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Fairer Handel

Wie fair ist mein T-Shirt? So findest du es heraus

Kann ich mit gutem Gewissen ein T-Shirt kaufen? Wie stellt die Migros sicher, dass die Menschen, die zur Entstehung des Kleidungsstücks beigetragen haben, am Arbeitsort geschützt und respektvoll behandelt werden? Einblicke in die vielen Stationen auf dem Weg zum fertigen Shirt.

Text Nina Huber
Fotos Getty Images
Datum
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Steht mir das T-Shirt? Die Antwort auf diese Frage lässt sich leicht finden. Schwieriger ist es für Konsumentinnen und Konsumenten zu erkennen, ob das Kleidungsstück unter fairen Bedingungen hergestellt wurde.

Bis ein Baumwoll-T-Shirt in einem Schweizer Laden landet, hat es einen weiten Weg hinter sich. Die Lieferkette von Textilprodukten besteht aus vielen Einzelteilen: Die verschiedenen Verarbeitungsschritte vom Baumwollanbau bis zur Näherei finden oft bei unterschiedlichen Firmen, zum Teil in unterschiedlichen Städten oder Ländern statt. T-Shirts der Migros kommen häufig aus Indien. 

Will ein Unternehmen sicher sein, dass seine Ware unter korrekten Bedingungen hergestellt wird, muss es jede einzelne Station der gesamten Wertschöpfungskette überprüfen. Rückverfolgbarkeit bedeutet auch, dass alle involvierten Zulieferer bekannt sind.   


Wie kontrolliert die Migros die einzelnen Stationen in der Lieferkette? 

Mit der Kontrolle der Qualität sowie der Einhaltung der sozialen Richtlinien ist die Migros-eigene Beschaffungsgesellschaft Migros Asia betraut. Die Mitarbeitenden stellen bereits bei der Auftragsvergabe sicher, dass nur qualifizierte Lieferanten berücksichtigt werden. Konkret sieht die Sorgfaltsprüfung im Fall eines Bio-Baumwoll-T-Shirts aus der Frühlings-Sommer-Kollektion 2024 so aus: 

Produktion 

Genäht wird das T-Shirt in einer Fabrik namens Sreeja Hosieries Pvt. Ltd in Coimbatore, Indien. Bei jährlichen Besuchen kontrollieren Mitarbeitende unabhängiger Prüfunternehmen und zum Teil der Migros selbst, ob die Arbeitszeiten eingehalten werden, die Fluchtwege frei und die feuerpolizeilichen Schutzmassnahmen gewährleistet sind.  

Schneiderei 

Die Stoffe werden in der Schneiderei bei Sreeja Hosieries Pvt. Ltd am Standort in Tiruppur, Indien, zugeschnitten. Hier wird bei den Kontrollen besonders darauf geachtet, ob die Zuschneider und -schneiderinnen ausreichend geschützt sind an den nicht ungefährlichen Maschinen. 

Wäscherei 

Das Waschen der Stoffe erfolgt bei Fabtech International Hosieries Pvt. Ltd in Tiruppur. Hier wird überprüft, ob die Angestellten korrekte Schutzkleidung tragen bei der Arbeit mit Chemikalien, und ob die chemischen Inhaltsstoffe vorschriftsgemäss entsorgt werden.

Drei gestreifte T-Shirts in unterschiedlichen Farben

So erkennst du, ob dein T-Shirt verantwortungsvoll produziert wurde

Für Konsumentinnen und Konsumenten ist es schwierig, ein fair gehandeltes Kleidungsstück zu erkennen. Hilfreich sind drei Fragen, die du dir selber zur Überprüfung stellen kannst:

1. Gibt es ein Zertifikat oder Hinweise auf Umwelt- und Sozialprogramme bei der Etikette? 

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) steht für umwelt- und sozialverträgliche Herstellung von der Ernte der Rohstoffe bis zur Verarbeitung.  

Die Abkürzung BCI steht für «Better Cotton Initiative». Die Initiative verfolgt das Ziel, den Baumwollanbau weltweit zu verbessern, indem beispielsweise Praktiken gefördert werden, die den minimalen Einsatz von Wasser und Pflanzenschutzmittel zum Ziel haben.  

Das Bio-Label. Es bedeutet, dass beim Anbau keine chemischen und synthetischen Dünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, was die Böden sowie das Grundwasser und damit die Lebensgrundlage der Menschen vor Ort schützt. 

2. Woher kommt das T-Shirt? 

Wie steht es um das Risiko von Menschenrechtsverletzungen im Herkunftsland des Artikels? Dazu gibt es unabhängige Einschätzungen, zum Beispiel die  Worldwide Governance Indicators  (WGI) der Weltbank. Allerdings gibt «made in» nur Auskunft über den Ort der letzten Verarbeitungsstufe.

3. Wie viel kostet das T-Shirt? 

Ein Baumwoll-Shirt für Franken 2.95? Wenn du dir die lange, vielgliedrige Lieferkette vor Augen führst und den Preis durch die Anzahl Stationen teilst, wird schnell klar, dass sehr wenig Geld für die einzelnen Produktionsschritte bleibt. Sprich: Je tiefer der Kaufpreis, desto weniger bleibt für die Bezahlung der Menschen, die das Shirt für dich gefertigt haben. Der Umkehrschluss funktioniert leider nicht: Ein besonders teures T-Shirt ist nicht automatisch fair produziert.

Strickerei 

In der Strickerei Sreeja Hosieries Pvt Ltd in Tiruppur wird das Garn zu Stoff verarbeitet. Hier wird vor allem die Arbeitssicherheit unter die Lupe genommen und überprüft, ob die Mitarbeitenden an den Maschinen ausreichend vor Lärm geschützt sind. 

Spinnerei / Färberei

Aus Baumwolle wird Garn. Dies geschieht bei der Firma Sri Saravana in Batlagundu, Indien. Verarbeitungsschritte weit am Anfang der Lieferkette werden häufig zu wenig kontrolliert, was das Risiko von Kinder- und Zwangsarbeit steigen lässt. Im Falle unseres T-Shirts wurden diese Kontrollen von zwei Inspektionen durchgeführt.  Dabei wurden keine Verstösse festgestellt. Für 2024 ist geplant, dass auch die Vorstufen der Textillieferketten wie etwa die Spinnerei in Indien von Migros-Mitarbeitenden kontrolliert werden. 

Das fertige Garn wird am gleichen Standort auch gefärbt. Bei diesem Arbeitsschritt wird kontrolliert, ob wirklich nur vom Global Organic Textile Standard (GOTS) genehmigte Zusatzstoffe zum Einsatz kommen und keine allergenen oder krebserregenden Farbstoffe verwendet werden.  Auch der richtige Umgang mit den Chemikalien und deren vorschriftsgemässe Entsorgung wird überprüft. 

Entkörnung / Anbau

Die Baumwollfasern werden von ihren Samen getrennt. Weil die Baumwolle meist von verschiedenen Anbauern stammt und nochmals über mehrere Zwischenhändler in die Weiterverarbeitung gelangt, ist die genaue Herkunftsbestimmung oftmals schwierig. Bekannt ist im Falle unseres T-Shirts, dass die Bio-Baumwolle aus der Region Madhya Pradesh in Zentralindien stammt.

Darüber hinaus...

... unterstützt die Migros ein Schulprojekt in Tiruppur 

Vor 25 Jahren gründete die Migros im südindischen Tiruppur die Migros KIDS School. Von allen Artikeln, die von den teilnehmenden Lieferanten stammen, fliesst eine Rupie in die Schule – also auch im Falle des oben abgebildeten T-Shirts. Damit wird rund die Hälfte der laufenden Kosten der Schule gedeckt. Die Einrichtung unterrichtet heute rund 1250 Schülerinnen und Schüler und unterhält 100 Angestellte. Ausserdem hat die Migros unter anderem die Schulbusse gespendet, welche die Kinder in die Schule und wieder nach Hause fahren sowie eine Solaranlage auf dem Schulhausgebäude. 

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