten zu finden, der vorübergehend in ihrer zu gross gewordenen Wohnung leben kann.
Dieses Szenario wirkt jedoch etwas zu futuristisch und findet bei den Befragten am wenigsten Anklang, da sie grossen Wert auf Komfort und Privatsphäre legen. Nur 15 Prozent der Befragten wären bereit, ihren eigenen Wohnraum zugunsten gemeinschaftlicher Räume zu verkleinern. «Selbst die Mehrheit der unter 30-Jährigen würde gern in zehn Jahren noch dort wohnen, wo sie es heute tun», sagt Jakub Samochowiec. «Wechselnde Wohnorte liegen hierzulande vielen Menschen offenbar nicht.»
*Die Umfrage wurde online mit über 2000 Personen aus der ganzen Schweiz durchgeführt.
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