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IT-Spezialisten Thomas Staub und Thien Nguyen bei der Arbeit

Berufe im Migros-Universum

«Wir sind die Engel im Hintergrund»

Die IT-Spezialisten Thomas Staub und Thien Nguyen sorgen dafür, dass das Herz der Einkaufswelten im Takt schlägt. Dafür müssen sie auch an überraschend feuchte Orte.

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Jörg Marquardt
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Daniel Winkler Fotografie
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Was wir tun

Thomas Staub schwebt über dem Gemüse. Mit einer Hebebühne hat sich der 59-Jährige bis unter die Decke des Migros-Supermarkts fahren lassen. Neugierig beäugt von den Kundinnen und Kunden untersucht er eine kleine, weisse Box. «Die Antenne ist definitiv kaputt», ruft Staub hinunter. Sogleich reicht ihm sein Arbeitskollege Thien Nguyen (23) das passende Ersatzgerät hoch. «Hier, alter Mann!» Nach ein paar Handgriffen leuchtet die neue WLAN-Antenne blau auf: alles okay.

Staub und Nguyen sind zwei von über 30 «Field-Services-Technikern» bei der Migros. Sie rüsten alle Supermärkte, nebst den Filialen von Denner und Migrol, mit Computertechnik aus und sorgen für stabile Netzwerke. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Kassen funktionieren, dass Cumulus-Punkte auf dem Kundenkonto landen oder Warenbestellungen rausgehen. «Wir sind die Engel im Hintergrund», sagt Thomas Staub.

Probleme im Einkaufscenter

Heute Morgen kümmern sie sich um mehrere kleinere Probleme im Einkaufscenter Zugerland. «Je mehr Antennen ausfallen, umso langsamer wird das Netzwerk im Laden», erklärt Thien Nguyen. Der gelernte Telematiker stiess vor einem Jahr zur Migros. Gemeinsam mit Staub und zwei weiteren Kollegen betreut der Luzerner die Filialen in der Innerschweiz und im Tessin. Nguyen ist der Jüngste im Team. «Mit Abstand.» – «Ist gut jetzt», reagiert sein Arbeitskollege gespielt entrüstet.



Staub selbst startete vor 27 Jahren bei der Migros. Lange Zeit hat der gelernte Monteur aus Horw LU die Filialen der Migros Luzern mit neuer Hardware ausgerüstet. «Ich kenne sie wie meine Westentasche.» Seit er 2022 zu den Field-Services stiess, richtet er auch Netzwerke ein.

Ziemlich beste Kollegen

Der grosse Altersunterschied zwischen den Männern ist kein Hindernis – im Gegenteil: Staub lobt das Netzwerk-Know-how seines jungen Kollegen, von dem sie alle profitieren würden. Eine Steilvorlage für Nguyen: «Ich finde, Thomas macht Fortschritte, wenn auch langsam, er ist ja nicht mehr der Jüngste.» Staub pariert: «Dafür habe ich die bessere Ortskenntnis und beherrsche mehr Tricks beim Kabelverlegen.»

Als sie den Supermarkt verlassen wollen, läuft ihnen der Chef des Hausdienstes über den Weg. «Gut, erwisch ich euch!» An der Käsetheke gibt es ein Problem mit der Waage: Auf dem Display für die Kundschaft wird nicht das abgewogene Gewicht des Käses angezeigt, sondern ein saftiges Stück Fleisch. «Ihr habt die falsche Waage bekommen», sagt Staub. «Machst du uns ein Ticket?»

Nicht immer sind die Probleme so leicht zu beheben. In der Nacht auf den 31. Dezember 2023 bekam Thomas Staub plötzlich eine Fehlermeldung aufs Handy. In einem Dutzend Filialen war das WLAN komplett zusammengebrochen. Keine Kasse funktionierte mehr. «Ein unerwartetes Software-Update hatte das Netzwerk lahmgelegt – ausgerechnet an einem der umsatzstärksten Tage im Jahr.» Rasch musste er weitere IT-Spezialisten zusammentrommeln, um mit vereinten Kräften die Systeme wieder zum Laufen zu bringen. «Da kommt man schon ins Schwitzen.»

Die Field Supporter reparieren eine Antenne in der Filiale
© Daniel Winkler Fotografie

Kabelsalat

Der Serverraum vom Zugerland liegt in einem der Hinterräume des Einkaufscenters. Dort schlägt den beiden Technikern warme Luft und lautes Surren entgegen. «Das kommt von den Lüftern der Netzwerkschränke», sagt Thien Nguyen. Er öffnet einen der Schränke, in dem unzählige Kabel ein buntes Muster ergeben. «Die grauen Kabel sind für die Kassen, die blauen für die WLAN-Antennen.»

Nguyen schliesst sein Laptop an den Schrank an und prüft, ob die ausgetauschten Komponenten im Migros-Supermarkt korrekt und mit voller Kraft laufen. Routiniert tauscht er ein defektes Kabel aus, das den Datenfluss gehemmt hat.

Auf dem Handy poppt der nächste Auftrag auf, diesmal ausserhalb des Einkaufscenters. In der Migrol-Tankstelle auf der anderen Strassenseite ist ebenfalls eine Antenne ausgefallen – welche, wird im System nicht angezeigt. «Ich sehe nur, dass die Nummer 1 nicht mehr funktioniert», sagt Staub.

Im Tankstellenshop und in der Werkstatt ist alles in Ordnung. «Wo habt ihr noch Antennen?», fragt Nguyen einen Mechaniker, der an einem Lieferwagen schraubt. «In der Waschstrasse gibts noch eine.» Bingo! Das Gerät befindet sich oben an der Wand, geschützt durch eine Plastikabdeckung. Kein blaues Licht. Nguyen schraubt die Antenne ab und schliesst sie an den Netzwerkschrank der Migrol-Tankstelle an. Plötzlich leuchtet die Lampe auf. «Dann muss etwas mit der Verkabelung in der Waschanlage nicht stimmen.» Diese Problem können die beiden Techniker nicht selbst beheben. Sie informieren den Betriebsleiter, dass er einen Stromer aufbieten muss.

Und schon ruft der nächste Auftrag. Diesmal in der Denner-Filiale im Surseepark. Noch ein rascher Zmittag im Zugerland, dann brechen die beiden Techniker auf.

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