Die Schwestern Janine Pfander und Tamara Riesen

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Diese Schwestern führen eine Migros-Filiale zusammen

Tamara Riesen und Janine Pfander teilen sich den Job der Filialleiterin in Burgernziel (BE). Wie es dazu kam und was die Herausforderungen sind.

Von
Andrea Bauer
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Was wir tun

Eine Filiale gemeinsam zu führen und so Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen, war schon lange eine Idee der beiden Geschwister. «Oft haben wir am Sonntag bei Kaffee und Kuchen darüber gesprochen, wie wir das machen würden und dass es eigentlich am besten klappen würde, wenn wir beide zur selben Zeit schwanger wären», so Janine.

Dass es dann kurze Zeit später wirklich so geschah und die beiden ihre Kinder nur gerade mit 6 Wochen Differenz zur Welt brachten, grenzt schon fast an ein Wunder. Sofort war den Schwestern klar: Jetzt würde eventuell möglich, wovon sie schon so lange sprachen. Als Janine diese Idee ihrem Verkaufschef Andreas Fritschi erläuterte, war er sofort von der Idee eines Filialsharings begeistert.

Neuanfang mit vielen Herausforderungen

Es ist eine Neuheit in der Migros Aare. «Wir waren überzeugt, dass es ein grosser Vorteil ist, mit diesem neuen Modell auch gleich in einer ganz neuen Filiale zu starten», erzählt Tamara. «Inzwischen denken wir, es wäre einfacher gewesen, dies in einer bereits etablierten Filiale zu tun, wo die internen Abläufe schon klar gewesen und das Team bereits seine Aufgaben gehabt hätte.» Janine nickt. «Das haben wir echt unterschätzt.»

Obwohl beide seit mehr als 20 Jahren bei der Migros Aare arbeiten und bereits Filialen leiteten, war der Neuanfang herausfordernder, als sie gedacht hatten. Denn am Anfang klappte vieles noch nicht reibungslos, sie kämpften mit Baumängeln und insbesondere im technischen Bereich brauchte es in den ersten beiden Wochen viel Einsatz und Nerven, bis alle Zugänge funktionierten und die Systeme einwandfrei liefen.

«Gleichzeitig mussten sich unser neues Team und all die neuen Abläufe einspielen – eine ziemliche Herkulesaufgabe», so das Fazit der 38-jährigen Tamara.

Die Freude am Verkaufen geerbt

Aber, und das freut die beiden ganz besonders: Ihr «Lädeli», wie sie die Migros Burgernziel liebevoll nennen, scheint grossen Anklang zu finden. Jedenfalls sind die Umsätze «über Budget, das ist schon mal super!», sagt Tamara gut gelaunt.

Vielleicht liegt das auch ein bisschen an ihrem gewinnenden, fröhlichen Wesen? «Wir lieben unsere Arbeit wirklich sehr – Lebensmittel verkaufen liegt uns im Blut. Und eigentlich haben wir als Kinder auch nie etwas anderes gespielt als Chrämerle!», erzählt Janine lachend.

Bereits ihre Grossmutter führte einen Tante-Emma-Laden. Es war für die Schwestern jeweils das Höchste, wenn sie diesen während Grossmutters Abwesenheit hüten durften. «Dabei war Tamara schon immer diejenige, die alles umgestellt und Anweisungen gegeben hat», erzählt die fünf Jahre jüngere Janine. «Dafür warst du diejenige, die immer alles im Griff hatte, auch was die Bestellungen angeht» gibt Tamara zurück.

Offenbar hat sich an diesen Charakterzügen bis heute nicht allzu viel geändert: «Tamara ist nach wie vor der Kontrollfreak, aber auch eher die, die etwas länger überlegt». «Stimmt», bestätigt Tamara. «Du bist einfach der Macher – alles muss am liebsten grad jetzt sein!»

Beide lachen und man spürt diese enge Verbundenheit, immer aber auch den gegenseitigen Respekt. Janine bringt es denn auch auf den Punkt: «Wir haben eigentlich die gleichen Ansichten. Nur sind wir nicht immer gleicher Meinung!»

Als Schwestern zusammenzuarbeiten hat Vor- und Nachteile

Es ist wohl diese Ergänzung, die das Schwestern-Gespann ausmacht. «Obwohl natürlich zwischendurch schon mal die Fetzen fliegen», relativiert Tamara.

«Und manchmal ist man auch schnell eingeschnappt, und die Kritik der eigenen Schwester trifft einen härter als die von anderen. Da ist die Nähe manchmal etwas hinderlich. Aber dadurch, dass wir uns in- und auswendig kennen, finden wir schnell wieder einen Weg.» Es hat also Vor- und Nachteile, als Schwestern so eng zusammenzuarbeiten.

«Wir sind nach wie vor daran, den besten Weg für dieses Führungsmodell zu finden.» Da es dazu noch kein Beispiel gibt, müssen sie zusammen mit ihrem Team alle Erfahrungen selbst machen. «Dabei ist wichtig, dass wir Dinge, die nicht so gut klappen, sofort ändern und es andersrum versuchen. So werden wir täglich etwas besser.»

Ein gutes Beispiel für andere Mütter

Momentan arbeiten sie abwechslungsweise – Tamara am Montag und Mittwoch, Janine am Dienstag und Donnerstag und Freitag/Samstag wechseln sie sich ab. Essentiell dabei sei, dass sie immer im Austausch blieben – jede müsse über alles Bescheid wissen, sonst gehe das nicht. Die private Nähe sei hierbei nun wieder ein grosser Vorteil.

Sie sind sich bewusst, dass sie eine Vorreiterrolle für weitere Filialleitungs-Duos innehaben. «Wir möchten gerne für andere Mütter gute Beispiele sein und setzen deshalb alles daran, dass dieses Modell funktioniert.»

Beide sind überzeugt, dass dies auch zwei Menschen gelingen würde, die einander gut mögen, sich verstehen und die gleichen Ansichten hätten. Dass man viel, offen und ehrlich miteinander reden könne, sei aber natürlich die Voraussetzung, sind sich Tamara und Janine einig.

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